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Frauen in Führungspositionen : Ein langer Weg für Asiens Managerinnen

Cho Hyun-ah stieg bei Korean Air Lines, dem Konzern ihres Vaters, schnell auf - und fiel umso tiefer. Bild: Reuters

Bislang machten Frauen in Fernost vor allem dann Karriere, wenn sie aus einer mächtigen Familie stammten. Ein spektakulärer Fall könnte das ändern. Die deutsche Quote stößt aber sogar bei Frauen auf Widerstand.

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          Eine Tüte Macadamia-Nüsse hat Cho Hyun-ah, die auch auf den englischen Vornamen Heather hört, zu einer der bekanntesten Managerinnen in Südkorea gemacht. Cho, 40 Jahre alt, aber deutlich jünger aussehend, war Vizepräsidentin der südkoreanischen Fluggesellschaft Korean Air. Im vergangenen Dezember flog sie dienstlich von Amerika zurück nach Seoul. Auf dieser Reise geschah, was keinesfalls hätte passieren dürfen: Eine Flugbegleiterin servierte ihr - ohne vorher ausdrücklich zu fragen - einen Nuss-Snack.

          Carsten Germis

          Wirtschaftskorrespondent in Hamburg.

          Ein schwerer Regelverstoß. Denn Korean Air schreibt vor, die Fluggäste vorher um deren Einverständnis zu bitten. Hinzu kommt: Die Stewardess überreichte den Snack nur in einer Tüte und nicht, wie ebenfalls für die besseren Klassen vorgeschrieben, in dem obligatorischen Porzellanschälchen. Cho bekam einen Wutausbruch und bestellte den Chef des Kabinenpersonals zum Rapport. Dabei musste er zur Buße niederknien. Die resolute Managerin bestand zudem darauf, den Mann von Bord zu werfen, obwohl die Maschine startklar war. Das Flugzeug der Korean Air rollte zurück an den Terminal und der Chefsteward ging. In Seoul landete das Flugzeug deswegen später als geplant.

          In der südkoreanischen Heimat kam Chos Ausraster nicht gut an. Entgleisungen dieser Art werden Managern nicht verziehen. Ohnehin werden dort Positionen in der Chefetage nicht nur besetzt, wenn jemand etwas leistet. Cho genießt vielmehr das Privileg, aus der „richtigen Familie“ zu stammen. In Südkorea sind bis heute viele der großen Industrie- und Handelskonzerne unter der Kontrolle einiger weniger Familien. Ihre Kinder avancieren so fast zwangsläufig zu Managern. Chos Vater ist Chef von Korean Air. Und Cho Yang-ho versuchte sich nach dem spektakulären Vorfall in Schadensbegrenzung: „Es tut mir leid, meine Tochter nicht gut genug erzogen zu haben“, ließ er wissen. Ihr selbst droht wegen des peinlichen Ausrasters ein Jahr Gefängnisstrafe wegen Verletzung der Flugsicherheit, urteilte ein Gericht am Donnerstag in Seoul. Zuvor musste sie sich öffentlich entschuldigen und an den Zustand gewöhnen, künftig kaum mehr Chancen für den beruflichen Aufstieg zu haben.

          Japan und Südkorea erscheinen westlicher

          Dabei ist Cho Hyun-ah nicht nur Täterin. Sie hat sich kaum anders verhalten als andere Familienmitglieder der südkoreanischen Elite. „Arrogant, korrupt“, lautet das Urteil vieler Koreaner über sie. Cho fiel unangenehm auf in einer Zeit, in der unter Südkoreanern der Groll über die Privilegien der Oberschicht immer stärker wird. Zu tief ist seit dem Untergang der Fähre Sewol im April, bei dem mehr als 300 Menschen ums Leben kamen, das Misstrauen gegen die Eliten in Wirtschaft und Politik. Nachdem die Ursachen der Schiffskatastrophe das Ausmaß der Korruption zwischen staatlichen Stellen und einheimischen Managern wieder einmal wie durch ein Brennglas sichtbar gemacht hatten. Cho Hyun-ah ist zwar durchaus eine qualifizierte Frau. Doch Vizepräsidentin der führenden Fluggesellschaft ihres Landes ist sie für viele nur geworden, weil sie Tochter des Chefs ist.

          Frauen sind an der Spitze südkoreanischer Unternehmen - nach China, Japan und Indien die viertgrößte Industrienation Asiens - immer noch selten und gehören meist zu den einflussreichen Familien. In Südkorea sind gerade mal 11 Prozent der höheren und mittleren Führungspositionen von Frauen besetzt, berichtet die Internationale Arbeitsorganisation. Das entspricht Rang 115 unter den 126 erfassten Ländern. Nicht viel besser sieht es beim Nachbarn Japan aus. In japanischen Unternehmen mit mehr als 100 Beschäftigten waren 2014 nur 7,5 Prozent der Führungspositionen von Frauen besetzt. Das ist zwar ein Fortschritt gegenüber dem Vorjahr, aber ein dürftiges Niveau im internationalen Vergleich.

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