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Migration : Deutschland erwartet eine halbe Million Zuwanderer

Arbeitskräfte aus dem Ausland könnten den derzeitigen Mangel in Deutschland ausgleichen. Bild: dpa

Die gute Konjunktur in Deutschland zieht Arbeitskräfte aus dem Ausland an. Doch reicht der Zulauf, um den derzeit großen Bedarf an Personal zu decken?

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          Die gute Lage am deutschen Arbeitsmarkt zieht immer mehr Zuwanderer an. Das könnte den Wanderungsüberschuss aus Zu- und Fortzügen in diesem Jahr auf mehr als ein halbe Million steigen lassen, wie aus aktuellen Schätzungen des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) hervorgeht. Gegenüber dem vergangenen Jahr wäre dies abermals ein Zuwachs von mehr als 60.000 Personen. „Vieles spricht dafür, dass sich der Trend im weiteren Jahresverlauf fortsetzt“, sagte IAB-Migrationsfachmann Herbert Brücker während einer Veranstaltung in Lauf nahe Nürnberg.

          Sven Astheimer

          Verantwortlicher Redakteur für die Unternehmensberichterstattung.

          Zwar komme die Mehrheit der Zuwanderer nach wie vor aus dem europäischen Ausland. „Neuerdings gewinnt die Zuwanderung von außerhalb Europas an Bedeutung“, sagte Brücker. Stammten 2012 noch 75 Prozent der Einwanderer aus der EU, waren es 2013 noch 69 Prozent. Hier könnten steigende Asylbewerberzahlen eine Rolle spielen. Für das gesamte Jahrzehnt bis 2020 rechnet Brücker mit einer jährlichen Nettozuwanderung nach Deutschland von deutlich mehr als 300.000 Personen. Im vergangenen Jahrzehnt waren es lediglich 96.000.

          Deutsche häufiger unterqualifiziert

          Die erwartete Zuwanderung würde seinen Worten nach genügen, um das Schrumpfen des Arbeitskräftepotentials in Deutschland zunächst auszugleichen. Brücker wies auf eine besondere Herausforderung für die Arbeitsmarktpolitik hin: Während Deutsche häufig eine Beschäftigung ausübten, die über ihrer Qualifikation liegt, seien Zuwanderer oft schlechter beschäftigt.

          So arbeiteten 46 Prozent der Rumänen im Geringqualifiziertensektor, obwohl der Anteil der Personen ohne Ausbildung weniger als 30 Prozent beträgt. Das wirkt sich auf die Löhne aus: während Deutsche im Durchschnitt 2920 Euro im Monat verdienen, kommen Mittel- und Osteuropäer nur auf 1860 Euro.

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