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Gratis-Einfrieren von Eizellen : In Empörung vereint

Wenigstens dir Firma soll sich aus dem Privatleben raushalten

Dass bei vielen in Deutschland diese Offerte nicht nur Unbehagen, sondern starke Ablehnung hervorruft, hat ganz andere Gründe: Hierzulande ist vielen die Einmischung privater Unternehmen in das Privatleben ein Graus, noch dazu von solchen Datenkraken wie Facebook, die in der öffentlichen Wahrnehmung ohnehin schon die intimsten Geheimnisse ihrer Nutzer ausbeuten. So etwas überlassen sie lieber dem neutral erscheinenden Staat, der sich schon tief in das Privatleben seiner Bürger eingegraben hat: Mutterschutz, Kindergeld, Elterngeld, Betreuungsgeld, staatlich geförderte Kindergärten. In diesem engmaschigen Netz von Sozialleistungen bleibt den Unternehmen nur wenig Spielraum, eigene Akzente zu setzen. Hierzulande kann man vor allem mit Boni, ansonsten allenfalls mit extravaganten Weihnachtsfeiern, einem üppigen Fortbildungsangebot oder einer flächendeckenden Versorgung mit Smartphones und Tabletcomputern punkten. Mehr ist auf absehbare Zeit weder nötig noch erwünscht.

Der Zukunftsforscher Sven Gabor Janszky sieht zwar künftig auch für deutsche Unternehmen eine große Chance darin, umworbene Fachkräfte mit der Erfüllung ihrer Lebenswünsche zu locken. Fragt man dagegen Mediziner, Arbeitsrechtler oder Unternehmen, winken die eher ab. Das heißt freilich nicht, dass die Methode in Deutschland auf Dauer keine Chance hat. Im Gegenteil. Während die emotionalen Wogen in den vergangen Tagen hochschlugen, fand in Göttingen erstmals eine nüchterne internationale Fachtagung zur „hinausgeschobenen Mutterschaft“ und ihren ethischen Implikationen statt. Organisiert wurde die Konferenz „Postponed Motherhood and the Ethics of Family“ von Stephanie Bernstein und Claudia Wiesemann vom Institut für medizinische Ethik an der Göttinger Universität.

Zwei Tage diskutierten die Teilnehmer über die Vor- und Nachteile des „Social Freezing“, die ethischen Bedenken und medizinischen Vorzüge und die Frage, ob es sich nun um eine feministische Errungenschaft oder das glatte Gegenteil handelt: Wird durch diese Prozedur der Druck nicht noch mehr erhöht, doch irgendwann Kinder zu bekommen, wenn nicht jetzt, dann doch wenigstens später im hohen Lebensalter? Für Stephanie Bernstein, Ärztin und wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut, ist klar: „Die Debatte kocht derzeit auch deshalb so hoch, weil sie uns zwingt, traditionelle Rollenbilder zu überdenken: Wann handelt eine Mutter verantwortlich - und wann nicht?“

Frauen verzögern ihre Elternschaft auch, weil es Männer tun

Es ist noch nicht lange her, da war diese Methode hierzulande noch völlig unbekannt. Und noch immer - 50 Jahre nach der ersten Antibabypille - kann man sich nur schwer daran gewöhnen, dass der Mensch in die Reproduktion eingreift. Hat es nicht seinen Grund, dass Frauen bisher spätestens zur Lebensmitte mit dem Kinderkriegen aufhören müssen, während Männer bis ins hohe Alter ihr Erbgut in die Welt streuen können? Muss man wirklich ohne Not in diesen sinnvollen Lauf des Lebens eingreifen?

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