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Frauenquote in Holland : Alles Käse

Bleiben die Männer auf der Strecke, Frau Antje? Bild: ddp Images

Die Niederlande waren nach Norwegen das Vorreiterland in Sachen Frauenquote. Doch auch hier liegt der angestrebte Prozentsatz noch in weiter Ferne. Und ein Konzern sorgt jetzt sogar wieder für Gegenwind.

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          Befürworter der Frauenquote dürfen in den Niederlanden ein Vorbild sehen. Was die Regierung in Berlin noch plant, hat das Nachbarland im Westen schon eingeführt: eine Zielvorgabe, nach der größere Unternehmen mindestens 30 Prozent der Aufsichtsräte und Vorstände mit Frauen besetzen sollen. Bis 2016 haben sie dazu Zeit, allerdings ist die Vorgabe nicht streng rechtsverbindlich; das war im Parlament nicht durchzusetzen. Aber: Verfehlt ein Unternehmen die Zielmarke, soll es erklären, warum. Und wie es sich zu bessern gedenkt.

          Klaus Max Smolka
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Ähnlich regiert die große Koalition in Berlin: Nach ihrem Willen sollen private Unternehmen künftig mindestens 30 Prozent ihrer Spitzenposten mit Frauen besetzen. In den Niederlanden kam kürzlich ein Untersuchungsbericht heraus, wonach die angestrebte Quote in weiter Ferne liegt. Das rief die zuständige Ministerin für Wissenschaft und Kultur, Mariëtte (Jet) Bussemaker, auf den Plan: „Wo kein Wille ist, da kommt ein Gesetz“, drohte sie. Jetzt kommt Gegenwind von ungewohnter Seite - vom Telekomkonzern KPN, einer der Pioniere der Frauenförderung. KPN hatte 2009 angekündigt, für bestimmte Spitzenposten nur noch Frauen in Betracht zu ziehen.

          Den höher qualifizierten, multikulturellen Mann völlig vernachlässigt

          Doch vor eineinhalb bis zwei Jahren hat der Konzern seine Quotenpolitik eingestellt, wie sein Gleichstellungsbeauftragter Jasper Rynders jetzt in einem Interview mit einem Online-Magazin sagte. „Letztlich sehen Sie da vor allem weiße, höher ausgebildete Frauen reinkommen, zwischen 40 und 50 Jahre alt, mit demselben sozialen Hintergrund.“ Mehr noch, es stellte sich heraus: Viele Frauen glichen in ihrem Verhalten stark den Männern, „einschließlich ihrer Schwächen“. Der „höher qualifizierte, multikulturelle Mann“ sei hingegen völlig vernachlässigt worden.

          Es dauerte nur Stunden, da hagelte es Kritik von Politikerinnen der regierenden Sozialdemokraten und der oppositionellen Grünen. Die s0zialdemokratische Ministerin Bussemaker signalisierte hingegen, man wolle aus den Angaben KPNs lernen - gerade auch, was die männer-artig auftretenden Frauen angeht: „Das sind Schlussfolgerungen, die wir zur Kenntnis nehmen müssen. Was wir wollen, ist ja gerade mehr Diversität und nicht Klone der Leute, die da schon sitzen.“

          Die Niederlande waren nach Norwegen das Vorreiterland in Sachen Frauenquote. In Deutschland sollen laut Koalitionsvertrag in voll mitbestimmungspflichtigen und börsennotierten Unternehmen Aufsichtsräte, die von 2016 an neu besetzt werden, die 30-Prozent-Quote erfüllen. Verfehlen die Konzerne das, sollen „die für das unterrepräsentierte Geschlecht vorgesehenen Stühle frei bleiben“. Klar: Ein leerer Stuhl wäre immer noch besser als ein Klon.

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