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Duzen oder Siezen? : Du, Herr Schmitt!

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Duzen oder Siezen? Bei der Suche nach passenden Bewerbern sind sich viele Unternehmen da nicht mehr sicher. Bild: dpa

Berufserfahrene werden geduzt, Schüler gesiezt – so handhaben es zum Beispiel Lufthansa oder Volkswagen. Denn bei der Ansprache von Bewerben im Netz sind selbst große Unternehmen unsicher: Du oder Sie?

          2 Min.

          Online- und Social-Media-Kommunikation werden für Unternehmen immer wichtiger. Doch bei der Ansprache von Bewerbern beweisen viele große Unsicherheit. Das ist das Ergebnis einer Analyse rund um die Themen Karriere und Bewerbung der 30  Dax-Konzerne, durchgeführt von der Kommunikationsagentur „Wortwahl“. Für ihre Analyse hat sie die Karriere- und Bewerbungsbereiche der Webseiten aller Dax-Konzerne sowie deren Social-Media-Kanäle auf Facebook, Twitter und Instagram hinsichtlich der Bewerberansprache von Mai 2017 bis März 2018 durchforstet.

          Dabei wurde ein besonderes Augenmerk darauf gelegt, wie die Konzerne fünf verschiedene Altersstufen ansprechen: Schüler, Auszubildende, Studierende, Berufseinsteiger und Berufserfahrene. „Lufthansa, VW oder Deutsche Telekom etwa siezen auf ihrer Webseite Schüler, duzen aber auf ihren Social-Media-Kanälen wie Facebook, Twitter oder Instagram Berufserfahrene“, so Murtaza Akbar, Leiter von „Wortwahl“ und Dozent im Studiengang Onlinekommunikation an der Hochschule Darmstadt.

          Der Versicherungskonzern Allianz wiederum siezt alle Bewerber auf seiner Webseite, duzt aber auf seinen Social-Media-Auftritten. Ein weiteres ganz konkretes Beispiel: „Gewinnen Sie einen Eindruck – mit einem Schülerpraktikum bei Volkswagen“, schreibt etwa VW auf seiner Webseite und siezt damit Schüler. Auf seinem Facebook-Kanal schreibt VW dagegen: „Du bist ein echtes Verkaufstalent? Dann bewirb Dich als Key Account Manager/in International bei Volkswagen“.

          Ein Pauschalrezept gibt es nicht

          Das sei jedoch eben kein Einzelfall, sondern komme bei vielen Dax-Konzernen vor, betont Akbar. „Es zeigt, dass der Kanal den Konzernen wichtiger ist als die Menschen, sonst würden sie besser bei der Ansprache unterscheiden und nicht alle über einen Kamm scheren.“ Zudem bemängelt er eine fehlende Sensibilität mit Blick auf das Alter der Bewerber. „Es reicht von 15 Jahren bis zu 50 plus. Da liegt es doch auf der Hand, die Menschen unterschiedlich anzusprechen“, rät Akbar.

          Eine solch individuelle Strategie bei der Bewerberansprache sei bei vielen der untersuchten Dax-Konzerne hingegen derzeit nicht zu erkennen. „Jedes Unternehmen will authentisch kommunizieren, doch die wenigsten sind wirklich ‚echt‘ in ihrer Kommunikation“, so Akbar. Sie sollten sich die Frage stellen, wie sie innerhalb des Unternehmens wirklich kommunizieren oder wie sie Bewerber in Vorstellungsgesprächen ansprechen.

          Akbar ist klar, dass Unternehmen vor großen Herausforderungen stehen: Sie müssen den Spagat zwischen Online-, Social-Media-, internationaler und deutscher Kommunikation schaffen sowie eine individuelle und authentische Bewerberansprache herausarbeiten. Zudem dürfe das ‚Gender‘-Thema nicht außer Acht gelassen werden.

          Eine pauschales Rezept hält der Kommunikationsberater jedoch für falsch. „Jedes Unternehmen ist anders, einzigartig.“ Es sei zwar aufwendig und anstrengend, sich mit der Ansprache von Bewerbern und Kunden auf den einzelnen Kommunikationskanälen auseinanderzusetzen, könne allerdings auch Wettbewerbsvorteile bringen. „Glaubwürdigkeit ist ein wichtiger Wert für Menschen – und zwar aller Altersgruppen.“

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