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Karriere in der Finanzbranche : Quereinsteiger sind die besseren Fondsmanager

  • -Aktualisiert am

Ruhig mal den Einstieg in die Finanzbranche wagen: Diese Forschungsergebnisse machen Mut. Bild: dpa

Neue Forschung aus Amerika zeigt: Quereinsteiger erzielen oft höhere Renditen als Fondsmanager mit klassischem Wirtschaftsstudium.

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          Normalerweise haben Fondsmanager einen klassischen Werdegang – entweder eine Bankausbildung oder ein Wirtschaftsstudium. „Fondsmanager, die aus einer anderen Branche kommen und dann in das Investmentfach wechselten, sind klar in der Minderheit. Wir sind Exoten. Im Bereich Pharmafonds oder Biotechnologie gibt es noch den einen oder anderen Biologen“, sagt Markus Manns, der in Mainz Medizin studierte und seit dem Jahr 2000 bei Union Investment im Portfoliomanagement Aktien tätig ist.

          In der Fondsgesellschaft der Volks- und Raiffeisenbanken verantwortet der promovierte Arzt die Bereiche Biotechnologie, Pharmazie und Gesundheit. Er habe schon früher eine Affinität zu Aktien gehabt und nach dem Medizinstudium in der Industrie gearbeitet und sei außerdem gleichfalls an der Entwicklung eines medizinischen Gerätes beteiligt gewesen, so der Nierenspezialist. „Und dann war klar, dass der Wechsel ins Fondsmanagement passt“, sagt Manns, der einer von 175 Portfoliomanagern in der Union Investment ist.

          Investmentspezialisten, die vorher als Ingenieure, Chemiker, Steuerberater, Buchhalter oder Werbespezialisten tätig waren, sind also immer noch die Ausnahme. Doch das kann nach einer vor kurzem veröffentlichen Studie durchaus von Vorteil sein. Denn: „Die Quereinsteiger im Fondsmanagement schneiden in der Regel besser ab, wenn sie Geld in ihrer früheren Branche investieren. Sie erzielen normalerweise eine höhere Rendite. Ein wichtiger Grund scheint das bessere Verständnis für die Branche zu sein“, sagt die Ökonomin Monika Gehde-Trapp von der Universität Hohenheim. Sie hat gemeinsam mit Kollegen in Köln und der Mason School of Business in Amerika Fondsmanager mit Brüchen in Lebensläufen untersucht.

          Nicht für Privatinvestoren zu empfehlen

          Die Wissenschaftler analysierten nur amerikanische Aktienfonds institutioneller Anbieter und solche, die in unterschiedliche Branchen anlegten. Die Wissenschaftler suchten Fondsmanager, die alleine die Verantwortung für einen Fonds getragen haben, so dass die jeweiligen Renditen direkt dem betroffenen Finanzspezialisten zuzuordnen waren. Die Recherche erfolgte nach Angaben der Autorin im Internet und gleichfalls in sozialen Netzwerken. Schließlich seien 199 Aktienfonds gefunden worden, die von 130 Personen mit Arbeitserfahrung außerhalb der Finanzbranche alleinverantwortlich verwaltet worden seien. Das Ergebnis: Die Manager erzielen nach Angaben der Wissenschaftlerin im Schnitt eine um 2,29 Prozentpunkte höhere Rendite pro Jahr bei der Anlage in ihrer einstigen Branche. Bei Pharma-Aktien habe der Arzt also deutlich höhere Renditen erwirtschaftet.

          In den anderen Branchen schnitten die Quereinsteiger hingegen genauso gut ab wie ihre Kollegen. Die Professorin, die sich im Fachgebiet Betriebswirtschaftslehre mit Risikomanagement befasst, warnte aber davor, dass Ergebnis auf den Privatanleger zu übertragen. „Privatinvestoren, die in Branchen investieren, in denen sie selbst tätig sind schneiden in der Regel schlechter ab. Sie überschätzen sich oft.“ Außerdem seien die Betroffenen zu wenig selbstkritisch. Stattdessen empfahl: „Die Anlagen der Fonds werden veröffentlicht – und dann kann jeder Verbraucher das Portfolio dieser speziellen Fondsmanager nachbilden. Wenn man diese Aktien ein Jahr hält, stehen die Chancen für eine gute Performance recht gut.“

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