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Mitarbeiterwohnungen : Der Chef als Vermieter

BASF-Arbeitersiedlung in Ludwigshafen-Hemshof (undatiert) Bild: BASF

Das Konzept hat eine lange Tradition. Im Kampf um die begehrten Fachkräfte erlebt die Mitarbeiterwohnung eine Renaissance.

          2 Min.

          Ein Tablet oder ein Dienstwagen vom Arbeitgeber sind nette Annehmlichkeiten. Auch die Möglichkeit, sich bei Bedarf im Homeoffice einzurichten, kommt gut an. Hilfe bei der Wohnungssuche dürften viele Mitarbeiter angesichts der engen Immobilienmärkte allerdings noch lieber in Anspruch nehmen. Manche Arbeitgeber gehen sogar noch einen Schritt weiter und stellen ihren potentiellen Angestellten das Dach über dem Kopf gleich selbst zur Verfügung.

          Benjamin Fischer

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Das Konzept Mitarbeiterwohnung hat eine lange Tradition – jetzt erlebt es eine kleine Renaissance. Ende des 19. Jahrhunderts ließ etwa Alfred Krupp komplette Siedlungen für Arbeiter in der Nähe der Stahlwerke im Ruhrgebiet errichten. Auch in der „Siemensstadt“ in Berlin entstanden entsprechende Wohnkomplexe.

          Noch Ende der siebziger Jahre habe es in der Bundesrepublik rund 450.000 Werkswohnungen gegeben, heißt es in einer Studie des Instituts Regiokontext. Eine Rückkehr zu solchen Dimensionen erwarten die Fachleute zwar nicht, doch teure Mieten in Ballungsgebieten und Fachkräfteengpässe bringen das Thema wieder auf die Agenda. Laut einer Prognose des Instituts könnten künftig je Jahr in ganz Deutschland rund 10.000 neue Mitarbeiterwohnungen entstehen. Allein 2018 habe man mindestens 60 neue Projekte registriert.

          Vorteil ohne Steuer

          Bei der Deutschen Bahn gab es Werkswohnungen schon früher. Nun will der Konzern wieder verstärkt darauf setzen – immerhin sollen auch rund 100.000 neue Mitarbeiter eingestellt werden. Geplant sind neben einem Pilotprojekt in München Angebote in Stuttgart, dem Rhein-Main-Gebiet und anderen dichtbesiedelten Regionen. Volkswagen baut ebenfalls Wohnungen für Mitarbeiter, und die Stadtwerke München sind auf diesem Feld schon länger aktiv. Es gibt noch diverse weitere Beispiele, wie die Studie zeigt. So entstehen in Berlin Wohnungen für Polizisten oder am Münchener Flughafen Einheiten für das Bodenpersonal.

          Arbeitnehmer profitieren seit Jahresbeginn 2020 von einer steuerlichen Neuregelung. Bekommen sie eine verbilligte Wohnung von ihrem Arbeitgeber, müssen sie auf diesen Vorteil keine Steuern mehr bezahlen. Bei Streitigkeiten mit dem Arbeitgeber besteht allerdings naturgemäß eine höhere Abhängigkeit. Für Unternehmen böten Kooperationen mit wohnungswirtschaftlichen Partnern und anderen gewerblichen Anbietern Potential, sagte Ingeborg Esser, Hauptgeschäftsführerin des GdW Bundesverbands deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen.

          Rad fahren am Schreibtisch

          Im Wettbewerb um Mitarbeiter setzten Unternehmen mittlerweile auf die unterschiedlichsten Anreize. Die Karriereplattform Glassdoor hat vor einiger Zeit einmal eine Auswahl an „Benefits“ zusammengetragen.

          Zum Teil sind sie nicht so elementar wie ein Dach über dem Kopf – vielfältig sind sie aber auf jeden Fall: Während eine Hotelkette Auszubildenden in den vergangenen Jahren eine Reise zum Kilimandscharo oder an den Polarkreis spendierte, bot etwa ein Autohersteller drei Monate Pflegezeit bei 75 Prozent Lohnfortzahlung. Ein Telekommunikationskonzern lockte derweil mit „Deskbikes“, also Fitnessfahrrädern, die direkt am Schreibtisch nutzbar sind.

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