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Fachkräftemangel : Zweifel an Personalpolitik der Unternehmen

Beim Thema Fachkräftemangel schauen viele kleine Betriebe buchstäblich in die Röhre: Sie bedienen sich falscher Personalpolitik. Bild: dpa

Die Personalpolitik der meisten mittelständischen Unternehmen ist nicht mehr zeitgemäß. Die Folge: Hohe Krankenstände und ein Mangel an Fachpersonal. Die Regierung will mit neuen Ideen dagegenhalten.

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          Die Alterung der Gesellschaft stellt die Personalpolitik der Unternehmen vor neue Aufgaben - doch vor allem kleinere Betriebe sind bisher wenig darauf eingestellt. Im Jahr 2000 waren etwa in der Metall- und Elektroindustrie nur 20 Prozent der Beschäftigten über 50 Jahre alt, heute mehr als 30 Prozent, zeigt eine Analyse des Arbeitgeberverbands Gesamtmetall. Auch wenn es gelingen sollte, Ältere länger im Berufsleben zu halten - der Bedarf an neuem und möglichst qualifiziertem Personal steigt damit in absehbarer Zeit deutlich an.

          Dietrich Creutzburg

          Wirtschaftskorrespondent in Berlin.

          Die derzeitige Personalarbeit der Unternehmen weckt aber Zweifel, ob sie die gewünschten Mitarbeiter im Ernstfall auch bekommen. Wie eine Studie des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) zeigt, macht bisher weniger als jedes siebte Unternehmen mit unter 50 Mitarbeitern eine sogenannte bedarfsgerechte Personalpolitik.

          Darunter verstehen die Forscher eine Personalpolitik, die sich zumindest systematisch bemüht, betriebliche Anforderungen und Mitarbeiterwünsche etwa hinsichtlich flexibler Arbeitszeiten abzustimmen - um damit ein gleichermaßen produktiver und attraktiver Arbeitgeber zu sein. Selbst unter den größeren Unternehmen trifft das laut Studie bisher lediglich auf ein Drittel zu.

          Lebensphasenorientierte Personalpolitik unabdingbar

          Das Bundeswirtschaftsministerium findet diese Erkenntnisse bedenklich genug, um sich zusammen mit dem IW für Veränderungen einzusetzen. Angesichts des demographischen Wandels „müssen die Unternehmen ihre Personalpolitik neuen Anforderungen anpassen“, mahnt die Mittelstandsbeauftragte der Bundesregierung, Iris Gleicke. Mit einer dafür eigens eingerichteten Internetseite rufen Ministerium und IW nun Arbeitgeber dazu auf, ihre Personalarbeit in einem interaktiven Test zu prüfen. Als Ergebnis gibt es Bewertungen von 1 bis 4 sowie konkrete Verbesserungsvorschläge für die Unternehmen.

          „Kaum etwas ist für eine erfolgreiche Rekrutierung neuer Mitarbeiter besser, als wenn die vorhandenen Mitarbeiter sagen: ,Hier würde ich jederzeit wieder anfangen‘“, sagt IW-Arbeitsmarktforscher Oliver Stettes. Er könne daher guten Gewissens auch für die „Königsdisziplin“ moderner Personalpolitik werben: die sogenannte lebensphasenorientierte Personalpolitik. Sie zeichnet sich dadurch aus, dass sich Arbeitgeber zusätzlich gezielt bemühen, auf sich im Laufe eines Arbeitslebens ändernde Bedürfnisse der einzelnen Mitarbeiter einzugehen.

          Diese hohe Messlatte überspringen jedoch nur 7 Prozent der kleinen Unternehmen und auch nur 22 Prozent der großen. Laut IW würde sich dies durchaus auch für andere lohnen. Denn Unternehmen mit lebensphasenorientierter Personalpolitik seien nicht nur ertragsstärker und innovativer als der Durchschnitt, zeigt die Studie. Sie hätten auch geringere Krankenstände; die Fehlzeiten je Mitarbeiter seien um durchschnittlich zwei Tage kürzer. Die Mittelstandsbeauftragte Gleicke hofft nun, dass der Online-Test vielen Unternehmen zeigt, „wie sie innovativer und wettbewerbsfähiger werden“.

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