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Psychologin zum Thema Coaching : „Manager können Erfolge steigern wie Profisportler“

Felicitas von Elverfeldt aus Frankfurt macht Führungskräfte für den Alltag fit.
Felicitas von Elverfeldt aus Frankfurt macht Führungskräfte für den Alltag fit. : Bild: Valery Kloubert

Durch unterschiedliche Interessen, Werte und Persönlichkeiten kommt es in Unternehmen leicht zu Konflikten. Dabei geht es um unterschiedliche Interessen, Macht, Verteidigung des eigenen Reviers oder Ärger über Verhaltensweisen von Mitarbeitern, Kollegen oder Vorgesetzten. Diese Konflikte zeigen sich vor allem in einem negativen Feedback, von dem Klienten berichten. Ihnen wird gesagt, sie seien zu dominant, reagierten zu undiplomatisch oder machen ihre Arbeit ineffizient. Anderen wird vorgeworfen, sie seien rein fachlich fokussiert. Immer wieder geht es auch darum, dass sich jemand nicht gut genug verkaufen kann, nicht so gut frei sprechen und präsentieren kann.

Was raten Sie den Kunden über das Individuelle hinaus?

Es gibt in der Arbeitswelt drei zentrale Missverständnisse: Erstens schließen viele von sich auf andere. Sie leiten daraus ab, dass andere Menschen genauso behandelt werden wollen wie sie selbst. Es gilt aber: „Der Köder sollte dem Fisch schmecken und nicht dem Angler.“ Zweitens schließen die meisten zudem von den Erfolgsfaktoren der Vergangenheit auf Gegenwart und Zukunft - damit fühlen sie sich sicher. Dennoch ist es wichtig, regelmäßig zu überprüfen, ob die bisherigen Erfolgsfaktoren adäquat sind. In der Wirtschaft ist es wie in der Evolution: Wer sich am besten an die neuen Anforderungen anpasst, überlebt. Und drittens: Viele Klienten sind sehr engagiert, und es fehlt der nötige Abstand. Daher ist es wichtig, einmal aus dem Aquarium auszusteigen und die Fische von außen zu betrachten. So lässt sich leichter einschätzen, welche Fische in der Zukunft tatsächlich wichtig sind.

Was kann Coaching, was kann es nicht?

Coaching ist kein Allheilmittel und keine Allzweckwaffe. Sie können aus einem Apfelbaum keinen Pflaumenbaum machen. Aber sie können den Klienten darin unterstützen, der beste Apfelbaum zu werden, der er sein kann. Letztlich kann ich als Coach nur Anstöße geben, Muster aufdecken, neue Sichtweisen anregen und meine Erfahrung einbringen. Die Lektion umsetzen muss immer der Kunde. Entscheidend ist, ob die Führungskraft bereit ist, ihr Handeln kritisch zu reflektieren.

Wie wird sich das Coaching in den nächsten Jahren entwickeln?

Coaching hatte zu Beginn meiner Tätigkeit vor zwanzig Jahren noch das Image von nachsitzen oder Defizite bearbeiten. Darüber wurde meist hinter vorgehaltener Hand gesprochen, da die Klienten sich durch negatives Feedback schlecht fühlten. Mittlerweile wird Management-Coaching vorwiegend für Potentialkandidaten der oberen Führungsebenen genutzt. So wie auch fast jeder Profisportler einen Coach hat, um in einer mental optimalen Verfassung zu sein und höchste Anforderungen zu meistern, nutzen die meisten Top-Manager mittlerweile Coaching zur Erfolgssteigerung. Mittlerweile verzichtet kein Dax-30-Unternehmen mehr auf Coaching.

Die meisten Konzerne haben in ihren Personalabteilungen Ansprechpartner mit einer Coaching-Ausbildung. Wie sieht das in kleineren Unternehmen aus?

Die sind interessiert. Coaching wird zunehmend von kleinen und mittelständischen Unternehmen, öffentlichen Behörden, Bildungsträgern, Krankenhäusern, Schulen und Universitäten nachgefragt

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