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Die ideale Laufbahn : Öfter mal was Neues

  • -Aktualisiert am
          4 Min.

          Als Kathrin May* vor fünf Jahren ihre Stelle als Programmkoordinatorin einer Weiterbildungsfirma im Ruhrgebiet antrat, waren die Aussichten auf dem Arbeitsmarkt trostlos – besonders für eine Geisteswissenschaftlerin. Da halfen ihr auch die kaufmännische Ausbildung und die drei Fremdsprachen nicht. Also unterschrieb die heute 35 Jahre alte Angestellte für ein Jahresgehalt von knapp 36.000 Euro. „Mehr schien damals nicht drin zu sein“, sagt May. „Und ich war froh, dass ich den Job hatte.“ Wie sich die Zeiten ändern: In wenigen Wochen wechselt May, die zuletzt zu allem Überfluss ständig unbezahlte Überstunden machen musste, zu einem Konkurrenten. Dort wird sie 50.000 Euro verdienen. Plus Dienstwagen.

          „Viele Arbeitnehmer haben in den Jahren nach 2001 viel zu wenig Gehalt verhandelt“, sagt Thorsten Knobbe, Karriereberater von Leaderspoint. „Durch einen Jobwechsel können sie das jetzt wieder wettmachen.“ Denn die Stimmung ist gut, auch wenn die Nachrichten vom Arbeitsmarkt nicht mehr so positiv klingen wie vor noch vor einigen Monaten. Trotz der von etlichen Unternehmen angekündigten Stellenstreichungen: Qualifizierte Fach- und Führungskräfte sind begehrt. Allein 100.000 Ingenieure fehlen Deutschland nach Einschätzung des Vereins Deutscher Ingenieure (VDI).

          Die begehrten Fachkräfte nutzen die Gunst der Stunde: „Die Wechselbereitschaft ist deutlich gestiegen“, sagt Knobbe, dessen Unternehmen Fachkräfte in der Stellensuche unterstützt. „Die Leute können durch einen Wechsel in bessere Positionen gelangen und sich beim Gehalt verbessern.“ Achim Mollbach, Experte der Personalberatung Kienbaum, bestätigt: „In den vergangenen Jahren, als der Stellenabbau bis in die Chefetagen hineinreichte, sind die Leute sehr vorsichtig geworden“, sagt er. „Das lässt jetzt nach.“ Auch in Branchen, in denen die Fluktuationsrate traditionell hoch ist wie in den Medien, im Handel oder bei Konsumgüterproduzenten wächst die Zahl der Wechsler.

          Die Zahl der Wechsler wächst
          Die Zahl der Wechsler wächst : Bild: fotolia.com

          Wechsel? Nicht in der Finanzbranche

          Eine Ausnahme bildet allerdings die Finanzbranche. Durch die amerikanische Immobilienkrise sind etliche Banken und Finanzdienstleister gezwungen, Mitarbeiter zu entlassen. Dennoch: Zahlreiche Private-Equity-Gesellschaften und Fusionsberater suchen Leute. Das hat auch Andreas Clausen* erfahren. Der 33 Jahre alte Investmentbanker in einem Kreditinstitut in Düsseldorf steht in Lohn und Brot, will sich aber gern verändern. Er hat seit längerem das Gefühl, auf der Stelle zu treten, wie so viele Arbeitnehmer. Regelmäßig bekommt Clausen Anrufe von Headhuntern und führt Vorstellungsgespräche mit Private-Equity-Gesellschaften. „Trotzdem ist der Wechsel schwierig“, sagt er. Wechselbereitschaft ist eine Sache, passende Angebote eine andere.

          Wann ist der richtige Zeitpunkt?

          Viele Karriereberater empfehlen Berufstätigen, in der ersten Hälfte des Arbeitslebens nach spätestens fünf Jahren den Arbeitgeber zu wechseln – die ideale Laufbahn sieht dann insgesamt fünf bis sechs verschiedene Stationen vor. Wer deutlich länger in einem Unternehmen bleibt – und das auch noch auf derselben Position und mit derselben Aufgabe –, gerät in den Verdacht, seinen Biss verloren zu haben. Arbeitet man bereits zehn Jahre oder länger für denselben Arbeitgeber, muss man bei einem Wechsel nachweisen, dass man dort wenigstens verschiedene Fachbereiche kennengelernt und zusätzliche Verantwortung übernommen hat. Wer nur von Abteilung zu Abteilung gewandert ist, ohne aufzusteigen, kommt in Erklärungsnöte.

          Umgekehrt gilt: Wird ein Arbeitnehmer schon nach zwei oder drei Jahren wieder fahnenflüchtig, könnten potentielle neue Arbeitgeber ihm das als mangelndes Durchhaltevermögen auslegen. Wechsel sollten immer nachvollziehbar sein und ihr Grund in der individuellen Karriereplanung liegen, raten Fachleute. Nur aus finanziellen Gründen zu wechseln ist kritisch.

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