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Unternehmensnachfolge : Chef in Papas Betrieb werden? Nein, danke!

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Im Familienalbum als Unternehmensnachfolger auftauchen? Kaum einer will das noch. Bild: Manz, Florian

Den elterlichen Betrieb als Nachfolger weiterführen? Daran haben die meisten Unternehmerkinder kein Interesse. Die meisten zieht es in Angestelltenverhältnisse. In Deutschland ist dieser Trend noch ausgeprägter als anderswo.

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          Das Unternehmen der Eltern als Nachfolger führen? Bloß nicht, sagen immer mehr Studenten aus Unternehmerfamilien im deutschsprachigen Raum. Das ist das Ergebnis einer Untersuchung der Universität St. Gallen und des Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsunternehmens EY.

          Demnach stehen Familienunternehmen in Deutschland, Österreich und der Schweiz vor großen Nachfolgeproblemen. Von 100 Studierenden in Deutschland, deren Eltern ein Familienunternehmen besitzen, wollen nur etwas mehr als 4 innerhalb von fünf Jahren nach Abschluss des Studiums Nachfolger ihrer Eltern werden (4,2 Prozent). Ungefähr jedes elfte Unternehmerkind kann sich grundsätzlich vorstellen, irgendwann einmal die Nachfolge anzutreten (11,2 Prozent). Die Zahlen für Österreich und die Schweiz sind sehr ähnlich. In Österreich wollen 3,4 Prozent der Unternehmerkinder in den nächsten fünf Jahren ihren Eltern nachfolgen und 12,6 Prozent streben eine Nachfolge grundsätzlich an. In der Schweiz sind es entsprechend 3,9 Prozent in den nächsten fünf Jahren und 10,4 Prozent generell.

          Die Länder des deutschsprachigen Raumes liegen damit deutlich unter dem globalen Durchschnitt. Auf der ganzen Welt wollen 4.9 Prozent der Unternehmerkinder innerhalb von fünf Jahren nach dem Studium die Nachfolge antreten; 19.8 Prozent sind grundsätzlich dazu bereit. In England liegt der Anteil derjenigen, die sich prinzipiell vorstellen können, Unternehmensnachfolger zu werden noch etwas höher: bei 20.9 Prozent der Befragten. Doch auch dort scheuen die jungen Menschen eine frühe Verpflichtung für den elterlichen Betrieb: nur 3.9 Prozent geben an, in den fünf Jahren nach Studienabschluss Nachfolger werden zu wollen.

          Attraktive Alternativen

          Zu den Gründen gehören unter anderem die zahlreichen attraktiven Alternativen auf dem Arbeitsmarkt. Fast 60 Prozent aller Unternehmerkinder wollen lieber Angestellte werden. Viele wollen sich auch anderweitig unternehmerisch ausleben und ihr eigenes Unternehmen gründen. Offensichtlich fehlt es nicht am Unternehmergeist, sondern eher an der Begeisterung für den elterlichen Betrieb.

          Die Nachfolgeabsichten sind in den vergangen Jahren schwächer geworden. Bei Studierenden von Hochschulen, welche sowohl an der Vorgänger- als auch an der aktuellen Studie teilgenommen haben, zeigt sich auf der ganzen Welt ein Rückgang der Nachfolgeabsichten um etwa 30 Prozent. In Deutschland ist dieser Rückgang überproportional groß und beträgt 46 Prozent, in Österreich liegt er bei 31 Prozent, und in der Schweiz bei nur 6 Prozent.

          Eine mögliche Erklärung ist, dass die Alternativen auf dem Arbeitsmarkt zum Zeitpunkt der aktuellen Befragung noch zahlreicher und attraktiver sind als bei der ersten Befragung. Befragt wurden mehr als 34.000 Unternehmerkinder in 34 Ländern.

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