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Fremdsprachen im Beruf : Ni Hao oder Bonjour?

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Zu den exotischeren Sprachen gehören Arabisch oder Chinesisch. Solche schwierigen Sprachen lohnen sich laut Julia Funke aber nur, wenn man auch vorhabe, in den jeweiligen Ländern zu leben. Sie seien durch andere Schriftsysteme sehr lernintensiv, und auf Vorrat zu lernen sei nicht sinnvoll. Zwar würden etwa auch die Handelsbeziehungen in den Nahen Osten stetig intensiver. Aber in Dubai oder den Vereinigten Arabischen Emiraten seien in der Regel keine produzierenden Unternehmen vertreten. „Dort sind Berater, Verwaltung oder ähnliche Unternehmen ansässig, da spricht jeder Englisch,“ sagt Funke. Wie auch von Hardenberg glaubt Funke, dass es für Berufstätige im Zweifel wichtiger ist, ihr Englisch zu perfektionieren, anstatt eine weitere Fremdsprache zu erlernen. Wenn man dieses aber sicher und fließend beherrsche, sich verhandlungssicher unterhalten könne, dann könne man sich bei Interesse immer gerne einer weiteren Sprache widmen, sagt Kathrin von Hardenberg.

Gute Sprachkenntnisse allein genügen jedoch häufig nicht im Umgang mit ausländischen Geschäftspartnern. Besonders im Umgang mit Kunden aus anderen Kulturkreisen, wie China oder selbst den Vereinigte Staaten, kommt es darauf an, den kulturellen Hintergrund und die Verhaltensweisen des Gegenübers zu kennen. Auch deshalb werden Muttersprachler häufig bevorzugt. Für Verkaufsgespräche ist es zum Beispiel oft entscheidend, die Gewohnheiten der Kunden zu kennen, um zu einem Abschluss zu kommen. Bei komplexen Sprachen wie Mandarin haben Muttersprachler natürlich Vorteile, denn allein das Lernen der Schriftzeichen ist schon für Chinesen eine Lebensaufgabe. Deshalb, so von Hardenberg, sei es einfacher, für entsprechende Stellen Chinesen zu engagieren. Diese könnten hierzulande mit Mitarbeitern in Englisch kommunizieren. „Chinesen, die sich wiederum die Mühe machen und die deutsche Sprache lernen, haben eine sehr große Chance, auf dem deutschen Markt Fuß zu fassen“, sagt sie.

Acht Monate Auslandsaufenthalt sollten es schon sein

Wie wichtig kulturelle Kompetenz neben dem Spracherwerb ist, haben die meisten Unternehmen längst erkannt. Deshalb schickten etwa Anwaltskanzleien ihre Juristen immer häufiger ins Ausland, erzählt von Hardenberg, denn „Arbeitgeber achten mittlerweile darauf, ob zukünftige Mitarbeiter im Ausland waren“. Dies sei ein nicht zu unterschätzender Punkt im Lebenslauf der Bewerber. Als optimale Zeitdauer für einen Auslandsaufenthalt sieht sie dabei alles von einer Aufenthaltsdauer von acht Monaten an aufwärts. Ein kürzerer Aufenthalt biete nicht dieselben Möglichkeiten, die Kultur genauer kennenzulernen.

Häufig wird auch über den optimalen Zeitpunkt für einen Auslandsaufenthalt spekuliert. Laut Kathrin von Hardenberg ist es aber egal, ob jemand in einem Auslandsschuljahr, als Student mit Erasmus, im Rahmen eines Praktikums oder einfach durch einen früheren Job im Ausland gewesen ist. Was zählt, sei die gewonnene Erfahrung. „Wer mehrere Monate auf sich allein gestellt im Ausland verbringt in einer fremden Kultur, tut nicht nur etwas für seine Sprachkompetenz, er ist viel unabhängiger und selbständiger als jemand, der das nicht tut“, sagt sie. Deshalb schätzten Arbeitgeber Auslandserfahrung so sehr.

Bei aller Bedeutung von sprachlichen Kompetenzen für die Karriereplanung in Zeiten der Globalisierung - das Thema sollte auch nicht überbewertet werden. Wer in mehreren Fremdsprachen problemlos kommunizieren kann, dem öffne sich nicht automatisch Tür und Tor. Denn Sprachen zählen immer noch zu den sogenannten „Soft Skills“. Entscheidend sind in der Regel zunächst immer noch die „harten“ Fachkenntnisse. „Wenn der eine Bewerber mehrere Fremdsprachen beherrscht und der andere nur Englisch spricht, aber mehr Fachkenntnis vorweisen kann, wird sich der Unternehmer im Zweifel für den Bewerber mit mehr Expertise entscheiden“, sagt Julia Funke. Man werde auch nicht besser bezahlt, wenn man mehr Fremdsprachen könne. Wenn die fachlichen Kriterien zwischen Bewerbern jedoch ziemlich ähnlich sind, dann kann die Multilingualität aber zum Zünglein an der Waage werden.

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