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Führungsqualitäten : Erst Klassensprecher, dann Manager

Zur Führungskraft geboren? Nicht jedem sind Management-Fähigkeiten in die Wiege gelegt Bild: ddp

Manche Menschen sind geborene Führungskräfte. Dann zeigt sich schon in der Kindheit, wer anderen sagt, wo es langgeht. Bestimmte Fähigkeiten lassen sich aber auch trainieren. Mit Selbsttest.

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          So hatte er sich das nicht vorgestellt, der Manager aus dem mittelständischen Unternehmen, vor einiger Zeit vom einfachen Angestellten zur Führungskraft befördert. Zum Wochenauftakt verkündet eine Mitarbeiterin, sie sei schwanger, und fordert schon mal vorsorglich einen Teilzeitheimarbeitsplatz. Am Tag drauf meldet sich eine andere wegen eines Bandscheibenvorfalls für die nächsten Monate krank. Die Umsatzzahlen gehen seit Wochen ohne ersichtlichen Grund nach unten, der Geschäftsführer macht unverhohlen Druck. Und zwischendrin: Akquise, Akquise, Akquise. Führungsalltag eben.

          Julia Löhr

          Wirtschaftskorrespondentin in Berlin.

          Das Problem ist nur: Oft werden sich Menschen erst dann klar darüber, ob sie sich genau dafür eignen oder nicht, wenn sie schon im mittleren Management angekommen sind - und sich vom allgegenwärtigen Druck zerrieben fühlen. Die Unternehmensberatung Kienbaum hat deshalb einen Test entwickelt (Hier geht's zum Managertest). Er gibt Hinweise darauf, ob jemand das Zeug zum Manager hat.

          „Exzellenz in dem, was man tut, kann ein wesentlicher Karrierefaktor sein - muss es aber nicht“, erläutert der Psychologe Walter Jochmann, ein Mitglied der Kienbaum-Geschäftsführung. Persönlichkeit und Motivation spielen seiner Erfahrung nach eine ebenso wichtige Rolle. „Mit Willen, Ehrgeiz und bestimmten Aspekten der sozialen Kompetenz kann man auch durchschnittliche Fähigkeiten wieder wettmachen.“

          Es geht um Verantwortung nicht um Selbstdarstellerei

          Manche Menschen können das besser als andere. „Führungskräfte werden diejenigen, die schon im Kindergarten das Spielzeug weggeräumt und später in der Schule als Klassensprecher kandidiert haben“, sagt die Personalberaterin Sophia von Rundstedt. Das heiße nicht, dass sie begnadete Selbstdarsteller sein sollten. „Es geht darum, Verantwortung zu übernehmen.“ Das zeige sich oft schon im Kindesalter - und setzt sich im Erwachsenen- und Berufsleben fort. „Es gibt Menschen, an denen sich andere automatisch orientieren, wenn sie einen Raum betreten“, sagt Wirtschaftspsychologin und Coach Felicitas von Elverfeldt. Gewiss seien bestimmte Eigenschaften, über die eine Führungskraft verfügen müsse, trainierbar. Doch eines lasse sich eben nicht lernen: „Man muss Spaß daran haben, Beziehungen zu knüpfen und Entscheidungen zu treffen. Sonst wird der Stress schnell zu groß.“ Die Hauptaufgabe einer Führungskraft? „70 Prozent sind Innenpolitik.“

          Während Konzerne vielfach mittels Assessment Centern in der Belegschaft nach Mitarbeitern suchen, die sich für eine Führungsrolle eignen könnten, gehen Mittelständler nicht immer so systematisch vor. Unabhängig von solchen Strukturen sehen Psychologen und Personalberater immer auch den einzelnen Mitarbeiter in der Pflicht, zu hinterfragen, ob ihn nur das Prestige lockt oder ob er in einer leitenden Position wirklich Erfüllung vermutet. „Selbstreflexion ist eine sehr wichtige Eigenschaft“, sagt Sophia von Rundstedt dazu. Damit es möglichst wenigen am Ende so geht wie dem Manager des mittelständischen Unternehmens, der sich das alles ganz anders vorgestellt hat.

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