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Frauen in der Tech-Branche : „Der Durchschnittsmann ist nicht der Feind“

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Ich habe wie erwartet ziemlich viele sehr hässliche Kommentaren von Trollen bekommen, die schrieben: „Das ist lächerlich, die Gehirne von Mädchen funktionieren einfach anders als die von Jungs.“ Lauter so dumme Kommentare. Aber immerhin hat der Film eine Debatte ausgelöst, das ist gut. Gleichzeitig gab es auf den Film-Festivals Frauen, die sind zu mir gekommen, haben geweint und gesagt: „Oh mein Gott, danke für diesen Film, das ist genau meine Geschichte. Ich habe mich genau wie die Frauen im Film mein ganzes Leben lang gefühlt – aber ich dachte, ich wäre die Einzige, der es so geht. Danke, dass mich jemand versteht.“ Besonders freut mich, dass sich auch Leute außerhalb des Silicon Valley dafür interessieren, weil sie auch in anderen Branchen oft den Kürzeren ziehen. Ich glaube, letztendlich erzählt der Film eine viel größere Geschichte als die, die wir ursprünglich ins Auge gefasst hatten.

Haben Sie auch mit Männern aus der Tech-Branche gesprochen?

Ja, mit ein paar wenigen, aber es ist schwierig, Männer zu finden, die sich zu diesem Thema vor der Kamera äußern wollen. Viele sagten mir, der Film hätte ihnen im Nachhinein die Augen geöffnet. Sie hätten nie darüber nachgedacht, dass nur zehn Prozent Frauen bei ihnen arbeiten. Viele von ihnen stutzen zum ersten Mal, wenn sie Väter werden. Das ist doch erschreckend. Männer sollten sich über Gleichberechtigung Gedanken machen, egal ob sie eine Tochter haben oder nicht.

In “Code“ gibt es ein Beispiel eines Teams von Männern, die den Airbag erfunden haben. Der hat zwar funktioniert, war aber nur auf die Körpergröße von Männern zugeschnitten. Wäre eine Frau im Team gewesen, wäre das wahrscheinlich nicht passiert.

Ich sage nicht, dass Männer Frauen absichtlich diskriminieren. Der durchschnittliche Mann ist nicht der Feind. Ganz im Gegenteil, ich bin ein großer Fan von Männern. Ich glaube an Vielfalt. Ich glaube daran, dass wir alle zusammen arbeiten müssen. Nichtsdestotrotz: Der durchschnittliche weiße Mann wurde nie gezwungen, sich über solche Themen Gedanken zu machen. Deshalb bin ich besonders froh, wenn sich auch Männer die Filme ansehen. Viele Frauen nicken halt und sagen: “Ja klar, so ist das.“ Männer sehen das und denken: „Woho, verrückt. Wir müssen was tun.“

Robin Hauser bei Dreharbeiten im Gespräch mit Kimberly Bryant, Gründerin von „Black Girls Code“
Robin Hauser bei Dreharbeiten im Gespräch mit Kimberly Bryant, Gründerin von „Black Girls Code“ : Bild: Robin Hauser

A propos etwas tun: Viele fordern, dass schon Grundschüler Programmieren lernen. Sie auch?

Ja, unbedingt, so früh wie möglich. Weil Mädchen dann merken, dass sie genauso gut darin sind wie Jungs. Es muss ja gar nicht jede oder jeder Programmierer werden, genauso, wie nicht jeder Mechaniker werden muss. Nichtsdestotrotz ist es wichtig, dass jede(r) zumindest ein grundsätzliches Verständnis davon hat, was Programmieren ist. Weil Algorithmen überall sind. In unseren Telefonen, in unseren Autos, in unseren Krankenhäusern.

Ist das unterschiedliche Interesse auch eine Frage der Erziehung?

Ich denke mal, die meisten Eltern würden von sich behaupten, dass sie ihren Sohn und ihre Tochter gleich behandeln, ich auch von mir. Aber viel gefährlicher sind unbewusste Vorurteile (unconscious bias). Wenn unsere Söhne uns etwas fragen, tendieren wir dazu, das ausführlicher und wissenschaftlicher zu erklären, als wenn unsere Tochter das tut. Und es ist erstaunlich, wie Kleinigkeiten im Gespräch schon einen enormen Einfluss auf unsere Kinder haben.

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