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Juristenausbildung : Der Bachelor mischt den Juristenmarkt auf

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In Jura-Vorlesungen, wie hier in Frankfurt, finden sich immer mehr Bachelor-Studenten. Entsprechend wächst ihr Anteil auf dem Arbeitsmarkt. Bild: Nora Klein

Gegenüber Volljuristen können die Bachelorabsolventen oft mit Spezialwissen, vor allem an der Schnittstelle zur Wirtschaft, punkten. Das verändert den Bewerbermarkt zunehmend. Ein Gastbeitrag.

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          Für den Zugang zu den juristischen Berufen ist bislang ein Universitätsstudium mit anschließendem Referendariat notwendig. Dieser traditionelle Weg wird aber zunehmend infrage gestellt. Verschiedene Initiativen zur Einführung eines Jura-Bachelors erhalten auch auf politischer Ebene immer mehr Zuspruch. Die Debatte über die deutsche Juristenausbildung erhält dadurch neuen Schwung. Der Bachelorabschluss für Juristen – aus Sicht der Praxis wäre dies ein Gewinn.

          Volljuristen sind all diejenigen, die erfolgreich das zweite Staatsexamen abgelegt haben. Die Juristenausbildung in diesem Format ist, trotz verschiedener Reformen, weiter schwerpunktmäßig auf den Richterberuf ausgerichtet. Der Volljurist verkörpert gleichwohl ein generalistisches Ausbildungskonzept und ist damit – zumindest in der Theorie – für alle juristischen Berufe qualifiziert.

          Der Arbeitsmarkt der Juristen sieht sich jedoch wie so viele Berufszweige mit einem Fachkräftemangel konfrontiert. Mit dem Eintritt der geburtenstarken Jahrgänge in den Ruhestand wird sich das Problem weiter verstärken. Der Bachelor kann helfen, die Fachkräftelücke zu schließen. Außerdem könnte damit auf die weiter voranschreitende Diversifizierung der einzelnen Leistungen und Anforderungen in der Rechtsberatungspraxis reagiert werden.

          Die Kritiker, die auf die geringere Qualität einer kürzeren Juristenausbildung verweisen, übersehen häufig, dass auf dem weiten Feld juristischer Tätigkeiten nicht überall die Kenntnisse des zweiten Staatsexamens zwingend notwendig sind. Der mangelnde Praxisbezug der aktuellen Ausbildung ist ein Einfallstor für berechtigte Kritik und vielen, die selbst den klassischen Weg beschritten haben, noch gut in Erinnerung.

          Praxisnahe Bedürfnisse

          Im Berufsalltag kommt es auf immer spezialisiertere Fähigkeiten und Kenntnisse an, die mit entsprechend spezialisierten (Bachelor-)Abschlüssen zielgerichtet adressiert werden können. Der Generalist hat seine Berechtigung, sollte aber nicht idealisiert werden. Mit dem Bachelor of Law als (zusätzliche) Qualifikation kann auf besondere Bedürfnisse des Arbeitsmarkts reagiert werden. Dabei ist vor allem an Aufgaben in den Bereichen Beteiligungsmanagement, Datenschutz, Markenverwaltung oder die rechtlichen Hausaufgaben im Unternehmen (Corporate Housekeeping) zu denken.

          Mit dem Bachelor kommen alternative Profile neben dem Volljuristen im Berufsalltag an. So stellt sich die Frage, warum Juristen, die nicht in einem klassischen Juristenberuf tätig werden wollen, überhaupt ein zweites Staatsexamen benötigen. Der Bachelor ermöglicht die Realisierung individueller Interessen und Fähigkeiten in rechtsnahen Bereichen, insbesondere in neuen Aufgabenfeldern, etwa Legal-Tech. Mit dem Jura-Bachelor kann man zwar nicht die klassischen juristischen Berufe wie Richter, Staatsanwalt und Anwalt ergreifen. Dennoch bietet ein solcher Abschluss eine Vielzahl an Möglichkeiten, vor allem an der Schnittstelle zwischen Recht und Wirtschaft.

          Sicherlich kann es passieren, dass potentielle Arbeitgeber kritisch nachfragen, was denn der Bewerber mit dem Jura-Bachelor zu bieten habe – ob er denn überhaupt ein „richtiger“ Jurist sei. Aber gerade in den Großkanzleien, aber auch den Verbänden findet ein Umdenken statt: Gesucht werden nicht zwangsläufig Einsteiger mit Anwaltszulassung, sondern auch talentierte Juristen, die sich etwa mit empirischen Methoden oder der Anwendung ökonomischer Analysen und Bewertungen auskennen.

          Die Autoren sind Rechtsanwälte bei Rödl & Partner.

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