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Diskussionsrunde in Frankfurt : Karriere als Juristin trotz Kind?

Kind oder Karriere: Wenn der Mann mithilft, kann die Frau auch beides haben. Bild: Picture-Alliance

In der Großkanzlei durchstarten und trotzdem Familie haben – Lösungen zu diesem Dilemma versprach eine Veranstaltung. Heraus kamen aber weitgehend Tipps wie: Viel Geld verdienen, Kinderfrauen beschäftigen, kein schlechtes Gewissen haben.

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          Die Einladung klang vielversprechend: „Wie können wir unseren Kindern unabhängig vom Geschlecht gleiche Karrierechancen mitgeben? Fünf Vorbilder diskutieren“ hieß es in dem Schreiben der Initiative Breakingthrough. Sie will jungen Juristinnen erfolgreiche Vorbilder mit auf den Weg geben, die allen Klischees zum Trotz und mit Kind Karriere machen.

          Jessica von Blazekovic

          Redakteurin in der Wirtschaft.

          Um Letzteres ging es dann schließlich auch auf der Veranstaltung in den Büroräumen einer Frankfurter Großkanzlei: Aus den angekündigten gleichen Karrierechancen für die Kinder wurde die Gretchenfrage nach den gleichen Karrierechancen für die Eltern. Zum Zuhören gekommen waren rund 40 junge Frauen, manche kurz vor dem Staatsexamen, andere im Referendariat oder schon in ihrer ersten Anstellung – und zwei Männer.

          Zwar wurde das eigentliche Thema der Veranstaltung nicht gänzlich verfehlt – die Psychologin und Fernsehmoderatorin Angelika Bergmann-Kallwass stellte etwa fest, dass sich Töchter mit ihren Müttern identifizieren und sich daher wenig verändern wird, solange die zu Hause weiterhin den Kochlöffel schwingen – doch brannte dem Publikum eigentlich nur eine Frage unter den Nägeln: Kann ich beides haben – Kind und Karriere?

          „So ein toller Chef!“

          Die Expertenrunde lieferte darauf nur wenig erfrischende Antworten. Für alle stand außer Frage, dass die Männer mehr Verantwortung übernehmen müssen, so wie der Rechtsanwalt Dennis Becker, der nach der Adoption seiner Tochter seiner Frau den Rücken freihielt. Auch bei der Personalberaterin Ina Steidl kümmert sich „zu 80 Prozent“ der Mann um die beiden Töchter.

          Außerdem habe sie nach einer Schule gesucht, in der die Kinder am Nachmittag länger betreut werden – und wurde freilich nur bei einem privaten Träger und dank der Bereitschaft fündig, dafür tief in die Tasche zu greifen. Daniela Seeliger, Partnerin einer Großkanzlei, sagte, sie habe gelernt, „dass man alles 50 zu 50 aufteilen kann“ – kochen würden aber weder sie noch ihr Ehemann.

          Dieser, der Anwalt Wolfgang Deselaers, ergänzte, dass Gleichberechtigung erst dann erreicht werde, „wenn die Schuldgefühle bei den Müttern aufhören“. In Belgien, wo er 25 Jahre gearbeitet habe, sei es völlig akzeptiert, die Kleinen mit sechs Monaten in eine Kita zu geben. Auch die in der DDR aufgewachsene Steidl erzählt, sie habe es überrascht, festzustellen, dass sich Frauen im Westen dafür rechtfertigen müssen, zu arbeiten.

          Die Frauen im Publikum hörten an diesem Abend viel darüber, wie sie Karriere machen und gleichzeitig Kinder haben können: „einen guten Mann finden“, der bereit ist, nicht nur für eine Reise durch Afrika Elternzeit zu nehmen; genug Geld verdienen, um sich Privatschule oder Kindermädchen leisten zu können; und die Fähigkeit, Schuldgefühle runterzuschlucken. Über Rahmenbedingungen und Unternehmenskultur dagegen war wenig zu hören. Als Deselaers sagte, er scheuche frischgebackene Väter nach 20 Uhr aus dem Büro, ging ein Raunen durch den Raum: „So ein toller Chef!“

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