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Dienst ist Dienst : Fettnäpfchen auf der Weihnachtsfeier

Auf Weihnachtsfeiern ist oft Schweigen Gold. Bild: dpa

Nicht nur in Zeiten von Sexismusdebatten sollte klar sein: Eine Betriebs-Weihnachtsfeier ist ein dienstlicher Termin und kein Clubbesuch.

          3 Min.

          Was macht man auf einer Weihnachtsfeier? Man feiert fröhlich gemeinsam. Wirklich? Ist es nicht in Wahrheit so, dass die einen darauf spekulieren, sich im unkonventionellen Rahmen für eine Beförderung in Stellung zu bringen, und beim Punsch Aufstiegsambitionen anheizen? Andere würden sich lieber ohne Häuptling nur mit den Indianerkollegen übers Buffet hermachen. Und dann sind da noch jene, die Arbeit und Privatleben strikt trennen und sich unbehaglich fühlen, wenn sie ihre Krawatte ablegen und neckische Zipfelmützen aufsetzen sollen. Selbstverständlich gibt es neben den Bedenkenträgern der Belegschaft eine stattliche Zahl netter Kollegen, die sich über eine gesponserte Party freuen und bei Spekulatius entspannen. Aber nicht zu sehr, denn so ein Fest geizt nicht mit Fettnäpfchen.

          Alkohol trübt Aussichten

          Ursula Kals

          Redakteurin in der Wirtschaft, zuständig für „Jugend schreibt“.

          Sich die Sache mit der Kollegenfeier schönzutrinken, das ist keine gute Idee. Alkohol löst zwar die Zunge, trübt aber die Aussicht, sich als seriöser Mensch ins Gespräch zu bringen. Das ist eine Binse, die aber alle Jahre wieder zuverlässig in großem Stil ignoriert wird. Jeder, wirklich jeder, kann eine Anekdote darüber beisteuern, wer auf diversen Betriebsfesten zu tief ins Glas geblickt hat und Dinge gesagt und – schlimmer noch – getan hat, die er spätestens am Katermorgen danach bereut hat. Inflationäre Angebote, einander zu duzen, gehören noch zu den harmlosesten Fehlern, die man vermeiden sollte. Dabei ist die Formel einfach: Kontrollverlust ist gefährlich und im Arbeitsleben absolut unerwünscht.

          Zu viel Reden ist Blech

          Geredet wird auf solchen Festen viel. Manchmal zu viel. Vor allem über Politik. Das bringt Lebendigkeit, aber reißt durch launige Bemerkungen mitunter Gräben, die eine einträchtige Zusammenarbeit schwer belasten können. Da flachst der eine über den Ingenieur, der sich bei den Ökos engagiert, aber täglich mit dem SUV in die Tiefgarage rauscht, da lästert die andere über ihren stockkonservativen Schwiegervater und Franz-Josef-Strauß-Kult-Betreiber, für den nur Dunkelschwarz wählbar sei. Für den Vorgesetzten ein wahrer Hörgenuss, erfährt er doch Dinge, die er im Personalgespräch nie abfragen dürfte. Er selbst hält mit politischen Äußerungen hinterm Berg – es wäre doch schön blöd, es sich ideologisch mit der Hälfte der Belegschaft zu verscherzen. Politik ist tabu. Das gilt auch für allzu Privates. Verbitterte Bemerkungen über Scheidungskriege und sich arm rechnende Expartner sind keine gute Idee. Das macht angreifbar und misstrauisch. Wer privat solche Belastungen stemmen muss, dessen Kapazitäten sind begrenzt. Seit wir wissen, dass Meier wie eine Weihnachtsgans ausgenommen wird, erscheinen seine Gehaltsforderungen in anderem Licht.

          Schweigen, Teil zwei

          Klatsch und Tratsch gehören zu einer Feier dazu wie Zimtsterne auf den Plätzchenteller. Aber bitte in Maßen. Gehässige Lästereien, bösartige Gerüchte vertragen sich nicht mit dem Bürofrieden, geschweige denn mit dem Fest der Liebe. Reden wir lieber über Hobbys, stoßen auf Gemeinsamkeiten an und kleben nicht am kleinen Kreis Altvertrauter, sondern beziehen neue Kollegen mit ein.

          Kein guter Ort fürs Flirten

          Für die Feier putzen wir uns heraus, da darf der Ausschnitt mal tiefer, das Rasierwasser mal penetranter sein. Frauen wie Männer sind in Flirtlaune. Unseliges Motto: Ein bissel was geht immer. Aber vom Anbandeln am Arbeitsplatz ist in diesen Zeiten abzuraten. Das haben wir unter anderem Harvey Weinstein & Co zu verdanken und der Spitze des Eisbergs frauenverachtender Handlungen. Haben die meisten schon erlebt, Flur-Machos, die anzüglich „Brust oder Schenkel?“ schnalzen und beim Gans-Tranchieren mit den Blicken Dekolletees fixieren und Frauen, die als Spaßbremse gelten, wenn sie sich solche Anzüglichkeiten energisch verbitten. Mikromini und Anmachsprüche sollten sich Menschen für die Partnerschaftspirsch im Club aufheben und nicht für eine Veranstaltung des Arbeitgebers. Deshalb geht es übrigens auch nicht, ungefragt Feierfotos zu posten. Selbst, wenn man die persönlich als harmlos einstuft. All das sind Grenzüberschreitungen.

          Vorher über Geschenke sprechen

          Wer wem etwas schenkt, das ist ein Knigge-Kapitel für sich. Was gar nicht geht: Die einen bekommen Präsente, die anderen gehen leer aus. Das beschämt. Also vorher untereinander absprechen und den Rahmen für den Preis festlegen. Exorbitante Gutscheine für den Lieblingskollegen sind unangebracht. Fast kommt Sehnsucht nach infantilem Wichteln auf.

          Bitte hingehen, kneifen gilt nicht

          Auch wem nach Tennisclub und Kirchenchor der Sinn nicht nach dem dritten Rothkohlrausch steht: Kneifen gilt nicht. Nicht-Erscheinen fällt negativ auf. Außerdem lassen sich locker Kontakte über die Abteilungen hinweg knüpfen. Die Weihnachtsfeier bedeutet Lob und Anerkennung für die Leistung eines Jahres. Desinteresse für ein Dankeschön des Arbeitgebers, das diesen eine runde Summe kostet, ist fehl am Platz.

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