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Vermögensverwaltung : Weiter wenig Frauenpower in der Fondsbranche

Frauen an der Börse sind eine Seltenheit: Handelssaal in Frankfurt im April 2020 Bild: Wolfgang Eilmes

Es gibt Branchen, die sich als hartnäckige Männerdomänen erweisen. Eine davon ist offenbar die Fondsbranche, wie eine neue Untersuchung zeigt.

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          Genau 2108 Fondsmanagerinnen zählt der Branchendienst Citywire in seiner neuesten Ausgabe des Alpha Female Reports, der einmal im Jahr erscheint. Damit ist gerade einmal knapp jeder achte Fondsmanager eine Frau. Man könnte nun nicht behaupten, es gäbe keinen Fortschritt. Vergangenes Jahr betrug der Frauenanteil noch 11,8 Prozent. Doch ist dieser seit Erscheinen des ersten Berichts im Jahr 2016 um gerade einmal 1,7 Prozentpunkte gestiegen. „Die Entwicklung in Richtung Geschlechterparität im Portfoliomanagement scheint zum Stillstand gekommen zu sein“, sagt Nisha Long, Leiterin der Abteilung für das Research in den Themenfeldern ESG und grenzüberschreitende Investments von Citywire.

          Martin Hock
          Redakteur in der Wirtschaft.

          „Schlimmer noch, man könnte sich berechtigterweise fragen, ob es jemals eine wirkliche Veränderung gegeben hat – ein Anstieg von 1,7 Prozentpunkten in sieben Jahren ist erschreckend langsam.“ Viele Unternehmen hätten sich seit damals die Erhöhung des Frauenanteils auf 50 Prozent auf die Fahnen geschrieben. „Es sollte eine Pipeline geben“, meint Long. Es sei genug Zeit gewesen, dass sich das hätte niederschlagen müssen. „Wir sollten fragen, was mit all diesen Leuten geschehen ist.“

          Hoher Anteil bei Asien-Aktienfonds

          Enttäuschend ist unter diesem Gesichtspunkt wohl auch, dass laut Bericht nur 10 Prozent der 562 neuen Fondsauflagen in den vergangenen zwölf Monaten weiblichen Managern zugewiesen wurden. Auch dies wirke sich negativ auf die Fortschritte auf dem Weg zur Geschlechterparität aus. Neue Fonds würden hauptsächlich in populären Anlageklassen aufgelegt und von massivem Marketing unterstützt. Dies aber arbeite gegen eine Verbesserung der Geschlechterbilanz.

          Frauen verwalten sehr häufig Vermögen in Nischenklassen oder thematischen Fonds. So wird fast ein Drittel der China-Aktienfonds von Frauen verantwortet, in der Nische der Thailand-Aktienfonds sind es sogar 50 Prozent. Diese größere Spezialisierung aber habe dazu geführt, dass das von Frauen durchschnittlich verwaltete Vermögen in diesem Jahr stärker gesunken ist, nämlich um 60 auf 415 Millionen Euro. Für Männer liegt der Rückgang bei 53 Millionen Euro. Das durchschnittliche Portfolio ist zudem mit 611 Millionen Euro um 47 Prozent größer. Damit ist auch die Spanne weiter gewachsen, die 2018 mit 651 Millionen für Männer und 556 Millionen Euro für Frauen schon einmal deutlich kleiner war.

          Dass Frauen bei der Verwaltung von Asien-Aktienfonds vergleichsweise häufig anzutreffen sind, scheint indes kein Zufall zu sein. Denn bei den Ländern mit dem größten Anteil an weiblichen Fondsmanagern oder ausschließlich von Frauen gemanagten Fonds finden sich auf Platz eins und zwei Taiwan und Hongkong und Singapur auf Platz fünf. Dabei wurden nur Länder berücksichtigt, in denen es mehr als 100 Fondsmanager gibt – sonst schnitte wohl Portugal mit einem Anteil von 32 Prozent am besten ab. Immerhin liegen mit Spanien und Italien zwei europäische Länder mit mehr als 20 Prozent Managerinnen auf Platz drei und vier.

          Erfolgreichste Fondsmanagerin kommt von Allianz

          Großbritannien und die USA kommen dagegen nur auf 12 und 11 Prozent. Deutschland liegt auf Platz 22 von 25 mit nur 6 Prozent oder „siecht dahin“, wie es von Citywire heißt. Der Frauenanteil ist in kleinen Häusern mit 5 bis 20 Managern besonders hoch. Bei C-Quadrat etwa sind drei der fünf Manager Frauen. Unter den großen Häusern kommt abrdn auf den höchsten Anteil von 24 Prozent. Bei der weltgrößten Gesellschaft, Blackrock, sind es 18, bei der DWS 15 Prozent. Besonders wenig – nämlich gar keine – Managerinnen gibt es unter anderem bei Hansainvest, Universal und Hauck & Aufhäuser.

          Gemessen an einer überdurchschnittlichen Wertentwicklung in den vergangenen fünf Jahren erfolgreichste Fondsmanagerin ist in der Citywire-Rangliste Corrina (Hui-Zhong) Xiao von Allianz Global Investors. Der Bericht stützt sich auf die Citywire-Fondsmanager-Datenbank, in der 17.554 Portfoliomanager mit 27.544 Fonds global erfasst sind.

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