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Psychologin zum Thema Coaching : „Manager können Erfolge steigern wie Profisportler“

Coaching: Führungsarbeit für Führungskräfte Bild: Getty

Im Management steigen die Anforderungen, dafür schwindet die Empathie. Führungskräfte holen sich deshalb immer häufiger Rat von einem Coach. Eine Psychologin erklärt, ob das wirklich etwas bringt.

          5 Min.

          Es gehört unter Managern fast schon zu gutem Ton, sich coachen zu lassen. Die Psychologin und Führungskräftetrainerin Felicitas von Elverfeldt über die Fragen, mit denen Klienten zu ihr kommen und warum Coaching kein Allheilmittel ist.

          Ursula Kals

          Redakteurin in der Wirtschaft, zuständig für „Jugend schreibt“.

          Frau von Elverfeldt, warum lassen sich immer mehr Führungskräfte coachen?

          Die jährlichen Zuwachsraten sind im zweistelligen Bereich. Nach Umfragen soll die Verbreitung in den nächsten Jahren weiter steigen. Die Komplexität, Geschwindigkeit, Wettbewerbsorientierung und gefühlte Unberechenbarkeit im Beruf haben deutlich zugenommen. Manager sind durch digitale Medien und internationale Tätigkeit in unterschiedlichen Zeitzonen ständig erreichbar. Der Wettbewerb hat zugenommen durch die weltweite Vergleichbarkeit und Transparenz über das Internet. Früher war man vielleicht der Beste in seiner Region. Heute ist man im Vergleich mit der ganzen Welt. Das führt in Kombination mit der zunehmenden Komplexität zu höherer Unsicherheit und gefühlter Überforderung, die sich in Stressreaktionen bemerkbar macht. Führungskräfte stehen vor großen Anforderungen in sich ständig wandelndem Umfeld und nutzen daher verstärkt einen Coach als Sparringspartner, dem sie vertrauen können.

          Was brauchen Manager, um beruflich gesund zu bleiben?

          Dazu braucht es drei Dinge. Erstens Verstehbarkeit, das heißt ich verstehe, wie sich meine Entscheidungen auf das Ergebnis und die Ziele auswirken. Zweitens Gestaltbarkeit, ich kann gestalten und habe genügend Freiräume und verstehe auch, was ich mit welchen Entscheidungen bewirke. Und drittens geht es um Sinnhaftigkeit, das heißt, ich erkenne einen Sinn in meiner Tätigkeit.

          Sie sagen, die soziale Isolation nimmt zu. Führungskräfte haben immer weniger Menschen, denen sie vertrauen. Woran liegt das?

          Der Zeiteinsatz für den Beruf hat deutlich zugenommen. Zugleich aber haben die soziale Kompetenz und Empathie abgenommen. Das liegt daran, dass Menschen nicht mehr in Großfamilien, sondern allein oder in wechselnden Partnerschaften leben. Weiterhin wird durch den Kontakt über soziale Medien der persönliche Kontakt reduziert, so dass empathisches Verhalten erschwert beziehungsweise verlernt wird. Es gibt kaum noch Möglichkeiten, um zu erfühlen, was wirklich gut tut. Wenn Apps und digitale Medien mir sagen, was mein Körper braucht, verlerne ich es, auf meinen Körper und meine Gefühle zu hören. Empathie und Intuition können aber nicht durch Algorithmen, Apps oder Formatvorlagen ersetzt werden. Für gute Entscheidungen sind meist sowohl der Verstand als auch das eigene Gefühl und die Intuition nötig.

          Geht es nicht auch um die elementare Frage nach dem Sinn?

          Ganz wesentlich. Vielen Menschen fehlt der Sinn und damit eine wesentliche Kraftquelle. Das liegt daran, dass Glaube, Werte, Zeit für Muße, Reflexion und Besinnung deutlich abgenommen haben.

          Und Coaching kann da helfen?

          Im Laufe eines Coaching-Prozesses wird der Klient durch das Erkennen des vollen eigenen Potentials zur besten Version seiner selbst, es geht um die Aufgabe, „der Beste, der man sein kann“ zu werden. Der Klient wird nicht zu einem anderen Menschen, sondern mehr zu dem, der er in Wahrheit ist und von seinem Potential her sein kann. Ich unterstütze ihn darin, zukünftige Aufgaben auf die beste und effizienteste Weise zu lösen.

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