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Flexibler Arbeitsplatz : Unser neues Büroleben

Vision 2025: So haben sich die Schöpfer der Comicserie „Die Jetsons“ aus dem Jahr 1962 das Büro der Zukunft vorgestellt. Bild: ddp Images

Mal in der Einzelzelle sitzen, mal am Konferenztisch stehen: Wer sich im Büro bewegt, ist kreativer.

          4 Min.

          Man sollte niemals zu tief in fremde Welten eintauchen, womöglich kehrt man dann nie wieder zurück. Oder nur noch widerwillig. So ergeht es einem auch, wenn man sich mit der neuen Bürowelt beschäftigt: mit frischen Arbeitskonzepten, modernen Ausstattungen, mit Multispace und Ruheraum. Einige Monate lang haben wir das jede Woche an dieser Stelle in der F.A.S getan – und seitdem fällt es schwer, jeden Morgen in die „Einzelzelle“ zurückzukehren.

          Corinna Budras

          Redakteurin in der Wirtschaft und für Frankfurter Allgemeine Einspruch.

          Seitdem ich weiß, dass Arbeitsforscher mein Büro am Ende des Flures so nennen, hat es etwas an Glanz verloren. Noch schlimmer war der abfällige Blick einer Projektleiterin aus einem Dax-Konzern, als ich ebenjene Einzelzelle am Stehtisch eines Netzwerk-Events erwähnte. „Unvorstellbar anachronistisch“, sagte dieser Blick. Rückwärtsgewandt, unkommunikativ. Die Welt da draußen ist inzwischen wesentlich bunter.

          Der richtige Büro-Mix macht´s

          „Multispace“ oder auch „Activity based working“ sind Vokabeln, die man heutzutage parat haben sollte. Das Thema zieht selbst beim Business Dinner. Nichts werde den Bedürfnissen des Mitarbeiters mehr gerecht als dieser ordentlicher Büromix aus verschiedenen Arbeitsumgebungen, die der Mitarbeiter je nach Aufgabe frei auswählen kann. Das hat gerade erst eine Umfrage unter Unternehmen jeglicher Größe des Fraunhofer-Instituts für Arbeitswirtschaft und Organisation IAO im Auftrag der „Designfunktion“-Gruppe ergeben. Mehr als die Hälfte der befragten rund 1000 Verantwortlichen erwartet, dass dies in Zukunft die dominierende Büroform sein wird.

          Und irgendwie leuchtet ja ein: Zu Hause fristet man sein Dasein auch nicht ausschließlich im Schlafzimmer, jedenfalls wenn man sich nicht als mittelloser Student räumlich beschränken muss. Stattdessen pendelt man, seinen Bedürfnissen folgend, zwischen Wohnzimmer, Küche, Schlafzimmer und Balkon hin und her. So stellen sich Arbeitsforscher – und inzwischen auch ich – die berufliche Erfüllung vor. Abwechslung hält jung und beweglich und fördert die Zusammenarbeit, deshalb sollten Mitarbeiter für jede Tätigkeit die Möglichkeit haben, die richtige Umgebung zu wählen.

          Immerhin: Bunter ist es auch bei uns in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung geworden, seitdem wir im Rahmen dieser Serie kurz nach Ostern unseren kleinen Selbstversuch gestartet haben. Dazu rückten zwei Berater von Designfunktion an, erkundigten sich einfühlsam nach unserem Arbeitsrhythmus und unseren Bedürfnissen, nahmen Maß und stürzten sich auf alles, was auf die Schnelle als Pilotfläche genutzt werden konnte: unseren Konferenzraum. Mehr gab die Einzelzellenstruktur nicht her, will man nicht gleich ganze Wände einreißen. Und das wollten die Chefs nicht.

          Womit wir gleich beim nächsten überraschenden Ergebnis der Fraunhofer-Studie wären: Den Mitarbeitern geht der Wandel in ihren Unternehmen nicht schnell genug. Die Geschäftsführung dagegen findet ihr gewähltes Tempo genau richtig. Bisher hatte man immer den umgekehrten Eindruck: Manager haben schließlich Visionen, machen das Unmögliche möglich, während sich der tarifgebundene Mitarbeiter an seinen liebgewonnenen Alltag klammert. Tatsächlich, so behauptet das Fraunhofer Institut, ist es genau umgekehrt. Die Geschäftsführung hängt an den von ihr geschaffenen Strukturen. Ließe man die Mitarbeiter machen, wären Unternehmen innovativer.

          In die Konferenz kommt mehr Beweglichkeit

          Aber das heißt ja nun nicht, dass gar nichts passieren würde. Auch bei uns tut sich etwas: Seit Monaten nun ist der höhenverstellbare Konferenztisch „Tyde“, ein schlichtes Exemplar der Möbelfirma Vitra, die Zier unseres Konferenzraumes. Auf unaufdringliche Weise bringt er ein wenig Bewegung in unsere Besprechungen, mal stehen wir, mal sitzen wir, manchmal auch beides nacheinander.

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