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Aushelfen im Gesundheitsamt : Im Nu Corona-Spezialistin

Lisa Ehret, rechts dahinter der Landrat Matthias Neth sowie Ziehl-Abegg-Chef Peter Fenkl (links). Bild: Ziehl Abegg

Lisa Ehret arbeitet eigentlich als duale Studentin beim Familienunternehmen Ziehl-Abeg. Jetzt ist sie im Sondereinsatz für das örtliche Gesundheitsamt.

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          Darf man in diesen Zeiten mit der Arbeitskollegin noch eine Fahrgemeinschaft bilden? Unter welchen Umständen darf der Chef verlangen, dass man trotz Quarantäne im Homeoffice weiter arbeitet? Vor zehn Tagen hätte Lisa Ehret solche Fragen nicht beantworten können, aber inzwischen kann sie Hinweise geben. Die 21 Jahre alte Studentin hat eine steile Lernkurve gehabt für ihre aktuelle Arbeit.

          Susanne Preuß

          Wirtschaftskorrespondentin in Stuttgart.

          Vorigen Montag hat sie in der Corona-Hotline des Gesundheitsamtes im Hohenlohekreis angefangen, und weil da unendlich viele Detailfragen zum Thema auftauchen, musste sie ruckzuck zur Spezialistin werden. Zuhören bei anderen Telefonaten und Verordnungen lesen – so lautete das Programm am ersten Tag, am zweiten Tag schon war Ehret persönlich an der Hotline, um Fragen zu beantworten.

          Das ist kein Ferienjob und keine Nebenbeschäftigung. Lisa Ehret steht eigentlich als duale Studentin in Diensten des Familienunternehmens Ziehl-Abegg, eines Spezialisten für Luft- und Regeltechnik. Dort hat man angesichts täglich steigender Fallzahlen und erkennbarer Engpässe in den Gesundheitsämtern die Idee gehabt, man könnte mit Personal aushelfen. Schnelle Auffassungsgabe und starke kommunikative Fähigkeiten nannte der zuständige Landrat Matthias Neth als wichtigste Auswahlkriterien. Jetzt sind außer Lisa Ehret noch zwei weitere Studierende, Isabel Joos und Marcel Nohe, in diesem Sondereinsatz.

          Im Dickicht schnell wechselnder Corona-Regeln

          Eigentlich absolvieren sie bei Ziehl-Abegg gerade eine Praxisphase ihres dualen Studiums. Die Praxis am Telefon des Gesundheitsamts aber bringt die Berufsanfänger auch weiter, wie Ehret beschreibt. Telefonieren war nämlich bisher keineswegs ihre Leidenschaft: „Ich bin in der Controlling-Abteilung, und da ist man schon viel im Austausch mit Kollegen“, beschreibt sie ihre normale Arbeit, „aber ich hab das meiste per E-Mail erledigt.“ Vor Telefonaten sei sie eher zurückgeschreckt, auch aus Furcht, die eine oder andere Rückfrage nicht beantworten zu können.

          „Das muss ich mit den Kollegen klären“, kommt ihr jetzt aber schon souverän von den Lippen, denn im Dickicht schnell wechselnder Corona-Regeln kommt es ständig vor, dass sie etwas nicht genau weiß. Die Sache mit der Fahrgemeinschaft zum Beispiel ist keineswegs trivial: Die Arbeitskollegin muss nämlich nicht zwingend in Quarantäne, falls beide Passagiere während der gesamten Fahrt einen Mund-Nasen-Schutz getragen haben, wie Ehret in Erfahrung gebracht hat.

          Apropos Maske: im Gesundheitsamt tragen alle während der gesamten Arbeitszeit eine FFP2-Maske, auch während der Telefonate. Das Atmen sei schon etwas schwieriger unter den Umständen, sagt Ehret, aber sie habe gelernt, damit zurechtzukommen. Und: Alle 75 Minuten gibt es eine Pause, ein paar Minuten tiefes Durchatmen an der frischen Luft.

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