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Demokratie in Unternehmen : Alle Macht den Mitarbeitern?

  • -Aktualisiert am

Demokratie in Unternehmen: Wenn das mal keine falschen Erwartungen weckt. Bild: dpa

Hierarchien abschaffen, den Chef wählen, über alles abstimmen: Manche Unternehmen wagen besonders viel Demokratie. Wenn das mal keine falschen Erwartungen weckt.

          7 Min.

          Auf den ersten Blick klingen die Arbeitsbedingungen des IT-Unternehmens Praemandatum in Hannover paradiesisch: Die Mitarbeiter entscheiden selbst, wann sie kommen und gehen. Sie bestimmen, wie viel Urlaub sie sich gönnen. Sie wählen ihre Führungskräfte. Strategische Entscheidungen treffen nicht die Chefs, sondern sie fallen per Mehrheitsbeschluss. Wie genau – das bestimmt eine ausführliche Satzung, die nur mit der Zweidrittelmehrheit aller Mitarbeiter geändert werden darf.

          Nadine Bös

          Redakteurin in der Wirtschaft, zuständig für „Beruf und Chance“.

          Der 41 Jahre alte Gründer und Geschäftsführer Peter Leppelt findet all das mit Blick auf den Zweck seines Unternehmens nur konsequent: Praemandatum ist eine Beratung für Datenschutz und Privatsphäre und bietet Unternehmen entsprechende Softwarelösungen an. „Was wir tun, hat entscheidend mit persönlicher Freiheit zu tun“, sagt Leppelt. „Ich wollte meinen Mitarbeitern und Kunden nicht ständig von Freiheit erzählen und gleichzeitig im eigenen Betrieb eine Diktatur errichten.“ Auf diese Art schafft er, was vielen IT-Unternehmen oder IT-Abteilungen nur schwerlich gelingt: „Wir zahlen bei weitem nicht die Gehälter, die sich in großen Konzernen erzielen lassen, aber wir haben kein Problem damit, genügend Fachkräfte für uns zu gewinnen. Unser System ist sehr Nerd-konform.“

          Weil es derzeit in vielen Bereichen an Fachkräften und insbesondere an innovativem Personal mangelt, ist Leppelt mittlerweile ein gern gesehener Berater über die IT-Branche hinaus. Und längst nicht mehr nur in IT-Fragen: Auf einmal ist er auch gefragt, wenn es um Personalthemen geht. Im vergangenen Jahr referierte er etwa beim Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation während einer Veranstaltung zu Führung in Zeiten der Digitalisierung. „Wir haben auch immer wieder Führungskräfte hier zu Gast, die sich erkundigen, wie wir arbeiten“, erzählt Leppelt. Er habe beispielsweise schon die Sparkasse Hannover in diesen Fragen beraten und sogar einen Dax-30-Konzern.

          Mitarbeiterbindung durch „Purpose“

          Dahinter steht die Idee, dass die Gewinnung und Sicherung von Fachkräften demjenigen besser gelingen könnte, der bieten kann, was sich viele Arbeitnehmer heute wünschen: Eigenverantwortlichkeit und einen „tieferen Sinn“ dessen, was sie tun. „Purpose“ nennt sich das im Management-Jargon. Der Gedanke dahinter: Dass Arbeitnehmer den „Purpose“ ihres Schaffens erkennen, sei in einer Zeit, in der Arbeit und Freizeit aufgrund des digitalen Fortschritts zunehmend verschwimmen, besonders wichtig. Demokratische Strukturen in Unternehmen einzubringen gilt als ein Weg dorthin. Das könne unterschiedlich aussehen, sagt Andreas Zeuch, Unternehmensberater und Autor. „Häufig gibt es eine Verwechslung: Demokratie im Unternehmen bedeutet nicht zwangsläufig Basisdemokratie. Nicht alle sollen alles entscheiden.“

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