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Staatliche Bildungsausgaben : Weniger Geld für Weiterbildung

  • Aktualisiert am

Weiterbildung kommt oft den sowieso schon gut Qualifizierten zugute. Bild: Rainer Wohlfahrt

Der Staat gibt immer mehr für Bildung aus, aber immer weniger für Weiterbildung. Das besagen neue Daten der Bertelsmann-Stiftung. Arbeitnehmer zahlen Weiterbildungen immer häufiger selbst. Aber eine Gruppe von Beschäftigten guckt dabei in die Röhre.

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          Der Staat zieht sich zunehmend aus der Finanzierung der Weiterbildung zurück. Insbesondere fließt immer weniger Geld in Qualifizierungsmaßnahmen für Arbeitslose. Dagegen geben Arbeitnehmer und Betriebe immer mehr eigenes Geld für Fortbildungen aus, wie aus einer am Dienstag in Gütersloh veröffentlichten Studie der Bertelsmann Stiftung hervorgeht.

          Die öffentlichen Ausgaben für Weiterbildungsmaßnahmen sanken zwischen den Jahren 1995 und 2012 um 41 Prozent auf 6,1 Milliarden Euro. Die staatlichen Investitionen in allen anderen Bildungsbereichen erhöhten sich hingegen im selben Zeitraum um durchschnittlich 59 Prozent. Für die von der Stiftung in Auftrag gegebene Erhebung werteten Forscher der Universität Duisburg-Essen amtliche Statistiken sowie Forschungs- und Datenberichte aus.

          Die Deutschen zahlen Weiterbildungen immer öfter selbst. Im Jahr 2012 wurden laut Bertelsmann-Stiftung 50 Prozent aller nicht-betrieblichen Weiterbildungen teilweise oder komplett privat bezahlt. Im Jahr 2007 lag der Anteil bei 48 Prozent. Die durchschnittlichen jährlichen Teilnahmebeiträge dafür stiegen um 22 Prozent von 729 Euro auf 890 Euro. Auch an betrieblichen Weiterbildungen beteiligten sich Arbeitnehmer häufiger finanziell.

          Weniger Kurse für Geringqualifizierte

          Durch diese Entwicklung würden zunehmend diejenigen von Weiterbildung ausgeschlossen, die Kurse nicht aus eigener Tasche bezahlen könnten, beklagen die Studienautoren: Geringqualifizierte und atypisch Beschäftigte. Sie profitierten meist auch weniger von betrieblichen Angeboten, weil Arbeitgeber eher in Festangestellte und Vollzeitkräfte als in Mitarbeiter mit Teilzeit- und befristeten Verträgen investierten, hieß es.

          Dabei sei gerade für diese Menschen berufliche Weiterbildung besonders wichtig, betonte der Stiftungsvorstand Jörg Dräger. „Menschen ohne Berufsabschluss haben fast ein vierfach so großes Risiko, arbeitslos zu werden, wie Höherqualifizierte.“ Gleichzeitig nähmen Geringqualifizierte aber fast dreimal seltener an Weiterbildungen teil als Menschen mit höheren Bildungs- und Berufsabschlüssen.

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