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E-Learning in Unternehmen : PDF oder Lern-App?

Ein Mitarbeiter führt auf dem Stand von Lucas Nülle auf der Bildungsmesse Didacta eine E-Learning Plattform für die Berufsausbildung vor. Bild: dpa

Digitalisierung will gelernt sein, aber welche Hilfsmittel geben die Unternehmen ihren Mitarbeitern an die Hand? An E-Learning trauen sich jedenfalls viele noch nicht wirklich heran.

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          Acht von zehn Unternehmen haben im Jahr 2017 digitale Lernmedien eingesetzt. Besonders häufig kamen dabei aber bloß die digitalen Varianten von herkömmlicher Literatur zum Einsatz, wie eine Studie des Kompetenzzentrums Fachkräftesicherung (Kofa) am Institut der deutschen Wirtschaft (IW Köln) zeigt. E-Learning-Formate wie Webinare, MOOCs oder selbst produzierte Lernvideos waren deutlich weniger verbreitet. Auch Bildungsapps werden noch eher selten genutzt.

          Benjamin Fischer

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Kleine Unternehmen schreiben digitalen Lernmedien indes signifikant häufiger einen höheren Stellenwert zu als mittlere oder große Unternehmen. Ein mögliche Erklärung hierfür wäre, dass große Unternehmen schlicht mehr Zeit benötigen, um ihre Strukturen anzupassen. Generell sehen aber zwei Drittel der Unternehmen in der Nutzung digitaler Lerninhalte ein wichtiges Instrument, um mit der Digitalisierung Schritt halten zu können. Vor allem die Erweiterung des beruflichen Fachwissens steht hier im Vordergrund.

          Weiterbildung ist gefragt

          Die Mehrheit habe zudem erkannt, dass es nötig ist, die Mitarbeiter im Umgang mit neuer Software zu schulen, heißt es in der Studie. Im Fokus steht auch die Verbesserung der Selbständigkeit und Organisationsfähigkeit, damit sich Mitarbeiter schnell auf neue Aufgaben einstellen. „Viele Arbeitnehmer verfügen bereits durch die private Nutzung digitaler Medien über beachtliche Kompetenzen“, sagt Regina Flake, eine der Autorinnen der Studie. Unternehmen sollten sich diesen Umstand zunutze machen und in den Kontext der betrieblichen Aus- und Weiterbildung übertragen.

          Wie wichtig Weiterbildung in Zeiten der voranschreitenden Digitalisierung ist – und wie viel Potential hier noch schlummert –, zeigt auch der „Engagement Index“ des Beratungsunternehmens Gallup. Lediglich 28 Prozent der Befragten stimmten hier der Aussage „Mein Unternehmen unterstützt mich dabei, für die Zukunft benötigte Fertigkeiten und Fähigkeiten zu erlangen.“ voll und ganz zu. Gut ein Drittel (34 Prozent) fühlt sich dagegen im Stich gelassen.

          Wie beliebt ist die Cloud?

          Als Hindernisse für den verstärkten Einsatz digitaler Angebote geben die Unternehmen in der Kofa-Studie vor allem an, dass ihre Belegschaft zu klein sei, als dass es sich lohne, eigene Lernmedien anzuschaffen. Ein weiterer Grund ist auch schlicht die fehlende Erfahrung mit E-Learning-Angeboten und die Vielzahl der Anbieter am Markt. Der fehlende Überblick führt letztlich auch dazu, dass nur knapp 48 Prozent angeben, sich sicher zu sein, die Angebote auch didaktisch sinnvoll einsetzen können.

          Unabhängig vom Einsatz im Bereich der Bildung wurde bei der Untersuchung im Rahmen des IW-Personalpanels auch generell die Nutzung digitaler Technologien abgefragt. Mehr als die Hälfte der Unternehmen (53 Prozent) tauscht etwa seit mindestens zwei Jahren Daten mit Kunden und Dienstleistern oder nutzt gemeinsame Beschaffungsplattformen. Auch digitale Vertriebswege sind beliebt. Digitale Dienstleistungen wie etwa Cloud-Services nutzen knapp 38 Prozent der befragten Unternehmen. Erheblich seltener kommen im Arbeitsalltag aktuell Virtual Reality-Brillen oder 3D-Drucker zum Einsatz.

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