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Psychologin zum Thema Coaching : „Manager können Erfolge steigern wie Profisportler“

Lassen sich denn erfolgsverwöhnte Menschen, die möglicherweise nur dem Vorstand berichten, tatsächlich von einem Außenstehenden etwas sagen?

Je höher die Hierarchieebene des Klienten ist, umso wichtiger ist es, dass der Coach sehr klar in Führung geht, ohne dabei den Respekt, das heißt Begegnung auf Augenhöhe, zu verlieren. Die oberen Führungsebenen erwarten vom Coach ein besonderes Maß an Klarheit, Sicherheit, rascher Auffassungsgabe, analytischen Fähigkeiten sowie Erfahrung im Coaching wie auch in der Welt des Klienten. Ohne gute Menschenkenntnis funktioniert das nicht, denn es gibt im Coaching keine Formatvorlagen.

Wie läuft Coaching ab? Bitte schildern Sie uns einen Coaching-Prozess.

Jeder Kunde bekommt ein unverbindliches einstündiges Vorgespräch zum gegenseitigen Kennenlernen und um die Ziele sowie das Vorgehen zu besprechen. Jeder seriöse Coach sollte dies anbieten. Termine dauern in der Regel zwei, drei Stunden und finden etwa alle drei bis vier Wochen statt. Zunächst werden die Ziele und Erfolgskriterien mit dem Kunden oder gemeinsam mit dessen Vorgesetzten vereinbart. Das wird am Ende überprüft. Bei den Sitzungen wird anhand von Fallbeispielen aus dem aktuellen Berufsalltag des Kunden an den Zielen gearbeitet.

Das hört sich sehr theoretisch an. Das heißt also, sie stellen viele Fragen.

Ja, der Coach fungiert als neutraler Sparringspartner, Feedbackgeber, bei Bedarf Berater und vermittelt häufig durch seine Fragen eine andere Sichtweise, die dem Kunden hilft, seine Potentiale bestmöglich zu nutzen. Die Gespräche finden persönlich statt und nur bei Bedarf per Telefon oder selten per Mail. Die oberen Führungskräfte suchen in der Regel einen Gesprächspartner, mit dem sie die Themen besprechen wollen, die sie gerade beschäftigen. Die Manager der Ebenen darunter haben meist konkrete Ziele, an denen sie arbeiten möchten. Dazu sind sechs bis neun Gespräche üblich. Bei etwa 80 Prozent meiner Kunden wird das Coaching vom Unternehmen gezahlt.

Mit welchen konkreten Fragen kommen Führungskräfte zu Ihnen?

Es geht um Standortbestimmung, Karriereplanung, Kenntnis und gezielte Nutzung der eigenen Potentiale, sich besser verkaufen und positionieren. Viele möchten sich auf neue Herausforderungen vorbereiten und ihre Führungskompetenz stärken. Es geht um Umgang mit Veränderungen und Konflikten, um die Spielregeln im Top-Management, den Umgang mit Macht und Politik. Natürlich geht es immer auch um das große Thema der Work-Life-Balance.

Welche Ziele vereinbaren Sie?

Beispiele sind: Ich möchte lernen, zielgruppenadäquater zu kommunizieren. Ich möchte gelassener reagieren, mich weniger getrieben fühlen. Ich möchte an meinem Selbstmanagement arbeiten, mich besser abgrenzen können und nein sagen.Ich möchte herausfinden, wo ich besser werden kann und wo es ungenutzte Potentiale gibt. Ich möchte mir klar darüber werden, wohin ich mich beruflich zukünftig entwickeln möchte. Die Kunst des Coachings besteht auch darin, sicherzustellen, dass der Klient bei neuen Aufgaben, die ihm vielleicht Angst machen, eine treibende Kraft bleibt und dabei in sich seinen ruhenden Pol findet.

Welche Rolle spielen Konflikte am Arbeitsplatz?

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