https://www.faz.net/-gyl-9vhln

Diskriminierung von Bewerber : „Bitte keine Araber“

  • Aktualisiert am

Die Bewerbung sei versehentlich einer anderen Stellenanzeige für Projekte in China zugeordnet worden, hieß es in einer Erklärung (Symboldbild). Bild: Picture-Alliance

Viele Menschen erleben nach wie vor Diskriminierung auf dem Arbeitsmarkt. Nachdem ein Fall eines Bewerbers für heftige Diskussionen sorgte, spricht das Unternehmen nun von einem Missverständnis.

          1 Min.

          Diskriminierung ist im deutschen Arbeitsmarkt nach Einschätzung der Antidiskriminierungsstelle des Bundes immer noch weit verbreitet. „Repräsentativen Umfragen zufolge hat jeder zweite in Deutschland schon einmal Diskriminierung im Arbeitsleben erlebt“, sagte der kommissarische Leiter Bernhard Franke am Donnerstag der Deutschen Presse-Agentur.

          Anfang der Woche war bekannt geworden, dass ein Mann sich auf ein Praktikum bei einem Berliner Architekturbüro beworben hatte. Als Antwort erhielt er eine Absage-Mail, die eigentlich nur für die interne Kommunikation gedacht war - mit der Aussage „bitte keine Araber“. Der Bewerber postete einen Screenshot der Mail auf Facebook. In sozialen Medien warfen Nutzer dem Architekturbüro Rassismus vor.

          In einer Stellungnahme, die der dpa vorliegt, nannte das Architekturbüro den Vorfall ein „Missverständnis“ und entschuldigte sich. Die Bewerbung sei versehentlich einer anderen Stellenanzeige für Projekte in China zugeordnet worden, deren Anforderungen etwa an Sprachkenntnisse der Bewerber nicht erfüllt habe.

          Deswegen „wurde die Bewerbung zunächst an das Sekretariat mit verkürztem Kommentar zurückgeschickt“. Man habe sich bei dem Mann entschuldigt, er habe die Entschuldigung akzeptiert. Der Bewerber selbst war zunächst nicht zu erreichen.

          Prüfung vor Gericht?

          „Das ist ein eindeutiger und besonders krasser Fall von Diskriminierung wegen der ethnischen Herkunft“, sagte Franke. „Der Betroffene hat gute Chancen, nach dem Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz (AGG) eine Entschädigung geltend machen zu können.“

          „Die Person sollte sich aus unserer Sicht auf jeden Fall einmal beraten lassen, ob die Situation eine Prüfung vor Gericht verlangt“, sagte Vera Egenberger vom Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) zu dem Fall. Wenn dann alle Fakten auf dem Tisch lägen, könne ein Gericht beurteilen, ob es sich um eine Diskriminierung im Sinne des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes handelt.

          Weitere Themen

          Der Hörsaal der Zukunft

          Digitalisierung der Unis : Der Hörsaal der Zukunft

          Studierende fordern schon lange mehr Digitalisierung an den Unis. Jetzt zeichnen sich erste Trends ab – von VR-Brillen bis zur Interaktion über das Smartphone und Vorlesungen auf Youtube.

          Zahl der Studienberechtigten gesunken

          Um 2,7 Prozent : Zahl der Studienberechtigten gesunken

          2019 haben mehr als zehntausend Schüler weniger die Hochschulreife erworben als im Vorjahr. Das hängt mit der demographischen Entwicklung zusammen, Bundesländer wie Sachsen bilden jedoch eine Ausnahme.

          Topmeldungen

          Öffnungsklausel : So packen die Länder die Grundsteuer an

          Auf Druck von CSU und Unionsfraktion wurde eine Öffnungsklausel für die Länder in das Gesetz geschrieben – wie gehen die Landesregierungen damit um? Mögliche Modelle zur Berechnung gibt es viele.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.