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Frischgebackene Führungskräfte : Gestern Kollege, heute Chef

Bild: Cyprian Koscielniak

Endlich aufgestiegen, endlich Karriere gemacht. Doch die Freude der neuen Führungskraft währt oft nur kurz. Jetzt gibt es Neider, die auch gern Chef geworden wären. Und einfach so mit Kollegen Fußball spielen geht auch nicht mehr.

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          Vielleicht ist er auch reichlich naiv an die Sache herangegangen. Als Heiner Rath, der einen anderen Namen trägt, zum Leiter seiner Abteilung ernannt worden war, ließ er im Münchener Büro die Korken knallen und seiner Freude über den Karrieresprung freien Lauf. Endlich hatte sich die Plackerei der vergangen Jahre ausgezahlt: Immerhin hatte er zwei Studienabschlüsse, darunter ein begehrtes Ingenieursdiplom, und sich einige Jahre bei dem Energiekonzern bewährt. Jetzt sollte aus dem ausgewiesenen Fachmann eine Führungskraft werden. Der neue Vertrag war unterzeichnet, sein Aufstieg zum Gruppenleiter und Chef der 15 Kollegen besiegelt. „Und damit fingen die Probleme an. Schon beim Sektumtrunk blickte ich in einige irritierte bis neidische Gesichter. Das habe ich großzügig verdrängt“, sagt Rath heute selbstkritisch. Abends im Familienkreis war der Jubel dann ungetrübt, Frau und Kinder freuten sich über den Dienstwagen und die Aussicht, den Urlaub künftig nicht mehr in der Pension, sondern im Hotel verbringen zu können.

          Ursula Kals
          Redakteurin in der Wirtschaft, zuständig für „Jugend schreibt“.

          Am Arbeitsplatz aber fingen für Rath die Probleme an. Vor allem zwei Kollegen, die sich selbst Hoffnungen auf den Führungsposten gemacht hatten, zogen sich zunächst zurück, um Rath dann systematisch von Projektschritten auszuschließen. „Ich habe erst spät realisiert, dass das keine Zufälle oder Versäumnisse der sonst so zuverlässigen Kollegen waren, sondern knallharter Boykott.“ Dass die Gespräche in der Teeküche plötzlich verstummten, wenn er den Raum betrat, daran gewöhnte er sich. Nicht aber daran, dass Arbeitsabläufe gestört wurden.

          „Vorgesetzte sind auch ohnmächtig“

          “Das ist eine typische Situation, die oft entsteht, wenn aus dem Kollegen plötzlich ein Chef wird“, erklärt die Trierer Diplompsychologin Stefanie Stahl. Was die Aufgestiegenen überhaupt nicht realisierten: Ihr Aufstieg bedeutet erst einmal, dass sie an anderen ebenfalls ehrgeizigen Kollegen vorbeigezogen sind. „Und die in den Griff zu bekommen, das heißt, zu motivieren und in neue Pläne einzubeziehen, das erfordert diplomatisches Geschick.“ So schreibt der Hamburger Karrierecoach Martin Wehrle in seinem Buch über die „großen und kleinen Irrtümer zwischen Chef und Mitarbeiter“ illusionslos: „Vorgesetzte sind nicht nur mächtig, wie es zunächst scheint - sie sind auch ohnmächtig. Nicht sie haben ihre Mitarbeiter in der Hand, sondern umgekehrt: Ein Chef kann nur so gut sein, wie seine Mitarbeiter ihn unterstützen.“

          Das ganze Team muss sich neu erfinden. Das aber war dem gebürtigen Rheinländer Rath nicht klar. Erst allmählich dämmerte ihm, wie frustriert gerade seine bis dahin engsten Vertrauten waren. Wie stark sich seine eigene Rolle durch die Beförderung verändert hatte, darüber hatte er sich keine ernsthaften Gedanken gemacht. Und auch über die Binsenweisheit nicht, dass Macht einsam macht und Führungskräfte in gewisser Weise auch Schmerzensgeld dafür bekommen, dass sie diese Einsamkeit aushalten. Möglicherweise erhalten sie von drohenden Kündigungen Kenntnis, können sich darüber aber nicht austauschen. Es sei denn, sie suchen sich Kollegen auf gleicher Ebene, denen sie absolut vertrauen können.

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