https://www.faz.net/-gyl-7vace

Gratis-Einfrieren von Eizellen : In Empörung vereint

Die Methode allerdings ist legal und wird seit mehr als zehn Jahren praktiziert, auch in Deutschland bieten sie viele Reproduktionskliniken an. Bisher wurde sie meist von Frauen genutzt, die älter sind als 30 Jahre. Der vorherrschende Grund hat zumindest bisher nur wenig mit der Karriere zu tun: Fast 90 Prozent der Frauen entscheiden sich dafür, weil sie schlicht keinen Partner haben. Viele täten dies, kurz nachdem eine Verbindung in die Brüche gegangen sei, berichtet die Göttinger Medizinethikerin Wiesemann.

Die bittere Wahrheit im mitunter verzweifelten Spiel um die Verlängerung der Fruchtbarkeit lautet manchmal schlicht: Frauen verzögern ihre Elternschaft auch deswegen, weil es Männer tun. Sich binden, die Verpflichtung für eine Familie eingehen, während die Karriere eigentlich ihrem Höhepunkt zustreben müsste? In Zeiten, in denen, bitte schön, auch Väter Präsenz auf dem Spielplatz zeigen müssen? Das erscheint einer wachsenden Zahl von Männern inzwischen nicht mehr zwingend. Und ihnen bleibt schließlich später auch noch genügend Zeit. So mancher schaut mit Argwohn nicht nur auf die quengelnde Partnerin, sondern auf jede Single-Frau, die die 30 überschritten hat. Es ist noch nicht lange her, da gratulierte ein besonders offener Zeitgenosse einer Bekannten zum 30. Geburtstag mit den Worten: „Jetzt bist du für Männer eine tickende Zeitbombe.“ Kleiner Scherz oder Ausdruck eines weitverbreiteten Bedrohungsgefühls?

Grauhaarige Mütter - für viele noch unvorstellbar

Früher hätte die Frau als „tickende Zeitbombe“ nur eine Option gehabt: abends in ihre Kissen zu heulen. Heute geht sie in die Reproduktionsklinik. Aus Sicht der Ärzte hat das nur einen Haken: Sie kommen spät. Frauen, die sich mit 30 dafür entscheiden, sich alles offenzuhalten, haben nur noch eine Chance von rund 25 Prozent, tatsächlich im höheren Alter schwanger zu werden. Je jünger die Eizellen sind, desto mehr Eizellen können entnommen werden, und desto höher ist auch ihre Qualität und die Chance einer späteren Schwangerschaft.

Mit Anfang oder Mitte 20 denkt aber noch kaum eine Frau daran, dass sie irgendwann einmal zu alt sein könnte für den eigenen Nachwuchs. Dabei wäre das genau der Zeitpunkt, wo sich solch eine Maßnahme lohnen könnte, sagt Wiesemann. Aus medizinischer Sicht sei es weniger problematisch als üblicherweise vermutet, wenn Frauen die Kinder später austrügen. Langzeitstudien zeigen, dass zumindest bei der Gruppe der gut ausgebildeten 40- bis 45-Jährigen die Risiken einer Schwangerschaft im Vergleich zu denen einer Zwanzigjährigen nur leicht erhöht seien.

Bei allem Jubel über jüngere Mütter werde stets vergessen, dass sich unsichere Lebenslagen nicht gerade positiv auf ein Kind auswirken, sagt die Ethik-Professorin. Bei Kindern, die nach Social Freezing geboren wurden, haben Studien bisher keine Auffälligkeiten gezeigt. An eins müsste sich die Gesellschaft dann allerdings noch mühsam gewöhnen: Dass nicht nur grauhaarige Väter Kinderwagen durch die Gegend schieben, sondern auch grauhaarige Mütter. Für viele noch unvorstellbar.

Weitere Themen

Topmeldungen

Biden wirbt für Einheit : „Hört mir zu, vermesst mein Herz“

Joe Biden hat auf den Stufen des Kapitols den Amtseid abgelegt. Amerika und der Welt verspricht er einen Neuanfang: „Meinungsverschiedenheiten müssen kein Grund für totalen Krieg sein.“ Trump sagt: „Wir kommen wieder.“

Neuer Präsident vereidigt : „Das war Bidens kraftvollste Rede“

Joe Biden ist der 46. Präsident der Vereinigten Staaten. Biden sei kein Wunderheiler, sagt Amerika-Experte Klaus-Dieter Frankenberger. Aber er habe in seiner Antrittsrede eindrucksvoll klar gemacht, dass er das Land wieder vereinen wolle. Ein Videokommentar.

Nawalnyjs Blockbuster : Der Held kämpft in der Zelle

Am orthodoxen Epiphaniasfest taucht auch Putin im Eiswasser unter, wie es Gläubige tun, um ihre Sünden abzuwaschen. Ist die Farbe seiner Badehose eine Anspielung auf Alexej Nawalnyj? Der Kremlkritiker inszeniert einen lebensgefährlichen Blockbuster.

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.