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Digitalisierung der Ausbildung : Mit dem iPad an der Druckgussmaschine

Rund 1400 Auszubildende stellt die Marke VW im Schnitt im Jahr ein, 250 dieser Neuen lernen in der sogenannten „Fakultät 73“. Bild: dpa

IT-Kenntnisse werden für Azubis immer wichtiger – nicht nur wegen der wachsenden Bedeutung der Softwareentwicklung in der Autobranche. Auch bei klassischen Arbeiten hinterlässt die Digitalisierung ihre Spuren.

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          Volkswagen-Chef Herbert Diess „ist beeindruckt gewesen von dem, was die hier machen“. Die, das waren rund 50 Auszubildende von verschiedenen VW-Werken, die im Wolfsburger Stammwerk auf dem „Zukunftsforum Ausbildung“ kürzlich zeigten, wie viel Digitalisierung in den Ausbildungsberufen mittlerweile steckt. Die Wende zur Elektromobilität, vor allem aber der Weg zum vernetzten Auto und die Industrie 4.0 mit ihrer vernetzten Produktion verändern die Arbeitswelt in den Fabriken in rasantem Tempo. Gelernt wird deswegen heute schon anders. „In unserer Ausbildung steckt schon ziemlich viel Digitalisierung“, sagt Ralph Linde, der Leiter der Volkswagen Group Academy.

          Carsten Germis

          Wirtschaftskorrespondent in Hamburg.

          Von lebenslangem Lernen wird viel geredet, Auszubildende nicht nur in der Autobranche bekommen darauf heute schon einen ganz anderen Vorgeschmack als frühere Generationen. „Arbeitswelt, Techniken und Formen der Zusammenarbeit ändern sich heute schneller als je zuvor“, sagte Volkswagen-Personalvorstand Gunnar Kilian den Auszubildenden während des Zukunftsforums. „Deshalb stellen wir unsere Berufsausbildung vorausschauend darauf ein.“

          Rund 1400 Auszubildende stellt die Marke VW im Schnitt im Jahr ein, 250 dieser Neuen lernen in der sogenannten „Fakultät 73“. Dort bildet das Unternehmen seit April 2019 Softwareentwickler für den eigenen Bedarf aus. Auch wenn Volkswagen nach Angaben von Personalvorstand Gunnar Kilian bereits ein „relevanter Player“ ist und erstklassige Softwareentwickler und IT-Experten in seinen Labs in Berlin, München, Lissabon und an der amerikanischen Westküste hat, so wächst auch im Brot-und-Butter-Geschäft der Bedarf an IT-Fachkräften und Mitarbeitern mit IT-Kenntnissen.

          „Fridays 73“ statt „Fridays for Future“

          100 Teilnehmer haben im Frühjahr an der „Fakultät 73“ mit der zweijährigen Ausbildung begonnen, die meisten von ihnen hatten bereits eine Berufsausbildung zum Beispiel zum Mechatroniker abgeschlossen, als sie sich bewarben. 73 Prozent der Auszubildenden im ersten Jahrgang waren schon vorher bei VW, 27 Prozent sind Externe. Das Übergewicht der Männer ist in diesem Beruf immer noch groß, gerade mal acht Prozent im ersten Jahrgang sind Frauen.

          Eine von ihnen ist Leonie, die vorher Architektur studiert hat, aber sehr IT-interessiert ist. Das erste Jahr in der „Fakultät 73“ steht im Zeichen der Grundlagenqualifizierung. Dazu gehören nicht nur Programmiersprachen, sondern auch Englisch. „Da wir langfristig in internationalen Teams arbeiten, ist das unverzichtbar“, berichtet Leonie.

          Im zweiten Jahr qualifizieren sich die Lernenden dann in kleinen Gruppen auf speziellere Aufgaben. „Wir haben eine starke IT-City in Wolfsburg, und nun stärken wir die Softwareentwicklung grundlegend“, hat Personalvorstand Kilian bereits zu Beginn seiner Amtszeit gesagt. Neben der Theorie bekommen die jungen Menschen bei Exkursionen in die Digital-Labs von VW auch einen ersten Einblick in ihre künftige Arbeitswelt. Weil diese Projekte meistens am Ende der Woche liegen, heißt das „Fridays for Future“ bei VW „Fridays 73“.

          Smartphone-Montage durch Roboter

          Aber nicht nur wegen der wachsenden Bedeutung der Softwareentwicklung im Automobilbau werden Kenntnisse der IT für Auszubildende wichtiger. Auch bei klassischen Arbeiten in den Fabriken, wie zum Beispiel in der Gießerei, hinterlässt die Digitalisierung mit der Industrie 4.0 ihre Spuren in der beruflichen Bildung. Wie bei allen neuen Auszubildenden von VW gehört das iPad für Lukas Sonntag von der Gießerei im Kasseler VW-Werk zum Arbeitsalltag. „Augmented Reality“ – eine Anwendung zur visuellen Lernunterstützung am Beispiel einer Druckgussmaschine – ist fester Bestandteil der Ausbildung.

          Mit Hilfe von QR-Codes und Barcodes, die auf den einzelnen Bauteilen der Maschine angebracht sind, kann der junge Mann mit seinem iPad Informationen zu den einzelnen Bauteilen abrufen und selbständig lernen. „Jetzt geht es erst einmal darum, die Maschine kennenzulernen“, sagt sein Ausbilder. In der Zukunft helfe das dann auch bei Reparaturarbeiten.

          Industrie 4.0, also die Digitalisierung und Vernetzung der Produktion, gehört für die Auszubildenden heute fest zum Alltag. In Wolfsburg zeigten zwei junge Mechatroniker VW-Chef Diess und anderen Vorstandsmitgliedern ihre selbst entwickelte, kleine Zukunftsfabrik, in der sie die Smartphone-Montage durch Roboter auf der Grundlage einer Basissoftware selbst programmiert haben. Industrie 4.0 sei ein Trend in der ganzen Industrie, sagt einer der Auszubildenden.

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