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Umschulungen : Die Deutschen sind Weiterbildungsmuffel

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Sich fit machen für die digitalisierte Arbeitswelt: Nicht alle Deutschen machen das – obwohl viele die Notwendigkeit sehen. Bild: dpa

Viele Deutsche glauben, dass technologische Veränderungen ihre Stelle bedrohen könnten. Aber im Vergleich zu den Beschäftigten anderer Länder tun die Menschen hierzulande herzlich wenig dagegen.

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          Die Digitalisierung führt dazu, dass sich die Arbeitswelt in rasantem Tempo ändert. Und es gibt viele Studien, die warnen, dass die Deutschen an vielen Ecken und Enden hinterherhinken. Die neueste Untersuchung zum Thema befasst sich mit der Frage, wie die Arbeitnehmer reagieren, besser gesagt: Ob sie sich mit Weiterbildungen fit halten und sich auf die veränderten Bedingungen vorbereiten.

          Die ernüchternde Antwort ist: Nein. Die Deutschen unternehmen auf diesem Gebiet sehr viel weniger als die Menschen in anderen Ländern. Danach gefragt, ob sie jedenfalls einige Wochen im Jahr zur Fortbildung verwenden, antworteten nur 38 Prozent der Deutschen mit „ja“. Das war der geringste Prozentsatz auf der ganzen Welt. Auf ähnlich niedrige Werte kommen Frankreich (42 Prozent), Belgien (43 Prozent) und Österreich (ebenfalls 43 Prozent).

          Die Zahlen basieren auf einer Arbeitsmarktstudie, für die die Unternehmensberatung Boston Consulting Group gemeinsam mit der Stellenbörse Stepstone und dem Stellenbörsen-Netzwerk The Network 366.000 Menschen aus 197 Ländern befragt haben. Mehr als 17.000 kamen aus Deutschland. Den Spitzenwert in der Befragung erzielte Myanmar, wo 87 Prozent der Befragten antworteten, sie würden einige Wochen des Jahres zum Lernen verwenden. Im Durchschnitt aller Länder bejahten 65 Prozent die Frage nach einigen Weiterbildungs-Wochen im Jahr.

          53 Prozent der Befragten aus Deutschland sagten, sie seien offen dafür, sich mit Blick auf die Digitalisierung beruflich komplett neu zu orientieren. Zwar ist das mehr als die Hälfte, doch auch an dieser Stelle deutlich weniger als der globale Durchschnitt: Über die ganze Welt betrachtet gaben zwei Drittel der Befragten an, sie seien bereit, neue Fähigkeiten für einen komplett anderen Beruf zu erlernen. Dabei ist paradox: Die Deutschen erwarten überdurchschnittlich oft große Veränderungen für ihren Beruf durch neue Technologien: 55 Prozent haben entsprechende Befürchtungen; auf der ganzen Welt sind es nur 49 Prozent.

          Allerdings hängt es innerhalb Deutschlands wohl auch stark vom Beruf ab, ob die Menschen Lust auf Fortbildungen haben oder nicht. Beschäftigte aus dem Dienstleistungsbereich zeigten sich beispielsweise zu 62 Prozent weiterbildungsbereit. In der Gesundheitsbranche hatte diese Bereitschaft nicht mal jeder Zweite.

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