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Serie „Krisenberufe“ : Risikomanager am Berg

Rettungshelikopter vor dem Start Richtung Nebelhorn: Rotzlers Kollege (gelber Helm) wird gleich zusteigen. Bild: Lando Hass

Stefan Rotzler ist als Einsatzleiter bei der Bergwacht Oberstdorf Sommer wie Winter aktiv. Eine intensive Arbeit – die ihm nicht nur gute Organisation abverlangt.

          7 Min.

          Das Seil sieht für Unwissende wie eine Hundeleine aus, hat aber eine Traglast von ungefähr zwei Tonnen, erklärt Stefan Rotzler. „Wenn ich einen Knoten reinmache, bin ich noch bei der Hälfte.“ Liegt es am Berg an einer Kante an, kann es schnell noch weniger werden. „Nicht ganz unwichtig zu wissen“, bemerkt der 30 Jahre alte Oberstdorfer trocken und grinst. Zu wissen, was die eigenen Materialien können und aushalten, „das ist nicht zu unterschätzen“.

          Benjamin Fischer
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Rotzler weiß, wovon er spricht. Seit fast 15 Jahren ist er Teil der Bergwacht Oberstdorf. Zuvor war schon sein Vater dabei, „der Klassiker“. Heute fungiert er als Einsatzleiter und Ausbilder. 51 Aktive plus „eine Handvoll Anwärter“ zählt das Team – alles Ehrenamtler. Die Zentrale liegt etwas außerhalb des Ortes, direkt neben dem „Nordic Zentrum“ mit seinen Loipen und Trainingseinrichtungen.

          Etwas weiter dem Fluss Stillach folgend, stößt man auf die Skiflugschanze und die Fellhorn-Bergbahn. „Die Wache ist technisch bei Weitem nicht so spektakulär wie zum Beispiel bei der Feuerwehr“, sagt er, während er in der Kommandozentrale vor mehreren Telefonen, Computern und der Funkvorrichtung steht. „Seit ein paar Jahren haben wir endlich auch Digitalfunk wie der Rettungsdienst generell, nur ist das da schon viel länger Standard.“ Verständigt werden Rotzler und seine Kollegen wie die freiwillige Feuerwehr mit Piepern, die sie immer bei sich haben. Zusätzlich bekommen sie Infos auf ihr Handy. Wer hier sitzt, hat freien Blick auf den Helikopter-Landeplatz vor der Tür und sieht, wer und was ausrückt, um alles zu managen.

          Stefan Rotzler in der Kommandozentrale
          Stefan Rotzler in der Kommandozentrale : Bild: Lando Hass

          „Wichtig ist vor allem dein Verständnis von dem, der geortet und gerettet werden soll“, sagt Rotzler. Ein gewisses Stresslevel komme bei jedem Mal auf, „mit den Jahren baut sich das aber ab“. Alarmiert wird die Bergwacht zunächst über die 112. Der jeweilige Einsatzleiter erhält eine erste Lageeinschätzung und übernimmt die Koordination – beziehungsweise organisiert sich erst mal selbst. Denn Rotzler und Co. gehen ganz normal ihren Jobs nach. „Wenn du Dienst hast, musst du dir den Rücken frei halten, sodass du für einen etwaigen Einsatz abkömmlich bist.“

          Organisation ist alles

          Mit der ersten Meldung über einen neuen Einsatz geht das Organisieren los. „Bin ich auf der Arbeit oder vielleicht mit einem Lehrling auf einer Baustelle, muss ich schauen, dass dort alles weitergeht.“ Dann geht es an die Abstimmung, genauere Informationen tröpfeln ein, und Rotzler muss abwägen, was nötig ist, wie sehr die Zeit drängt, ob er einen Helikopter braucht, ob er schnell zur Wache fährt oder sich einsammeln lässt. In Oberstdorf sind immer zwei Einsatzleiter gleichzeitig eingeteilt, dazu zwei oder drei Aktive plus ein Anwärter. „Eine Besonderheit, die sich gut bewährt hat“, sagt er – mal koordiniert der eine, mal der andere, so „gehen alle weiterhin in den Einsatz und bleiben besser drin in der Materie“.

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