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Gratis-Einfrieren von Eizellen : In Empörung vereint

Facebook umwirbt die Frauen mit allen Mitteln. Bild: Picture-Alliance

Facebook und Apple unterstützen ihre Mitarbeiterinnen dabei, ihren Kinderwunsch auf später zu verschieben. In Deutschland überwindet die gemeinsame Empörung darüber überraschende Gegensätze.

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          Facebook und Apple bläst der Wind in Deutschland wieder eiskalt ins Gesicht. Schuld sind diesmal allerdings weder perfide Datenschutzbestimmungen noch schockierende Arbeitsbedingungen. Stattdessen sorgt ein Angebot an die eigene Belegschaft in den Vereinigten Staaten für Empörung: Die Mitarbeiterinnen, die sich die Erfüllung ihres Kinderwunsches auch gerne über die schwere Zeit der Wechseljahre hinweg sichern würden, können dies gerne tun. Und zwar auf Rechnung des Arbeitgebers.

          Corinna Budras

          Wirtschaftskorrespondentin in Berlin.

          Von Januar an übernimmt Apple die Kosten in Höhe von bis zu 20.000 Dollar dafür, dass Frauen Eizellen einfrieren und einlagern lassen, um sie bei Bedarf - Jahre, wenn nicht gar Jahrzehnte später - wieder auftauen zu können. Bei Facebook gibt es ein vergleichbares Programm. Diese wertvollen Eizellen können befruchtet und der Frau wieder eingesetzt werden. Wenn alles gut läuft, reift dann in ihr ein Kind, das auf natürlichem Wege gar nicht zustande gekommen wäre. Denn der modernen Frau in der westlichen Welt mögen zwar nicht mehr viele Grenzen gesetzt sein, aber eine war bisher unverrückbar: das Ende der Fruchtbarkeit, meist ab Mitte 40.

          In Deutschland überwindet die gemeinsame Empörung darüber überraschende Gegensätze: Der Deutsche Gewerkschaftsbund und die Bundesvereinigung der Arbeitgeberverbände lehnen das Angebot schon vorsorglich ab, obwohl es noch keinen einzigen Arbeitnehmer in Deutschland erreicht hat. Bisher gilt es nur in den Vereinigten Staaten, wo die Kultur der Arbeitnehmerverhätschelung ohnehin schon ganz andere Eskalationsstufen erreicht als hierzulande. Die CDU hält das Angebot für „unmoralisch“; die Linke meint, dahinter stecke ein „verachtendes Frauenbild“. Dahinter verbirgt sich wohl vor allem die Angst, den Frauen könne so viel zynische Großzügigkeit bald auch hierzulande drohen.

          Was haben Apple und Facebook nur davon?

          Natürlich sollte niemand so naiv sein, zu glauben, Facebook und Apple finanzierten die Prozedur aus reiner Großzügigkeit. Trotzdem muss man einige Fakten ausblenden, um sich der Aufregung anzuschließen. Sicher, „Social Freezing“ ist der ziemlich irreführende Begriff für eine aufwendige Prozedur, die die Fruchtbarkeit zumindest theoretisch bis ins hohe Alter ausdehnen kann, so wie es Männern schon immer gegeben war. Und bei Frauen ist das alles andere als trivial: Zunächst müssen sie sich einer wochenlangen Hormontherapie unterziehen, bevor sie sich unter Narkose die Eizellen entnehmen lassen, wenn möglich zehn bis 20 je Zyklus. In Deutschland liegen die Kosten dabei pro Eingriff bei 3000 Euro aufwärts, Lagerung und die Wiedereinpflanzung kommen noch hinzu. Um die Chancen zu vergrößern, dass am Ende auch tatsächlich ein Kind daraus erwächst, kann die Prozedur mehrmals durchlaufen werden. Dazu muss eine Frau schon ziemlich überzeugt sein, dass sie irgendwann einmal tatsächlich Mutter werden möchte.

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