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Dienstreisen : Wir sind reisefertig

  • Aktualisiert am

Bild: Cyprian Koscielniak

Auf Dienstreise gehen, das klingt toll, ein bisschen wie Urlaub. Spannende Orte, ferne Länder - doch erholt kommen nur die Wenigsten zurück. Sieben Einblicke.

          6 Min.

          In der Zweiten fliegt man besser
          Jetzt aber mal keine falsche Bescheidenheit. Sie sind beruflich schon ein schönes Stück vorangekommen und dürfen auch auf Kurz- oder Mittelstrecke Business-Class fliegen. Wegen der hübschen Miles&More-Karte nur Lufthansa. Und natürlich Reihe 1, wer will schon jemanden vor sich haben. Da gibt es plötzlich keinen Haken mehr für das schicke Boss-Sakko. Und das Tablett für das freundlich gereichte Express-Frühstück ist auch von der Wand verschwunden. „Stewardess, könnten Sie mir bitte die Jacke und die Tasche abnehmen, hier ist nirgends mehr Platz.“ – „Unser Platz ist auch eingespart worden, hier vorne passt nichts mehr rein. Sie müssen Ihre Sachen in das Gepäckfach über ihnen legen.“ – „Das ist voll.“ – „Ja, ich weiß, das ist oft so.“ Dafür aber passen nun ein paar Sitzreihen mehr in das Flugzeug, das bringt zusätzlichen Ertrag. „Der neue Sitz des Herstellers Recaro in schlankem und elegantem Design überrascht im Bereich der Knie mit deutlich mehr Raum als bisher“, preist die Lufthansa ihre neue Ausstattung an. Direkt ein Gesprächsthema mit den Nachbarn diesseits und jenseits des Ganges: „Die da oben haben eben keine Ahnung.“ – „Immer nur auf Profit aus.“ – „Murks.“ „Jetzt schütte ich mir immer den Kaffee über die Jacke.“ Wir trauen uns aber nicht mehr, uns zu beschweren. Ganz ehrlich, aber nicht weitersagen: Die Sitze sind echt besser als vorher. Und manchmal im Leben ist Reihe 2 die 1. HOLGER APPEL

          Urlaub an der Cote d’Azur
          Eine Dienstreise ins südfranzösische Cannes – das ist nach Meinung vieler nichts anderes als ein verkappter Urlaub. Nach getaner Arbeit (also gegen Mittag) bezieht man eine Liege am Strand oder Pool und ordert Eistee. Abends schlürft man Cocktails auf der palmengesäumten Terrasse eines Luxushotels. So weit die Theorie. Für die meisten Cannes-Dienstreisenden bleibt das ebenso ein Traum wie für die Daheimgebliebenen. Filmfestival, Immobilienmesse, Werbegipfel – auf wundersame Weise beherbergt dieser 70.000 Einwohner zählende Ort an der Cote d’Azur eine Großveranstaltung nach der anderen, was den Hoteliers Narrenfreiheit beschert. In den Häusern an der Croisette (Meer! Pool! Cocktails! 500 Euro pro Nacht!) steigen die Vorstände ab, der gemeine Dienstreisende dagegen in einer der Pensionen in dritter oder vierter Reihe. Die Inklusivleistungen, die einen dort nach getaner Arbeit erwarten, sind nicht ganz so mondän: Blick auf die Müllcontainer im Hinterhof, Ameisenkolonnen auf 30 Jahre altem Teppichboden, Tapeten, die sich vor lauter Schimmel freiwillig abrollen. Man kann sich den Weg zum Strand zeigen lassen, man kann es aber auch lassen. Es ist nicht so, dass das alles kein Erlebnis wäre, vor allem der nächtliche Taubenbesuch im Zimmer. Nur eines ist es sicherlich nicht: Urlaub. JULIA LÖHR

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