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Probleme der Digitalisierung : Wir lassen uns helfen, bis wir dumm sind

  • -Aktualisiert am
Gunter Dueck
Gunter Dueck : Bild: Adobe

Leider nehmen Noob-Unternehmen alles nur passiv zur Kenntnis, sie eignen es sich nicht an. Sie haben absolut keinen Start-up-Drang. Sie werden eher böse, dass noch nichts von selbst geschieht, obwohl man es ihnen teuer gezeigt hat. Da granteln sie mit den Beratern: „Wir wollen nicht immer nur belehrt werden. Es geht nicht, dass ihr uns mit der Umsetzung allein lasst. Wir fordern, dass ihr es auch umsetzt, was ihr uns bisher nur gezeigt habt.“ Nun müssten die Montessori-Berater eigentlich erklären, dass das Unternehmen sich mental bewegen muss. Es muss wollen, es selbst zu können. Das aber sagen die Berater nicht, weil es zumeist keine Montessori-Berater sind. Sie wollen Geld verdienen und beginnen mit dem Umsetzen. Sie tun es für den Kunden, dem sie eigentlich nur zeigen sollten, wie es geht. Dadurch lernt ihr Kunde nie; seine Inkompetenz wird stabilisiert und mit der Zeit stärker. Oberflächlich ist das Problem gelöst („wir digitalisieren jetzt“), aber das Unternehmen wird nicht gestärkt.

Todesspiralen auf allen Bühnen

Wenn es schlecht läuft, geht nun alles den Bach hinunter. Die Berater übernehmen mehr und mehr Aufgaben. Das ist ein schönes Business für sie, aber das Unternehmen wird dümmer. Systemische Denker nennen eine solche verschlimmernde Beziehung eine „dysfunktionale Symbiose“. Der aktive Teil (Berater) ermöglicht immer mehr implizite Passivität dessen, der eigentlich handeln sollte. Diese Todesspiralen gibt es auf allen Bühnen, aber die Tendenz, dass Unternehmen die Berater zu Ko-Abhängigen machen, ist im Falle der Digitalisierung besonders gravierend!

Die Digitalisierung bedeutet für die meisten Unternehmen nämlich einen Wechsel in den Kernkompetenzen. Es geht also bei der Digitalisierung nicht um eine unangenehme Zusatzqualifikation, die man an andere outsourcen kann, weil diese alles besser und billiger hinbekommen. Nein, heute beginnen viele Unternehmen aus unerkannter Dummheit, ihre Kernkompetenzen outzusourcen.

Das ist eine Form von Passivität, die des Selbst-nichts-Tuns. Sie merken nach und nach, dass sie dümmer geworden sind, und versuchen nun, ihre alten Kernkompetenzen immer stärker und perfekter auszuspielen („Batterien bauen wir nicht, aber wir werden so gute Dieselmotoren bauen, dass deren Prüfergebnisse noch Jahrzehnte lang überlegen gut sein werden“). Sie versuchen, ihre beginnende Dummheit mit hyperaktiven Leuchtturmprojekten zu übertünchen. Sie gründen Inno-Future-Excellence-Eminence-Break-Through-Centers, die architektonisch den allgemeinen Ammenmärchen über Google-Arbeitsplätze gerecht werden. Diese Unternehmen glauben, dass sie schon dann eine neue Kernkompetenz erworben haben, wenn nur ein paar Arbeitsgruppen im Unternehmen eine gewisse vorzeigbare Expertise per Power-Point präsentieren können. Ein solcher Irrglaube macht dumm.

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