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Demographischer Wandel : Suche Rentner, biete Führungsrolle

Arbeit statt Rente Bild: Gordon Hölsken - Fotolia

Viele Unternehmen trennen sich von Mitarbeitern jenseits der Fünfzig. Doch die Personalpolitik der Zukunft sieht anders aus: Junge Mitarbeiter werden knapp, Fach- und Führungskräfte mit Erfahrung umso wichtiger.

          5 Min.

          In Ludwigshafen hat die Zukunft bereits begonnen. Und sie sieht alt aus. Sie sieht aus wie Dieter Ringer. Thomas Köhler setzt große Hoffnungen in den 64 Jahre alten gebürtigen Berliner: Es geht darum, die Software-Schmiede SHE außerhalb des Rhein-Neckar-Gebietes bekannt zu machen. Und dabei spielt ausgerechnet der Rentner Ringer die entscheidende Rolle. Dem auf IT-Sicherheit spezialisierten Unternehmen mit seinen 85 Mitarbeitern ist sein angestammtes Umfeld zu klein geworden, mehr Wachstum erhofft sich die Geschäftsführung durch neue Niederlassungen in Köln und München.

          Sven Astheimer
          Verantwortlicher Redakteur für die Unternehmensberichterstattung.

          Schnell stand Köhler aber vor einem für Mittelständler typischen Problem: "Wir haben zwar viele IT-Experten, aber keiner wußte, wie man neue Märkte erschließt." Die Vorbehalte gegen klassische Unternehmensberater waren groß. Der Hinweis, sich doch einmal unter Ruheständlern mit ausreichend Erfahrung umzuschauen, kam ausgerechnet aus den Reihen des Bundesverbandes Junger Unternehmer. Köhler wandte sich an "Erfahrung Deutschland" - eine Plattform im Internet, auf der Fach- und Führungskräfte von gestern den Unternehmern von heute ihre Dienste anbieten.

          „Irgendwann waren alle Länder bereist“

          Das Profil von Dieter Ringer überzeugte Köhler. Der gelernte Groß- und Außenhandelskaufmann kommt aus der Werbebranche, verwaltete als Gesellschafter einer renommierten Agentur unter anderem den 130 Millionen Euro schweren Deutschland-Etat der Schnellimbiß-Kette McDonalds. Als vor zwei Jahren die Gesprächspartner auf seiten der Amerikaner merklich jünger wurden, nahm auch Ringer seinen Hut. Am Anfang habe er den Ruhestand genossen, erinnert er sich.

          Lange aufgeschobene Reisen nach Brasilien, Vietnam und Spanien wurden endlich angetreten. "Aber irgendwann waren alle Länder bereist und die 20 Bücher gelesen, die sich angesammelt hatten." Gleichzeitig bestanden noch Kontakte zu vielen ehemaligen Geschäftspartnern. "Dann hört man von Problemen und macht sich so seine Gedanken", sagt Ringer. Es juckte wieder in den Fingern, und so reifte beim Rentner im niederbayerischen Oberhaching der Entschluß zum Comeback.

          Einstampfen, neu machen!

          Ringer nahm Kontakt zu Erfahrung Deutschland auf und saß kurze Zeit später zum ersten Mal mit Köhler an einem Tisch. Dessen anfängliche Zweifel waren spätestens nach einer routinierten Kostprobe Ringers verflogen. "Alles viel zu technisch, um einen Unternehmer anzusprechen", so das vernichtende Urteil über die Info-Broschüren des Software-Hauses. Einstampfen, neu machen! Köhler war beeindruckt: "Dem hat man den Spaß richtig angemerkt."

          Ringer wird nun eine Strategie für den Marktauftritt in München entwerfen. Köhler hält seinen neuen Berater für "ein Kaliber, an das ich sonst nie rangekommen wäre". Damit spielt er auf die rund 2000 Euro Tagessatz an, die Unternehmensberater von ihm verlangt haben. Das Honorar, das er mit Ringer ausgehandelt habe, liege "sehr deutlich" darunter.

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