https://www.faz.net/-gyl-940bh

Frauen im Vorstand : Der Dax wird weiblicher

Sie ist bei der Bahn für Digitalisierung und Technik zuständig: Sabina Jeschke Bild: dpa

Der öffentliche Druck zeigt Wirkung: Der Anteil der Frauen in den Vorstandsgremien ist in den vergangenen Jahren stetig gestiegen, zeigt eine neue Erhebung. Und was ist mit den Gehältern?

          2 Min.

          Nach jahrelangen Debatten über zu wenige Frauen in den Vorstandsetagen der deutschen Großkonzerne nimmt der Wandel langsam Fahrt auf. Der Anteil der Frauen in den Vorstandsgremien ist in den vergangenen Jahren stetig gestiegen. Lag der Frauenanteil im Jahr 2009 noch unter einem Prozent, so beträgt er inzwischen mehr als 13 Prozent. Von den neuen Vorstandsmitgliedern, die im Jahr 2017 berufen wurden, sind sogar fast 30 Prozent weiblich. Zu diesem Ergebnis kommt eine Auszählung der Personalberatung Odgers Berndtson, die dieser Zeitung vorliegt. Auf den obersten Chefposten eines Dax-Konzerns hat es in Deutschland bis heute allerdings noch keine Frau geschafft.

          Tillmann Neuscheler

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Insgesamt haben Frauen jetzt 27 der insgesamt 201 Vorstandposten im Dax inne. Neu hinzugekommen sind in diesem Jahr bislang 9 Frauen. Für Schlagzeilen sorgte gerade erst die Deutsche Telekom, als das Unternehmen bekanntgab, dass Simone Thiäner künftig als Personalvorstand für rund 225 000 Mitarbeiter zuständig sein soll. Kurz zuvor hatte die Deutsche Bahn mit Sabina Jeschke einer Frau den Vorstandposten für das wichtige Feld Technik und Digitalisierung anvertraut.

          Dass die einstigen Männerbastionen bröckeln, zeigt auch ein Blick auf die einzelnen Unternehmen: Nur noch 9 Dax-Unternehmen (Vorjahr: 13) haben keine Frau in ihrem Vorstandsgremium, darunter Infineon, Linde, RWE und ThyssenKrupp.

          „Der öffentliche Druck wirkt“

          Die Politik hat bislang vor einer gesetzlichen Quote für Vorstandsposten zurückgeschreckt. Lediglich für die Aufsichtsratsgremien großer Unternehmen schreibt das Gesetz seit Januar 2016 eine Mindestquote von 30 Prozent vor. Für die Vorstände können die Unternehmen ihre Ziele für den Frauenanteil selbst festlegen, sie sind aber verpflichtet, darüber zu berichten, ob sie ihre selbst gesteckten Ziele erreichen.

          „Der öffentliche Druck wirkt“, sagt Michael Proft, Geschäftsführer von Odgers Berndtson: „Nicht die politische Drohung der Frauenquote war ausschlaggebend, sondern der öffentliche Pranger der Medien. Das Ergebnis ist erfreulich“, sagt der Personalberater, der für Führungsgremien der Unternehmen oft nach geeigneten Kandidaten suchen muss: „Wir bekommen heute kaum mehr ein Suchmandat, bei dem nicht auch explizit Frauen zu berücksichtigen sind.“ Wenn auf der Liste möglicher Kandidaten keine Frau auftauche, müsse das heute ausführlich begründet werden. Einen wesentlichen Impuls habe die Telekom im Jahr 2010 gegeben, die sich damals als erstes Dax-Unternehmen selbst eine Zielgröße vorgab.

          Auch die Verdienste der Frauen in den Dax-Vorständen können es mit den Gehältern der Männer aufnehmen. Laut einer Untersuchung der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft EY ist in den Dax-Vorständen „zumindest bei der Vergütung die Gleichberechtigung erreicht und die Lohnlücke zwischen Männern und Frauen geschlossen.“ Das gilt allerdings nur, wenn man die Männer auf den obersten Chefposten nicht mitzählt. Tatsächlich tauchen auf den Listen der Spitzenverdiener unter den Managern, die viele Jahre reine Listen mit Männernamen waren, zunehmend auch Frauen auf. Zu den Spitzenverdienerinnen im Dax gehörten im vergangenen Jahr Hauke Stars von der Deutschen Börse (Gesamtvergütung: 5,4 Millionen Euro), Belén Garijo vom Pharmaunternehmen Merck (4,7 Mio) und Kathrin Menges vom Waschpulverhersteller Henkel (3,7 Mio). Grund für die Angleichung der Gehälter sei der Druck, endlich Frauen in den Vorstand zu berufen. Da geeignete Kandidatinnen knapp seien, steige ihr Marktwert.

          Wesentlich schwerer haben es Frauen allerdings noch immer in den nicht ganz so großen Unternehmen, die weniger im Scheinwerferlicht der Öffentlichkeit stehen. In den Börsensegmenten unterhalb des Dax sind die Frauenanteile in den Vorständen weniger als halb so hoch: Im S-Dax und T-Dax liegt der Frauenanteil in den Vorstandsgremien laut einer Untersuchung der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft EY unter 6 Prozent, im M-Dax sogar unter 4 Prozent. Auch die Verdienste der Frauen sind dort geringer als die der Männer. Aber immerhin finden sich dort – anders als im Dax – drei Frauen auf dem obersten Posten der Vorstandvorsitzenden.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Schüler einer vierten Klasse sitzen zu Beginn des Unterrichts in Dresden auf ihren Plätzen.

          Im neuen Schuljahr : Welcher Lernstoff ist verzichtbar?

          Auch nach den Sommerferien wird der Unterricht anders sein als gewohnt. Drei Szenarien sind denkbar. Die Friedrich Ebert Stiftung schlägt nun vor, Prüfungs- und Lehrinhalte zu reduzieren. Streit ist programmiert.
          Streit mit der Bild-Zeitung: Virologe Christian Drosten

          „Bild“ gegen Drosten : Wahrheit im Corona-Style

          Die Kampagne gegen den Virologen Drosten ist sachlich unbegründet, niveaulos und niederträchtig. Sie richtet sich gegen die Wissenschaft. Und damit ist weder der Gesellschaft noch der Politik gedient.
          Lachen für die Kameras: Betriebsratschef Bernd Osterloh und VW-Chef Herbert Diess (rechts) im Oktober 2019 in Wolfsburg

          Osterloh gegen Diess : Das System VW schlägt zurück

          Betriebsratschef Bernd Osterloh wagt den Machtkampf mit VW-Chef Herbert Diess. Hauptkritikpunkte: Sein Führungsstil und die vielen technischen Pannen im Unternehmen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.