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Doris Brenner, Trainerin für Personalentwicklung : „Bloß nicht zu forsch rangehen“

  • Aktualisiert am

Doris Brenner Bild: privat

Traineestellen reichen vom Edel-Praktikum bis zum Entrée in die Chefetage. Bewerber sollten genau hinsehen und Fallstricke meiden. Denn die gibt es durchaus.

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          Frau Brenner, Traineeprogramme sind bei Unternehmen und Hochschulabsolventen beliebt. Bewirbt man sich dafür oder wird man quasi auserwählt?

          In der Regel bewirbt man sich für die zwischen 12 und 24 Monate dauernden Programme. Aber die Unternehmen sind stark daran interessiert, Leute, die positiv im Praktikum aufgefallen sind, zu berücksichtigen.

          Ist die Aufnahme in so ein Programm immer ein Karrierebeschleuniger?

          Nein, der Begriff Trainee wird teilweise auch missbraucht. Flapsig gesagt, das Profil reicht vom schlecht bezahlten Praktikumsniveau, also voller Einsatz bei minimalem Salär, bis zur Kaderschmiede im Goldfischteich, aus dem sich die zukünftigen Führungskräfte rekrutieren. Manche Stelle wird hochwertig angepriesen, aber schlecht bezahlt, und bietet hinterher doch keine Perspektive. Andererseits gibt es Stellen, die eine hochpositionierte Eliteausbildung bieten.

          Wie erkenne ich, welchen Stellenwert das Programm tatsächlich hat?

          Als Bewerber sollte man danach fragen, was die Menschen, die das Programm absolviert haben, heute im Unternehmen machen, wie sie sich weiterentwickelt haben. Wo sind die gelandet? Gibt es möglicherweise sogar Teilnehmer, die es bis in die Vorstandsetage geschafft haben - das sollte man allerdings diskret recherchieren. Ein Unternehmen, das Leute wirklich fördert, braucht sich bei der Beantwortung dieser Fragen nicht bedeckt zu halten. Außerdem sollten Bewerber nach dem konkreten Programmablauf fragen und auch danach, welche maßgeschneiderten Weiterbildungsveranstaltungen angeboten werden.

          Was ist das Typische an Traineeprogrammen?

          Ziel ist es, das Gesamtunternehmen kennenzulernen, regional oder auch international. So bietet sich die Chance, für sich entsprechend seiner Stärken und Interessen ein passendes Arbeitsgebiet zu identifizieren. Entweder wird das bereichsübergreifend organisiert oder aber bereichsbezogen, zum Beispiel wird ein Trainee nur im Einkauf oder Marketing eingesetzt. Die meisten Programme sind heute projektbezogen organisiert. Das ist auch gut so. Früher gab es das Problem, dass der Trainee dem Kollegen über die Schulter blicken, aber im Grunde genommen nichts eigenständig machen konnte.

          Der ständige Wechsel ist also Programm?

          Ja, man muss damit umgehen können und flexibel sein. Vor allem bei internationalen Unternehmen sollen Trainees durch Auslandsstationen einen guten Überblick gewinnen, das ist die Grundkonstruktion solcher Einstiegsprogramme für Nachwuchskräfte. Das Privatleben ist dadurch natürlich nicht leicht zu organisieren. Einen Vorteil hat hier, wer kosmopolitisch ist, sich etwa durch einen Sportclub schnell vor Ort sozial integriert, über einen Freundeskreis im Hintergrund verfügt und seine sozialen Bindungen auch über räumliche Distanzen aufrechterhält. Jüngere Generationen pflegen ihre alten und neuen Kontakte ja durch virtuelle Netzwerke - das erleichtert viel.

          Welchen Kardinalfehler machen Absolventen?

          Gerade bei Programmen, die hoch positioniert sind, besteht die Gefahr, dass die Teilnehmer zu arrogant, zu forsch rangehen. Das Auftreten ist ein Problem, ausgelöst durch das Gefühl: Ich gehöre zur Elite. Die Kandidaten sollten ihre Position realistisch einschätzen. Denn eins ist klar: Wer als Trainee im Unternehmen startet, wird von Beginn an deutlich mehr im Blickpunkt stehen als der Direkteinsteiger.

          Wie vermeiden Berufseinsteiger den Eindruck der Arroganz?

          Indem sie Wertschätzung und Respekt für die Mitarbeiter mitbringen, wenn sie die vielen Stationen durchlaufen. Anfänger sollten vermeiden, gestandene Mitarbeiter vor den Kopf zu stoßen, unter anderem auch, weil dann die Gefahr besteht, dass die anderen die Neuen auflaufen lassen.

          Welche Eigenschaften sollten gute Trainees mitbringen?

          Neugier ist wichtig und Offenheit für neue Eindrücke und Arbeitsabläufe, diese Grundhaltung erleichtert viel. Auf keinen Fall sollten sie sofort Verbesserungsvorschläge machen, sondern sich erst aktiv einbringen, wenn sie mehr über die Abteilungen wissen. Ein Unternehmen ist eine Welt mit sehr eigenen Gesetzen, die von außen nicht leicht durchschaubar sind. Das ist manchmal das Problem: Von einem Trainee wird zwar erwartet, dass er überdurchschnittliches Engagement entwickelt und sich kreativ mit einbringt, das dann aber mit Fingerspitzengefühl.

          Und nach Abschluss der Ausbildung wird automatisch eine Stelle angeboten?

          Nein, ein Traineeprogramm ist keineswegs ein Selbstläufer. Von vorneherein sollte einem Trainee bewusst sein, dass der Vertrag in den meisten Fällen zeitlich befristet ist. Der Trainee trägt selbst eine Mitverantwortung, dass er danach eine unbefristete Position erhält. Er muss die Zeit also intensiv nutzen und mit seinen Fähigkeiten sichtbar werden - und zwar bei Leuten, die Einfluss und Personalverantwortung haben. Häufig akquirieren Trainees ihre zukünftigen Positionen im Lauf der Stationen selbst. Schließlich ist die konkret erbrachte Arbeitsleistung die beste Visitenkarte, die sie hinterlassen können.

          Haben Sie einen Tipp, wie das gelingt?

          Ein solides Netzwerk aufbauen. Es hört sich nicht originell an, ist aber der Königsweg zu einer guten Einstiegsposition. Das ist nicht zu unterschätzen, denn wenn jemand Karriere gemacht hat, wird er die Einsamkeit der Chefetage erleben. Dann ist es hilfreich, Menschen zu kennen, die mit einem gemeinsam gewachsen sind und jetzt möglicherweise Abteilungen leiten.

          Trainees stehen aber doch in harter Konkurrenz zueinander?

          Ja, das sollte man nicht unterschätzen. Wobei die Teilnehmer eines Traineeprogramms gerade in Großunternehmen häufig weit verstreut sind und weniger direkte Berührungspunkte haben. Diese ergeben sich eher in Weiterbildungsveranstaltungen. In jedem Fall ist das ein sozialer Kontakt, der später im Unternehmen hilfreich ist, auch auf dem kleinen Dienstweg.

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