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Entwicklungshilfe : Leben im Zebrarhythmus

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Etwas Sinnvolles tun - das treibt die meisten Entwicklungshelfer an Bild: AP

Deutschland, Ausland, Deutschland, Ausland - wer als Entwicklungshelfer arbeiten will, sollte ein Freund häufiger Ortswechsel sein. Hilfreich ist auch, ein geringes Sicherheitsbedürfnis zu haben.

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          Sie beraten Regierungen in den exotischsten Ländern, bilden Polizisten aus oder bauen Museen und Schulen auf. Die Rede ist von Entwicklungshelfern. Einsatzfeld und Lebensläufe sind so facettenreich, dass viele von sich sagen: „Ich bin eigentlich ein untypischer Fall.“ Auch Emily Calaminus sagt das über sich. Gleich nach dem Studium hat sie für kurze Zeit einen Mitarbeiter des mauretanischen Parlaments beraten. „Es ging darum, die Arbeit des Finanz- und Haushaltsausschusses zu strukturieren“, erzählt sie. Das westafrikanische Land machte damals erste Gehversuche in Richtung Demokratie. Aufgabe von Calaminus war es, den Sekretär des Ausschusses anzulernen. „Ein Großteil der Arbeit drehte sich um Abläufe und einfache Büroarbeiten“, sagt sie. „Ich wurde total ins kalte Wasser geschmissen – habe mich aber auch sofort wohl gefühlt“, sagt Calaminus. Das habe auch an ihrer Vorgesetzten gelegen, Emma Kellner. Bevor diese 2004 nach Mauretanien ging, war Kellner Abgeordnete der Grünen im Bayerischen Landtag und mit Haushaltsfragen und Ausschussarbeit entsprechend vertraut.

          Mit ihren Hintergründen repräsentieren Kellner und Calaminus die zwei typischen Gruppen von Bewerbern. „Die eine Gruppe“, sagt Ulrich Heise, der bei der Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ) die Nachwuchsförderung leitet, „sind junge Leute, die schon im Studium wissen, dass sie mal im Entwicklungskontext arbeiten wollen.“ Außerdem, so Heise, gibt es die Gruppe derjenigen, die mindestens zehn Jahre Berufserfahrung gesammelt haben und neue Herausforderungen und Perspektiven suchen. Besonders Bewerber dieser Gruppe zeichnen sich durch ihre fachliche Qualifikation und Erfahrung aus. Einen Studienabschluss bringen heute aber so gut wie alle mit.

          Die Persönlichkeit spielt eine wichtige Rolle

          Die Einsatzbereiche sind vielfältig. Während die nichtstaatlichen Träger eher an der gesellschaftlichen Basis arbeiten, kooperieren die Organisationen des Entwicklungsministeriums in erster Linie mit den politischen Entscheidungsträgern der Länder. Die Entwicklungsbank der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) engagiert sich etwa für den Aufbau funktionierender Finanzsektoren und vergibt Kredite. Die Organisation Internationale Weiterbildung und Entwicklung (Inwent) konzipiert Bildungsprogramme zur Förderung von Fachpersonal in Entwicklungsländern, und die Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit berät vermehrt die Regierungen der Partnerländer bei politischen und sozialen Reformen.

          Entsprechend unterschiedlich sind die Anforderungsprofile. Etwa die Hälfte der GTZ-Mitarbeiter haben nach Aussage von Heise einen Abschluss in Volkswirtschaft oder Politikwissenschaft. Gefragt sind aber auch Umweltwissenschaftler, Geographen, Pädagogen, Verwaltungswirte und Sozialwissenschaftler – reine Ingenieure inzwischen aber kaum noch. Oft sind die Profile so speziell, dass der Kreis potentieller Kandidaten überschaubar bleibt. „Auf eine nicht so spezielle Ausschreibung erreichen uns aber auch schnell 150 Bewerbungen“, sagt GTZ-Personaler Heise. In anderen Organisationen sieht das ähnlich aus. Neben fachlicher Expertise, Berufserfahrung und Mehrsprachigkeit spielt bei vielen Arbeitgebern auch die Persönlichkeit eine wichtige Rolle – vor allem ihre Offenheit für andere Kulturen. „Wir suchen Leute mit einer sozial geprägten Grundmotivation, verbunden mit nüchternem Realismus“, umschreibt Heise das. Grundsätzlich gelte, dass Bewerber „kein zu hohes Sicherheitsbedürfnis haben dürfen“. Klar im Vorteil sind nach der Erfahrung der Personalleiterin von Inwent, Ute Gauger, „Leute, die Erfahrungen aus einem Auslandsaufenthalt mitbringen“.

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