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Beruf und Familie : Das Leid der Eltern in der Corona-Krise

Kochen, arbeiten, Kinder versorgen - Mütter und der Mental-Load Bild: dpa

Erwerbstätige Eltern sind die großen Verlierer der Corona-Krise. Das zeigen neue Zahlen. Deren Fazit zur Frage, ob Mütter-Rollen wieder traditioneller werden, fällt aber gemischt aus.

          2 Min.

          Erwerbstätige Eltern in Deutschland erleben ihre derzeitige Situation in der Corona-Krise häufiger als belastend als Kinderlose. Das ist das Ergebnis einer Online-Befragung der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung unter mehr als 7600 Beschäftigten, die mit Blick auf Alter, Geschlecht, Bildung und Bundesland repräsentativ ausgewählt wurden.

          Nadine Bös

          Redakteurin in der Wirtschaft, zuständig für „Beruf und Chance“.

          48 Prozent der Eltern in Paarbeziehungen und mit mindestens einem Kind unter 14 Jahren erleben ihre Lage demnach als „äußerst“ oder „sehr“ belastend. Unter Alleinerziehenden sind es sogar fast 52 Prozent, unter Kinderlosen nur 39 Prozent.

          Einen Rückfall in traditionelle Rollenbilder durch die Krise konnte die Befragung allerdings nur teilweise bestätigen. So übernahm vor Corona in nur 6 Prozent der Fälle der Mann die Haupt-Sorgearbeit in der Familie. Seit die Pandemie sich ausgebreitet hat, hat sich dieser Anteil auf 12 Prozent verdoppelt; es haben also deutlich mehr Männer in Haushalt und Erziehung die Regie übernommen. Das könnte möglicherweise auch damit zu tun haben, dass Frauen in systemrelevanten Berufen, wie etwa Pflegerinnen, auch während des Lockdowns ihr zu Hause verlassen und arbeiten gehen mussten.

          Allerdings haben in Haushalten mit Kindern 27 Prozent der Frauen, aber nur 16 Prozent der Männer ihre Arbeitszeit reduziert. Und in etlichen Fällen, in denen sich Vater und Mutter zuvor Erwerbs- und Sorgearbeit fair teilten, wurden diese Arrangements in der Corona-Krise aufgekündigt: 60 Prozent der Paare hielten zwar daran fest, 30 Prozent benannten aber die Frau als Hauptzuständige für Haushalt und Kinder. In zehn Prozent der Fälle übernahm diese Rolle der Mann.

          Zuvor hatten auch schon andere Studien und Befragungen darauf hingedeutet, dass durch die Corona-Krise in Familien eine Retraditionalisierung stattfinden könnte. So war das Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WZB) in seiner Corona-Studie zu dem Ergebnis gekommen, dass Mütter im Vergleich zu Vätern eine um 6 Prozentpunkte geringere Wahrscheinlichkeit haben, weiterhin im üblichen Stundenumfang zu arbeiten und eine um 4 Prozentpunkte höhere Wahrscheinlichkeit, gar nicht mehr zu arbeiten.

          Obwohl beide Studien darauf hindeuten, dass vor allem Frauen aus nicht-akademischen Haushalten von einem teilweisen Rückfall in alte Rollenbilder betroffen sein dürften – auch unter sehr hoch Qualifizierten schimmert dieser Trend durch, so mehren sich die Hinweise darauf, dass in vielen Forschungsdisziplinen seit Beginn der Corona-Krise weniger Arbeiten von Wissenschaftlerinnen veröffentlicht werden. Das „British Journal for the Philosophy of Science“ etwa verzeichnete in den vergangenen Monaten eine „zu vernachlässigende Zahl“ an Einreichungen von Frauen.

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