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Frauen und Karriere : Mütter, kommt zurück!

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Bild: F.A.Z. - Cyprian Koscielniak

Wenn sie Mütter werden, wechseln viele Frauen, egal wie qualifiziert und erfolgreich sie sind, in das traditionelle Modell. In zwei von drei Familien mit Kindern gilt: Frau zu Hause, Mann im Büro. Also machen Frauen mit Kindern nur selten Karriere. Wirklich?

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          Zu den Insignien des beruflichen Erfolges gehören: das wohnzimmergroße Büro mit Panoramablick, der Dienstwagen mit Stern und ein Kalender, gefüllt mit 60, besser 70 Wochenstunden Arbeit. Noch immer gilt der Vielarbeiter ohne Anspruch an ein Privat- oder gar Familienleben vielen als Ideal des Karrieremenschen. Und: Dieses Ideal ist ein Mann. Frauen, so scheint es, passt das Korsett, aus dem herkömmliche Karrieren gestrickt sind, weniger gut.

          Sicher, es gibt Frauen, die es ganz nach oben geschafft haben. Indra Nooyi steht an der Spitze des amerikanischen Großkonzerns Pepsico. Anne Lauvergeon leitet den französischen Atomkonzern Areva, Anne-Marie Idrac die französische Staatseisenbahn SNCF. Sallie Krawcheck sitzt im Vorstand der Citigroup, Linda Cook im Vorstand von Royal Dutch Shell und Vivienne Cox im Vorstand von BP. Die Spanierin Ana Patricia Botín ist Präsidentin der Bank Banesto. Doch solche Frauenkarrieren sind die Ausnahme. Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung hat herausgefunden, dass in den 100 größten Unternehmen hierzulande nur eine Frau im Vorstand sitzt. In den Top 200 sind es elf, was einem Anteil von gut einem Prozent entspricht. Es muss nicht einmal um den Chefsessel in einem Großkonzern gehen. Auch weiter unten auf der Karriereleiter stoßen Frauen beruflich an Grenzen. Der häufigste Grund dafür: Kinder.

          Wechsel ins traditionelle Modell

          Wenn sie Mütter werden, wechseln viele Frauen, egal wie qualifiziert und erfolgreich sie sind, in das traditionelle Modell. In zwei von drei Familien mit Kindern gilt: Frau zu Hause, Mann im Büro. Fehlende Betreuungsangebote für Kinder unter drei Jahren und Kindergarten-Öffnungszeiten, die mit den Realitäten eines Vollzeitjobs wenig gemein haben, machen es schwierig, früh aus der Elternzeit zurückzukehren. Nach einer Untersuchung des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) der Bundesagentur für Arbeit sind Frauen bis zum Alter von 29 Jahren in Führungspositionen stark vertreten. Danach, also in der Phase, in der hochqualifizierte Frauen am häufigsten Kinder bekommen, sinkt der Anteil weiblicher Führungskräfte rapide. Kinder, schreiben die Wissenschaftler, stellen vor allem für Frauen in Führungspositionen noch immer ein Karriererisiko dar. Deshalb leben nur ein Drittel der weiblichen Führungskräfte überhaupt mit Kindern. Bei den Männern sind es mehr als die Hälfte. In Westdeutschland kehren nach dem Gender-Datenreport des Deutschen Jugendinstituts knapp 60 Prozent der Mütter erst drei Jahre nach der Geburt ihres Kindes in den Beruf zurück. Beinahe jede Fünfte steigt noch länger aus. Wer Karriere machen will, kann sich das kaum leisten. Also machen Frauen mit Kindern nur selten Karriere. Wirklich?

          Erste Auflösungserscheinungen

          Das schwarzweiße Karrieremuster zeigt erste Auflösungserscheinungen. Angesichts des demographischen Wandels begreifen immer mehr Unternehmenslenker, dass sie es sich nicht leisten können, hochqualifizierte Frauen auf Nimmerwiedersehen in die Mutterschaft zu entlassen. Schon in der näheren Zukunft werden Fachkräfte knapp sein. Deshalb rüsten die Unternehmen in Sachen Familienfreundlichkeit auf. Sogar solche, die eher für Nachtschichten berühmt sind als für ihre Sorge um die Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Die britische Anwaltskanzlei Clifford Chance zum Beispiel.

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