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Na, gut erholt? : Nach dem Urlaub ist vor dem Urlaub

Reingelegt: Eine Urlauberin am Bodensee macht es richtig und entspannt sich mit einem Buch. Bild: dpa

Wer die mühsam erarbeitete Erholung in den beruflichen Alltag retten will, der sollte bereits im Vorfeld gut planen. Hier ein paar Tricks, damit der Büroblues erst gar nicht entsteht.

          5 Min.

          Na, gut erholt?! Markus fürchtet die flüchtige Floskel. Denn er ist nur mittelprächtig erholt heimgekehrt. Das lag an der flirrenden Hurghada-Hitze, dem trägen Surflehrer und am Büfett, das Montezumas Rache und Tage im abgedunkelten Hotelzimmer beschert hat. Aber zugeben, dass der langersehnte Urlaub mau bis misslungen war, das möchte der energische Elektroingenieur aus München ungern. „Im Unternehmen prahlen die meisten mit ihren Urlaubserlebnissen, da mag ich kein Loser mit Fehlbuchungen sein. Außerdem bin ich ja braun gebrannt und gut getarnt“, sagt der 42 Jahre alte Münchener. Sein Lachen klingt angestrengt.

          Ursula Kals

          Redakteurin in der Wirtschaft, zuständig für „Jugend schreibt“.

          So wie ihm, geht es nicht wenigen. Die hochgejazzten, angeblich schönsten Wochen des Jahres sind keineswegs immer so schön, wie sie vorab, während und hinterher persönlich und auf euphorischen Facebookfotos dargestellt werden. Dabei beschert eine Grundregel erholsamen Abstand zum Alltag: Ein guter Urlaub sollte einen Kontrast zum üblichen Trott darstellen. „Das Durchbrechen von Routinen ermöglicht eine Blickwinkelveränderung. Erholung setzt da ein, wo man eine Balance zwischen neuen Anregungen und Entspannung erreicht“, erklärt die Berliner Gesundheitspsychologin Annette Schlipphak und warnt davor, nur am Strand zu dösen: „Man sackt ab, wenn man geistige Aktivität nicht nutzt.“

          Wer einen eher monotonen Bürojob ohne Außenkontakte hat, der ist gut beraten, exotische Schauplätze aufzusuchen. Der sollte erlebnishungrig das Abenteuer buchen. Der tankt Energie beim Whalewatching vor Nantucket oder Bungeejumping im Jauntal. „Aber nicht jeder braucht den Adrenalinkick“, sagt die 49 Jahre alte Psychologin. Denn wer beruflich zwischen enggetakteten Dienstreisen Kräfte lässt, den entspannt es, am Kummerower See Störche zu sichten.

          Bloß nicht zu viel vornehmen

          Realistische Planung verhindert Frust. „Jeder sollte für sich klären: Was habe ich für eine Lebenssituation?“, rät die Vizepräsidentin des Berufsverbands Deutscher Psychologen und Psychologinnen, BDP. Ist es, gerade für Frauen, wirklich entspannend, in der Apartmentküche oder am Campingkocher zu stehen? Trotz aller Emanzipation regiere oft das traditionelles Rollenbild. „Da braucht es eine gute Familienorganisation.“ Wenn es den einen in die Berge zieht, den anderen ans Meer, ist ein Kompromiss eine Herausforderung. Zwei Jahre aufs Traumziel zu warten sei „keine gute Lösung“.

          Die Rettung bringt hier zum Beispiel eine spanische Insel die beides vereint, oder auch ein Ortswechsel innerhalb des Urlaubs, empfiehlt Julia Scharnhorst. „Hauptsache, jeder kommt zu seinem Recht“, findet die Leiterin des Fachbereichs Gesundheitspsychologie im BDP. Wichtig sei, sich nicht zu viel vorzunehmen. „Erholung besteht auch darin, mal nichts zu tun und die Seele baumeln zu lassen“, sagt die Psychologische Psychotherapeutin aus Wedel, die persönlich gern auf Langeoog entspannt. „Meine Erholung setzt schon auf der Fähre ein.“ Ihr ist bewusst, dass eine gänzlich neue Umgebung „auch ein Stressfaktor sein kann“.

          Ebenso sorgfältig sollte die Rückkehr aus dem Urlaub geplant werden. „Menschen tun sich keinen Gefallen, erst am letzten Tag nach Hause zu kommen. Ein bisschen Jetlag hat man immer. Sonst kommt man erledigt ins Büro“, warnt Schlipphak. „Man sollte sich mindestens einen Tag dazwischen gönnen“, betont auch Kollegin Scharnhorst. Es sollte Zeit bleiben, in Ruhe auszupacken, in Erinnerungen zu schwelgen, Fotos zu gucken. Mitbringsel, sei es eine kitschige Muschelbox oder ein japanischer Holzschnitt, fürs Büro sind im wortwörtlichsten Sinne Andenken - so hat man ein inneres Bild für sich, auch das schenkt Kurzerholung.

          Mehr Gelassenheit und Wurschtigkeit in all der Hektik

          Ein guter Einstieg nach dem Urlaub braucht eine gute Vorbereitung. Dazu gehört, sich vorab um eine Vertretung zu bemühen. „Dann findet man einen halbwegs leeren Schreibtisch vor und wird nicht gleich von einem Berg Arbeit erschlagen“, sagt Julia Scharnhorst. „Also es ruhig angehen lassen, sich akklimatisieren, sich sortieren, sonst ist die Erholung mittags schon vorbei!“ Bei einem selbstverantwortlichen Arbeitsplatz nicht gleich auf den ersten Tag wichtige Konferenzen, schwierige Gespräche, lange Dienstreisen legen. Sonst droht gleich zum Auftakt Arbeitsüberlastung. Dann die Kollegenrunde drehen, mit dem Chef reden, Mails mit einem Clusterprogramm nach Themenblöcken sortieren. Möglicherweise kann man an einem eher ruhigen Freitag wiederkehren oder an einem Dienstag, dann sei die Woche überschaubarer. Auch Gleitzeit am ersten Tag kann für einen angenehmen Wiedereinstieg sorgen.

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