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Digitalisierte Arbeitswelt : „Das Eckbüro hat ausgedient“

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Gut. Im Elektronikwerk Amberg ist die Mitarbeiterzahl in den letzten Jahren mit etwa 1200 weitgehend stabil geblieben, die Produktivität hat sich aber deutlich verbessert. Allerdings haben sich natürlich die Tätigkeiten verändert. Wir brauchen mehr qualifizierte Leute. Für Deutschland sehe ich eine große Chance, denn wir müssen uns wegen des demographischen Wandels in den kommenden Jahrzehnten auf einen erheblichen Fachkräftemangel einstellen. Wir spüren das heute schon bei Softwareingenieuren.

Digitalisierung bedeutet für Arbeitnehmer also nicht automatisch, dass ihre Arbeit künftig von Robotern und Algorithmen erledigt werden?

Nein, das sage ich unseren Leuten auch immer wieder. Es heißt aber auch nicht, dass Arbeitsabläufe bis in alle Ewigkeit unverändert bleiben. Jeder Einzelne muss offen dafür sein, weiter zu lernen, damit er den Anschluss behält.

Damit wachsen die Anforderungen an die Mitarbeiter.

Die Anforderungen wachsen, aber dafür gibt es auch deutlich mehr Flexibilität. Nehmen wir mal die Büroarbeit. Da gab es früher starre Anwesenheitszeiten für alle. Heute kann ich selbst als Vorstandsmitglied relativ zeitig Feierabend machen, meine Kinder ins Bett bringen und danach noch mal E-Mails bearbeiten. Das ist doch ein echter Gewinn.

Was bedeutet das für Führung?

Führung muss horizontaler werden. Klassische Karrieresymbole wie das eigene Eckbüro mit möglichst vielen Fenstern verlieren an Bedeutung. Sie müssen die kollektive Intelligenz innerhalb und außerhalb des Unternehmens nutzen, Wissensträger einbinden. Deshalb dürfen sie als Führungskraft nicht nur mit einem kleinen Kreis von Mitarbeitern kommunizieren, sondern sie müssen etwa über soziale Netzwerke neue Kanäle öffnen. Unsere Personalmanager in aller Welt können in unserem internen Netzwerk mit mir über Themen diskutieren. Und sie machen regen Gebrauch davon.

Das klingt zeitintensiv.

So funktioniert virtuelle Führung nun mal. Anstatt Stunden in Meetings zu verbringen, beschäftige ich mich regelmäßig damit, was gepostet wird. Wenn ich Fragen stelle, muss ich auch zuhören und antworten. In solchen Foren entstehen dann ganz neue Diskussionen. Und die sind nicht immer nur angenehm. Aber das ist mir lieber, als dass die Leute in der Kantine sagen: „Die Kugel hat ja keine Ahnung, was uns umtreibt.“

Muss die Führungskraft 4.0 ein dickeres Fell haben als ihre Vorgänger?

Sie kann sich nicht mehr so abgrenzen. Der alte Führungsstil wird in Zukunft nicht mehr funktionieren, zumindest unter qualifizierten Mitarbeitern, die zwischen den Arbeitgebern wählen können. Um diese Leute zu halten, brauchen sie den Dialog.

Kommende Woche findet der IT-Gipfel der Regierung statt. Was bringt noch eine weitere Veranstaltung zum Thema?

Das Thema ist so komplex, dass es wichtig ist, sich zu vernetzen. Beim IT-Gipfel kommen Unternehmen, Verbände, Gewerkschaften, Wissenschaft und Politik zusammen - und tauschen sich über Trends aus. Künftig werden neue Kooperationen oder Lieferketten entstehen, die heute noch gar nicht abzusehen sind.

Was kann die Politik tun, um den digitalen Wandel der Wirtschaft zu fördern?

Was wir immer wieder mit den Ministerien besprechen, ist die Frage, wie man im Arbeitsrecht auf die Anforderungen der Digitalisierung reagiert. Ein typisches Beispiel sind die vorgeschriebenen Ruhezeiten. Das ist sinnvoll zum Schutz von Schichtarbeitern. Aber es ist Unsinn, wenn Angestellte wegen ihrer Familie früher heimgehen, abends noch ein paar Mails abarbeiten und wir dann am nächsten Tag nachrechnen müssen, ob sie lange genug offline waren, damit die Ruhezeiten eingehalten werden. Das passt nicht mehr in die Zeit.

Mehr zum Thema Digitalisierung der Arbeitswelt: faz.net/smartearbeit

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