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Fachkräfte aus dem Ausland : Neuer Hafen für Spielertypen

Neue Heimat: Fachkräfte wie Marcelo Guilherme Jacobus aus Brasilien werden bei Goodgame Studios von langjährigen Kollegen betreut. Bild: Henning Bode

Spezialisten aus dem Ausland machen um Deutschland oft einen Bogen. Der Spieleentwickler Goodgame in Hamburg hat jedoch ein Lockmittel für Fachkräfte gefunden.

          5 Min.

          Marcelo Jacobus ist alles andere als ein gewöhnlicher Nerd. Der schüchterne, junge Programmierer mit den dunklen Haaren hat nie eine Universität besucht oder eine Lehre zum IT-Techniker absolviert. Sein Wissen als Computerexperte hat sich der Brasilianer komplett selbst beigebracht. Sein Fachgebiet ist die Programmiersprache PHP, mit der Computerfreaks auf der ganzen Welt Internetseiten zusammenbauen. Auf diesem Feld macht ihm keiner etwas vor. Und genau deshalb bekam der 30 Jahre alte Spezialist im August vergangenen Jahres über das Karriere-Netzwerk Linked-In eine Nachricht aus dem fernen Deutschland.

          Christian Müßgens

          Wirtschaftskorrespondent in Hamburg.

          Die Hamburger Spieleschmiede Goodgame Studios bot ihm einen Job an. Gehalt und Arbeitsbedingungen klangen gut, Jacobus machte sich schlau und telefonierte einige Male mit den Personalern auf der anderen Seite des Atlantiks. Und da seine Arbeit bei einem Software-Unternehmen in einer Stadt im brasilianischen Süden, die passenderweise Novo Hamburgo heißt, ihn damals zu Tode langweilte, schlug er kurzentschlossen zu. Jacobus ließ seine fünf Geschwister und zwei Katzen zurück und machte sich schon einen Tag nach Weihnachten zusammen mit seiner Frau auf den Weg nach Europa. Seine Entscheidung hat er bislang nicht bereut, auch wenn das rauhe Wetter im deutschen Norden ihm erst zu schaffen machte. „Man gewöhnt sich an alles“, sagt er.

          Goodgame Studios? Bis vor wenigen Jahren war das Startup-Unternehmen aus dem Hamburger Stadtteil Bahrenfeld nur Branchenkennern ein Begriff. Das hat sich aber in jüngster Zeit geändert. Denn der Computerspiele-Anbieter wächst rasant und stellt Hunderte Mitarbeiter aus der ganzen Welt ein. Marcelo Jacobus ist nur einer von fast 600 neuen Kollegen, die im vergangenen Jahr bei Goodgame angefangen haben. Insgesamt beschäftigt die Firma, die die beiden Brüder Kai und Christian Wawrzinek vor fünf Jahren gründeten, rund 1200 Mitarbeiter. Und das Ende der Fahnenstange ist keineswegs erreicht: Geht es nach den Gründern, sollen 2015 noch einmal 400 Leute dazukommen. „Der Markt, in dem wir uns bewegen, wächst sehr stark, und wir brauchen jede Menge qualifiziertes Personal“, sagt Kai Wawrzinek, der in der Geschäftsführung für die Unternehmensstrategie verantwortlich ist.

          Internationales Angebot, internationales Personal

          Goodgame produziert sogenannte Browsergames. Das sind Spiele, die man weder bezahlen noch auf einem Computer installieren muss. Man spielt sie im Internet, allein oder gegen andere Mitspieler. Einnahmen generiert Goodgame über den Verkauf von Einzelelementen, mit denen Spieler schneller die nächste Ebene erklimmen können. Zum Beispiel in dem Spiel „Empire“, dem bislang erfolgreichsten Produkt der Hamburger: Für ein paar Euro lassen sich Ritterburgen und Verteidigungswälle in dem mittelalterlichen Strategiespektakel sehr viel zügiger aus dem virtuellen Boden stampfen als ohne dieses Schmiermittel.

          Zehn solcher Spiele haben die beiden Brüder Wawrzinek - ein promovierter Jurist und ein Doktor der Zahnmedizin - bislang im Programm. Auf lange Sicht sollen es deutlich mehr werden. Vor allem auf dem Feld der mobilen Angebote, also im Geschäft mit Spielen für Smartphones und Tablet-Computer, wollen sie angreifen. Denn in diesem Segment sind die Wachstumsraten besonders groß. Bei ihrem Vormarsch wollen sich die beiden Gründer keinesfalls auf Deutschland oder Europa beschränken: „Wir rollen unser Angebot international aus, deshalb brauchen wir auch Mitarbeiter aus aller Welt“, sagt Christian Wawrzinek, der als Ko-Geschäftsführer für das Design der Spiele und das Produktmanagement verantwortlich ist.

          In gemischten Teams am Hauptsitz in Hamburg, einem nüchternen Neubau im Westen der Stadt, hocken die Mitarbeiter dann an ihren Rechnern, übersetzen Spiele ins Japanische, Chinesische oder Englische, schrauben an neuen, kostenpflichtigen Extras oder werten riesige Datentabellen aus. Andere feilen an der Werbestrategie. Marcelo Jacobus hat gerade ein Programm ausgetüftelt, mit dem sich der Erfolg von Werbung im sozialen Netzwerk Facebook messen lässt.

          Hilfe bei Visum, Arbeitserlaubnis und Wohnungssuche

          Um den vielen neuen Kollegen den privaten Start in Deutschland zu erleichtern, lässt sich Goodgame einiges einfallen. In einem sogenannten Onboarding-Programm kümmern sich Mitarbeiter, die schon seit ein paar Jahren an Bord sind, um die Neulinge. Sie helfen bei den Anträgen für Visum und Arbeitserlaubnis und unterstützen bei der Wohnungssuche. Wenn es darum geht, ein Konto zu eröffnen oder den Herd anzuschließen, leisten sie Beistand. Bringt der oder die Neue einen Ehepartner mit, kümmern sich die Helfer auch um dessen Sorgen und Nöte.

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