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Frauen und Jura : Mit Recht erfolgreich

  • -Aktualisiert am

Im Namen des Volkes: Ingrid und Silke Schroff, Richterinnen am Landgericht Darmstadt Bild: Frank Röth

Vor Gericht und auf hoher See ist der Mann allein - Frauen ausgeliefert. Denn die machen immer zahlreicher in der Justiz Karriere. Der Vorteil im Staatsdienst: Als Richterin muss man auf Familie nicht verzichten.

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          Vor Gericht und auf hoher See ist der Mann allein - Frauen ausgeliefert. Zum Beispiel an einem Apriltag im Landgericht Darmstadt, Saal 10. Angeklagt ist der 27 Jahre alte Jordan L. Zu Gericht sitzen über ihn: die Richterin am Landgericht Ingrid Schroff, unterstützt durch eine Beisitzerin und zwei Schöffinnen. Nicht zu vergessen die Staatsanwältin, und sogar der Rechtsbeistand des Angeklagten ist blond, weiblich, jung. Das Heft haben die Frauen in der Hand, während der Angeklagte schweigt und der Gerichtsdiener allenfalls die Zeugen hereinrufen darf.

          Von der Öffentlichkeit weitgehend unbemerkt, haben sich in den vergangenen Jahren Frauen in der deutschen Justiz breitgemacht. Sie verteidigen Manager in großen Wirtschaftsstrafverfahren, sie ermitteln als Staatsanwältin bei Kapitalverbrechen, führen große Kammern in Oberlandes- oder gar Bundesgerichten. Die Generalbundesanwältin heißt Monika Harms, und am Bundesverfassungsgericht sind heute drei Richterinnen tätig, darunter die wegen ihrer pechschwarzen Mähne im Fernsehen stets leicht zu erkennende frühere hessische Justizministerin Christine Hohmann-Dennhardt. Auf diese Weise ist der Anteil der Frauen unter den rund 20 000 Richtern hierzulande auf zirka 30 Prozent gestiegen, mancherorts sind es gar 50 Prozent, wie etwa im Bezirk des Oberlandesgerichts Düsseldorf.

          Es herrscht gerade großer Einstellungsbedarf

          Zwei dieser Richterinnen sind die Darmstädter Schwestern Schroff. Ingrid, die Ältere, ist 41 Jahre alt, verheiratet, Mutter von zwei Kindern und seit zwölf Jahren Richterin. Zur Juristerei kam sie über eine Banklehre, zum Strafrecht als Referendarin über einen hervorragenden Ausbilder. „Da habe ich gemerkt: Das ist genau das, was ich machen möchte.“ Silke, die Jüngere, ist 27 und trägt die Robe erst seit einem halben Jahr. „Ich habe im Juni vergangenen Jahres mein zweites Staatsexamen abgelegt und bin im September als Richterin auf Probe in den Justizdienst eingetreten. Es herrscht gerade großer Einstellungsbedarf, und deswegen tagt der Richterwahlausschuss viel häufiger als früher.“ Und viel häufiger als früher wählt er Kolleginnen. „Sie haben einfach bessere Noten als die Männer“, bestätigt Andrea Titz, Staatsanwältin in München und engagiert im Deutschen Richterbund (DRB). Sogar in Bayern, wo zehn Punkte im zweiten Staatsexamen, früher auch als „Staatsnote“ bezeichnet, Voraussetzung sind für die Einstellung, haben sich Justitias Schwestern eingerichtet.

          Noch bis Mitte der neunziger Jahre waren Juristinnen im Staatsdienst die Ausnahme. Dass Jutta Limbach 1994 als Präsidentin ans Bundesverfassungsgericht berufen wurde, stellte eine Weiche - so jedenfalls sieht es im Rückblick aus. Um die gleiche Zeit wurde mit der Chancengleichheit im öffentlichen Dienst Ernst gemacht. Was lange unvorstellbar und überflüssig schien, war plötzlich Praxis: Nach und nach nahmen alle 16 Bundesländer Gleichstellungsverordnungen in das Beamtenrecht auf. Fortan galt eine „weiche Quote“. Was nichts anderes bedeutet als: Bewerben sich um eine freie Stelle im Justizdienst ein Mann und eine Frau, so wird bei gleicher Qualifikation die Bewerberin bevorzugt. Der Zulauf hält an, vielerorts wurde der Einstellungsstopp aufgehoben, und derzeit räumen viele Richter und Staatsanwälte aus starken Jahrgängen ihre Stühle, um in Pension zu gehen.

          Beruf und Familie lassen sich vereinbaren

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