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Expats : Ende des chinesischen Traums

Horrorvision: Die komplette Überwachung per TV-Kamera, wie hier in Schanghais Finanzzentrum Pudong, wirkt für viele Expats abschreckend. Bild: Reuters

Die Zukunft, so heißt es, entsteht in China. Trotzdem wollen immer weniger Expats dort arbeiten. Überwachung, Smog, teure Lebenshaltungskosten – und nun sollen auch noch die letzten freien Zugangsmöglichkeiten zum Internet wegfallen.

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          Wenige Wochen könnte es noch dauern, vielleicht nur Tage: Bis für die in China lebenden Ausländer das Internet, wie sie es kannten, nicht mehr erreichbar ist. Die Regierung in Peking hat Berichten zufolge ihre Telekom-Anbieter angewiesen, alle VPN-Programme auf Smartphones und Heimrechnern zu blockieren, mit denen sich die Sperren von Google, Youtube, Twitter, Facebook, Whatsapp und schier unzähligen weiteren Internetangeboten umgehen lassen.

          Hendrik Ankenbrand
          Wirtschaftskorrespondent für China mit Sitz in Schanghai.

          Ein Leben in Chinas Smog ohne Internet, durch das sich Jugendliche in Deutschland drei Stunden am Tag klicken? „Das machen meine Kinder nicht mit“, sagt ein deutscher Werksleiter von Volkswagen, Jahreseinkommen mit Auslandszulagen: rund 300.000 Euro. Luxuswohnung, Fahrer und Heimflüge nach Deutschland halfen bislang zwar, die Fremde im Pekinger Betondschungel zu verkraften. „Doch wenn das VPN-Verbot kommt, sind wir weg“, sagt er.

          Ausgerechnet in China, dessen Führung der Welt erfolgreich eingeredet hat, hier entstehe die Zukunft, endet eine Liebe. Unter vielen der 15 000 Deutschen in der Volksrepublik gibt es derzeit nur ein Thema: Ist es Zeit, das Land zu verlassen? Die als „Expats“ von ihren Arbeitgebern Entsendeten und die Selbständigen – sie alle wurden einst von deutschlandbegeisterten Chinesen hofiert. Nun fühlen sie sich nicht mehr wohl im Reich der Mitte.

          Abgestürzt im Expat-Ranking

          Mit ihrem Unbehagen sind die Deutschen nicht allein. In einer Umfrage der britischen Großbank HSBC unter 28.000 Expats aus 160 Ländern ist China in der Attraktivität als Expat-Standort vom dritten Platz 2014 (von insgesamt 34 Ländern) auf den 41. Platz im vergangenen Jahr (von insgesamt 46 Ländern) gefallen. Nur Kuweit, Brasilien, Argentinien, Peru und Ägypten sind noch unbeliebter.

          Zu einem ähnlich tristen Ergebnis kommt die Umfrage der Expat-Netzwerks Internations, das zur deutschen Karriereplattform Xing gehört. 2014 landete China in der Rangliste noch im Mittelfeld auf dem 38. von 61 Plätzen. 2017 sackte das Land auf den 55. von 65 Rängen ab.

          Chinas Unbeliebtheit erstaunt angesichts der täglichen Erfolgsmeldungen aus der digitalen Volksrepublik. Loben nicht China-Reisende, dass hier alles, bis zur Wohnungsmiete, mit dem Smartphone bezahlt werden kann? Eingekauft wird in China fast nur noch im Internet; die Lieferung erfolgt oft am selben Tag. Kaum ein Morgen, an dem das Land nicht die nächste Weltrevolution ausruft: Hochgeschwindigkeitszüge, Elektroautos, Roboterfabriken – alles will China selbst bauen. Und vor allem besser. Künstliche Intelligenz und riesige Datenmengen sollen die zweitgrößte Wirtschaft zur Weltherrschaft führen.

          „Das Gefühl, nicht mehr willkommen zu sein, hat zugenommen“

          Doch bleibt bei diesem Feldzug noch Platz für die Ausländer? Der Liebesentzug, den Deutsche in China spüren, beginnt bei ihren deutschen Arbeitgebern. „Das Gefühl, nicht mehr willkommen zu sein, hat zugenommen“, sagt Lothar Herrmann, Präsident der Deutschen Auslandshandelskammer in Peking und Siemens-Statthalter, über die Enttäuschung deutscher Unternehmen, die sich benachteiligt fühlen von Pekings Politik. In Schanghai droht die deutsche Kammer gar mit dem Abzug des Geschäfts, nachdem sich deutsche Konzerne beklagt haben, die Kommunistische Partei wolle in den Vorstandsetagen mitbestimmen.

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