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Pflegerat unzufrieden : Kritik am Kompromiss zur Pflegeausbildung

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Der Streit darüber, wie junge Menschen Pflegeberufe lernen sollen, will nicht enden. Die Frauen im Bild haben sich für eine ganz andere Variante entschieden: Sie studieren Pflegewissenschaft an der Universität Halle/Saale Bild: ZB

Nach langen Diskussionen gibt es einen Kompromiss in Sachen Pflegeausbildung: Zwei Jahre lang sollen alle gemeinsam lernen und sich im dritten Jahr spezialisieren können. Aber schon wieder hagelt es Kritik.

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          Der nach langem Hin- und Her am Donnerstagabend erzielte Kompromiss zur Pflegeausbildung stößt schon wieder auf neue Kritik: bei den Berufsverbänden. Der Deutsche Pflegerat befürchtet, dass es durch die Öffnung der geplanten gemeinsamen Ausbildung im dritten Ausbildungsjahr bei der stationären Altenpflege weniger Auszubildende geben wird. Der Kompromiss bleibe hinter den Zielen zurück, eine große Reform der Pflegeausbildung sei gescheitert, sagte Pflegeratspräsident Andreas Westerfellhaus am Freitag in Berlin. Der Pflegerat gehört zu den Verfechtern einer generalistischen Ausbildung, die die drei Teilbereiche Alten-, Kranken- und Kinderkrankenpflege zusammenfasst.

          Der am Donnerstagabend beschlossene Kompromiss von Union und SPD sieht zwar vor, alle drei Ausbildungsberufe in den ersten beiden Jahren zu einer Pflegeausbildung zusammenzuführen. Im dritten Jahr können die Auszubildenden aber entscheiden, ob sie einen generalistischen Abschluss für alle drei Berufe oder einen spezialisierten Abschluss für einen der Berufe anstreben.

          Die Arbeitgeber, die sich in der Vergangenheit gegen eine generalistische Ausbildung gewandt hatten, äußerte sich erleichtert, dass es weiterhin einen eigenständigen Ausbildungszweig für Altenpflege geben wird. Der Vizepräsident des Arbeitgeberverbandes Pflege, Friedhelm Fiedler, befürchten allerdings, dass sich der Ausbildungsstoff künftig stärker an der Krankenpflege orientiere und sich deshalb weniger Hauptschüler für den Pflegeberuf entscheiden werden.

          „Hauptschüler von zu viel Theorie abgeschreckt“

          Rund 70 Prozent der Auszubildenden in der Krankenpflege seien Abiturienten, in der Altenpflege-Ausbildung seien aber 60 Prozent Hauptschüler. „Viele Hauptschüler werden von zu viel Theorie abgeschreckt“, sagte Fiedler: „Die alten Menschen und die Altenpflege werden zum Opfer dieser Reform.“

          Der Präsident des Bundesverbandes privater Anbieter sozialer Dienste, Bernd Meurer, verwies auf noch offene organisatorische Fragen. Unklar sei unter anderem, wie der Wechsel zwischen den Trägern der Ausbildung organisiert werden soll, wenn sich die Auszubildenden nach zwei Jahren für einen anderen Abschluss entscheiden. Jetzt komme es auf die Ausbildungsverordnung an.

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