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Fachkräftemangel : Deutsche Telekom fährt den Vorruhestand herunter

Stellt die Telekom neu auf: Personalvorstand Marion Schick. Bild: Jens Gyarmaty / F.A.Z.

Die Telekom bereitet sich auf den Fachkräftemangel vor. Personalchefin Schick setzt auf Talentförderung in einer alternden Belegschaft. Die „automatische“ Frühverrentung ist passé.

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          Die Deutsche Telekom verspricht ihren Mitarbeitern neue Beschäftigungsperspektiven. „Wenn wir den Netzausbau so angehen können, wie wir uns das vorstellen, werden Alt und Jung gebraucht. Viele ältere Kollegen werden länger an Bord bleiben, den Vorruhestand können wir dann zurückfahren“, sagte Marion Schick, Personalvorstand des Konzerns, im Gespräch mit der F.A.Z. Nachdem die Telekom viele Jahre lang im großen Stil Personal reduziert hat, bekommt sie allmählich zu spüren, dass qualifizierte Fachkräfte knapp werden.

          Helmut Bünder

          Wirtschaftskorrespondent in Düsseldorf.

          Die Personalchefin, die als Nachfolgerin von Thomas Sattelberger vor einem Jahr in den Konzernvorstand gekommen ist, steuert um. Weiterbildung statt Frühverrentung lautet der Paradigmenwechsel im Konzern. Die Zeiten, in denen das Arbeitsleben bei der Telekom für viele Mitarbeiter automatisch mit 55 Jahren aufhörte, weil sie in den Vorruhestand geschickt wurden, sollen der Vergangenheit angehören. „Wir müssen auch die älteren Kollegen qualifizieren, damit sie weiterhin ihren Beitrag für das Unternehmen leisten können. Ein Talent ist jeder, der Potential hat - ob er nun 30 oder 50 Jahre alt ist“, sagte sie. In Deutschland, wo die Telekom etwa 120.000 Menschen beschäftigt, macht sie damit aus der Not eine Tugend.

          „Demographie als Chance verstehen“

          Der Altersdurchschnitt beträgt hierzulande etwa 44 Jahre, die knapp 40.000 Beamten kommen sogar auf einen Mittelwert von 49 Jahren. „Die Deutsche Telekom muss Demographie als Chance verstehen und nicht als Bedrohung empfinden“, fordert die Personalchefin. Ihre neue Linie erfordert Überzeugungsarbeit. Ein Umdenken sei auf beiden Seiten erforderlich, in der Unternehmensführung wie bei den Beschäftigten, sagt Schick. Es gebe noch Tarifverträge, wonach Mitarbeitern im Alter über 55 Jahre eine Weiterqualifizierung nicht mehr zuzumuten sei. „Das spiegelt die alte Welt der Telekom wider“, sagte die Personalchefin.

          Gleichzeitig warnte sie aber auch vor falschen Erwartungen. Der technologische Wandel werde den Konzern auch in Zukunft zwingen, seine Belegschaft zu verkleinern. Dafür werde man weiterhin den Vorruhestand als Instrument vorhalten müssen. Aber der Druck nimmt ab, unter dem Strich dürfte sich der Stellenabbau verlangsamen. Das würde auch die Telekom-Bilanz entlasten. Allein 2012 hat der Konzern mehr als eine Milliarde Euro aufbringen müssen, um Mitarbeiter „sozialverträglich“ loszuwerden - sei es über den Vorruhestand oder hohe Abfindungen. „Die geplanten Investitionen sichern Beschäftigung und ermöglichen auch einen Stellenaufwuchs für Nachwuchskräfte“, sagte Schick: Laut Telekom-Planung sollen bis 2015 bis zu 5800 Nachwuchskräfte eingestellt werden.

          Frauenanteil liegt bei knappp 15 Prozent

          Die von ihrem Vorgänger Sattelberger angestoßene Förderung von Frauen in Führungspositionen sieht die ehemalige baden-württembergische Kultusministerin auf gutem Weg. Derzeit liegt der Frauenanteil der Telekom in Deutschland bei knapp 15 Prozent, im Ausland kommt der Konzern schon auf 24 Prozent. Schick ist davon überzeugt, dass es gelingen wird, bis 2015 das eigene Ziel von 30 Prozent zu erreichen. Die Frauenförderung sei überall im Unternehmen zu einem festen Bestandteil der Telekom-Kultur geworden.

          Trotzdem sei es jetzt nicht mit einem „Fingerschnippen“ getan, um den Schwung aufrechtzuerhalten. Die „nächste große Aufgabe“ sieht Schick, die selbst Mutter von zwei Kindern ist, in einer familienfreundlichen Gestaltung der Arbeitszeiten. Um das Thema voranzubringen, denkt sie darüber nach, einen Familienbeauftragten einzusetzen, bei dem die Fäden zusammenlaufen. „Die klassische Teilzeit ist nur ein Anfang“, meinte sie. „Wir brauchen Flexi-Zeit-Modelle, die es den Mitarbeitern ermöglichen, die Arbeitszeit über das Jahr hinweg atmend zu gestalten.“ Auch längere Auszeiten von mehreren Monaten hält sie für denkbar. Ein großes Anliegen ist der Managerin ein garantiertes Rückkehrrecht für Teilzeitbeschäftigte, die wieder Vollzeit arbeiten möchten. Die Überlegungen dafür seien schon weit gediehen: In einem Pilotvorhaben für Neuverträge werde die Telekom eine solche Garantie ausprobieren und, wenn sie sich bewähre, auf „große Teile des Konzerns“ ausdehnen.

          Zu den harten Aufgaben der Personalchefin gehört der Stellenabbau. In der Bonner Konzernzentrale sollen bis 2015 rund 1200 Arbeitsplätze verschwinden. Ebenso viele werden in der Verwaltung der Deutschland-Sparte gestrichen. Etwa jede zehnte Stelle in Marketing, Buchhaltung und Personalwesen fällt dort weg. Das Programm sei im Zeitplan, bis Juni werde die neue Verwaltungsstruktur der Deutschland-Gesellschaft stehen, sagte Schick. 2014 wird die Telekom auch ein neues Anreizsystem für die Vergütung von Führungskräften einführen. Die individuelle Leistung werde ein höheres Gewicht bekommen und sich stärker auf das Einkommen auswirken. „Im Ergebnis wird die Spreizung der variablen Einkommensbestandteile größer werden“, sagte Schick. Kritik an ihrem Führungsstil nimmt sie gelassen auf. „Ich habe vielfältige Veränderungsprozesse angestoßen. Da wird sich dann auch öffentlich beschwert und geklagt. Wenn man dicke Bretter bohren will, muss man das hinnehmen.“

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