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Digitalisierung im Unterricht : Industrie 4.0 zieht in die Berufsschule ein

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Vorreiter in der Digitalisierung: Technologiekonzern Trumpf Bild: Rainer Wohlfahrt

In der „Azubi-Cloud“ Arbeitsanweisungen empfangen, Maschinen vom Tablet aus steuern und im Hightech-Labor die Fabrik der Zukunft kennenlernen: Digitalisierung ist längst Alltag für Lehrlinge. Wie die neue Azubi-Generation heranwächst.

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          Das Schlagwort ,Industrie 4.0‘ hört Andreas Schneider, der Leiter der Ausbildung beim Laserspezialisten Trumpf in Ditzingen, gar nicht gerne. Er redet lieber von Digitalisierung, wenn er von der zunehmenden Vernetzung der Arbeitswelt spricht. Um dem gerecht zu werden, hat das Familienunternehmen schon 2013 seine Ausbildung komplett umgestellt. „Um Social Media Rechnung zu tragen, wurde die Azubi-Cloud eingeführt“, sagt der Ausbildungsleiter. Hier könne der Lehrling Arbeitsanweisungen, Dokumentationen oder Ähnliches jederzeit abrufen.

          „Wir müssen die jungen Menschen in ihrer Welt abholen“, sagt Schneider und verweist darauf, dass es künftig mehr Flexibilität bei den Arbeitsorten geben werde. Natürlich wird die Produktion weiterhin in der Fabrikhalle stattfinden, aber die Wartung einer Maschine könne man mit Hilfe eines Tablet-Computers praktisch von überall aus machen. Trumpf ist eines der ersten Unternehmen gewesen, die auch den Hightech-Beruf Produktionstechnologe in der Ausbildung angeboten hat. In ihm gibt es nur rund 50 Ausbildungsstellen in Deutschland.

          Produktionstechnologen planen und betreuen industrielle Produktionsprozesse und richten Produktionsanlagen ein, wie Siegfried Czock, Leiter Aus- und Weiterbildung bei dem Technologiekonzern Bosch, berichtet. Bosch startet nun in Stuttgart-Feuerbach mit vier Auszubildenden. Der Konzern will das Thema Digitalisierung mehr und mehr in die Ausbildung einbinden. Kompetenzen wie die Bedienung via Tablets sowie Wissen um Netzwerke und Funktechnologien würden künftig in den Ausbildungsgängen gelehrt, so Czock weiter. Der 19-jährige Michael Zweigart, der bei Bosch Mechatroniker lernt, sagt: „Das Thema Digitalisierung gibt es nicht als eigenständiges Fach in der Berufsschule.“ Es werde aber im Fach Produkt- und Qualitätsmanagement angeschnitten.

          Maschinen kommunizieren selbständig miteinander

          Peter Schomaker, der in Feuerbach für die Ausbildung im gewerblich-technischen Bereich mit verantwortlich ist, meint: Die aktuellen Berufsbilder böten genügend Spielraum, um das Thema Vernetzung zu integrieren. „Industrie 4.0 erfordert bei den technisch-gewerblichen Berufen in der Metall- und Elektroindustrie eine intensivere Qualifizierung bei bestimmten IT-Kompetenzen.“ In der neuen Arbeitswelt kommunizieren die Maschinen im Idealfall zum großen Teil selbständig miteinander, und der Mensch wird nur noch aktiv, wenn es notwendig ist. Friedrich Hubert Esser, Präsident des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB), erklärt: „Das heißt aber nicht, dass nun alle zum Programmierer werden müssen.“ Gefragt seien vielmehr Problemlösungs- und Prozesskompetenzen, wie zum Beispiel das prinzipielle Verständnis des Funktionierens der Informationstechnik, das Verständnis des Schaltverhaltens sowie das Bedienen und Anpassen von Steuerungs-Software.

          Die Industrie verspricht sich von der Digitalisierung einen gehörigen Schub für neue Geschäfte. Zehntausende zusätzliche Arbeitsplätze könnten geschaffen werden, etwa für Ingenieure, Informatiker und Software-Entwickler. Der Maschinenbau und die Elektrotechnik gehören mit zusammen fast zwei Millionen Beschäftigten zu den größten Industriezweigen Deutschlands. Die Gewerkschaft IG Metall setzt bei dem Thema gleichfalls wie die Industrie und die anderen Partner auf die duale Ausbildung. Mit ihr sei kaum ein Land so gut gerüstet wie Deutschland. Dass Auszubildende gleichzeitig im Betrieb und in der Berufsschule qualifiziert würden, sei hierzulande eine Selbstverständlichkeit, international jedoch nicht. „Die digitale Revolution könnte den Erfolg des dualen Ausbildungsmodells noch verstärken, da umfassendes Wissen und übergreifende Kompetenzen immer wichtiger werden“, sagt eine Sprecherin.

          Die Unternehmen schreiben bei dem Thema auch der Berufsschule eine wichtige Funktion zu. In Baden-Württemberg gibt es seit Januar die erste „Lernfabrik 4.0“ an einer Berufsschule in Göppingen. Dort sollen Auszubildende im Bereich Mechatronik in einem Hightech-Labor mit den Komponenten einer realen Produktionsanlage lernen, wie die Fabrik der Zukunft funktioniert. Nun macht das Beispiel Schule. Acht „Lernfabriken 4.0“ an je zwei Berufsschulen je Regierungsbezirk will die grün-rote Landesregierung fördern.

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