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Die Karrierefrage : Wie überlebe ich als Sandwich-Manager?

Bild: Getty

Druck von oben, Druck von unten: Führungskräfte auf der mittleren Ebene leiden darunter, dass ihre Mitarbeiter und Chefs gegenläufige Interessen haben. Wie man trotzdem glücklich werden kann.

          4 Min.

          Vor dem Tag seiner Beförderung ist der Automechaniker manchmal abends mit seinen Kollegen ausgegangen. Oder sie waren mittags gemeinsam beim Dönermann. Im Betrieb herrschte ein kumpelhafter Ton, und nach der Arbeit ein bisschen quatschen, fachsimpeln über Autos, Autoteile oder die neueste Marotte des Chefs – das tat er hin und wieder ganz gerne. Dann – das Angebot kam recht plötzlich – wurde er selbst Chef. „Teamleiter“, wie es in seinem Betrieb hieß. Seither war er seinen Kollegen vorgesetzt. Natürlich hatte er noch immer den Filialleiter über sich, aber trotzdem war vieles ganz anders. Sogar als das Betriebsfest kam, traute er sich nicht recht hinzugehen. Mit wem sollte er beisammenstehen? Würden die Kollegen noch so mit ihm reden wie früher? Oder würde er stören, und sie würden nur darauf warten, dass er endlich nach Hause geht?

          Nadine Bös
          Redakteurin in der Wirtschaft, zuständig für „Beruf und Chance“.

          Solche eher atmosphärischen Fragen waren es allerdings nicht, die den Automechaniker veranlassten, an einem Führungskräftetraining teilzunehmen. Was ihm viel mehr zu schaffen machte, war der Druck, der mittlerweile von beiden Seiten kam. Die ehemaligen Kollegen hatten die Erwartung, dass sich nun vieles zum Besseren wenden würde, weil „einer von ihnen“ nun ihr Vorgesetzter war. Der Filialleiter dagegen gab ihm unmissverständlich zu verstehen, welche Zwänge der Kostendruck dem Betrieb auferlegte und dass sein Spielraum als Teamleiter nur sehr gering war. Eine Seite musste er von nun an enttäuschen – und das permanent. Dass alle mit ihm zufrieden waren, die Kunden, die Kollegen und der Chef, so wie früher, als er wegen seiner guten Arbeit befördert worden war: Das gab es nun nicht mehr.

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