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Castingshow für Unternehmer : Gut gegründet, Löwe?

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Zwei Jahre Entwicklungszeit geschenkt

Die Zuschauer bekommen von diesen Verhandlungen allerdings nur einen Bruchteil mit. Für die Sendung wurden die Diskussionen auf wenige Minuten zusammengeschnitten. Ein Großteil der Show wurde schon im Februar gedreht. Bei „Crispy Wallet“ entsteht an diesem Tag ein Teil der letzten Folge. Sie soll Einblick in die Entwicklung der Unternehmen bieten, die in der Show erfolgreich waren. Die Vermutung liegt nahe, dass man damit den Negativschlagzeilen der letzten Wochen begegnen will. Bei Vox heißt es aber, die ungeplante Fortsetzung sei lediglich auf den unerwartet großen Erfolg der Sendung zurückzuführen. Zumindest bei „Crispy Wallet“ scheint bisher viel glattgelaufen zu sein, soweit sich das nach ein paar Monaten beurteilen lässt. Das Unternehmen entstand aus einem Projekt, mit dem die Gründer Marvin Metzke und David Hagenkötter während ihres Studiums an der Universität Maastricht begannen. Die Loft-Etage in Kreuzberg hätten sie sich ohne die Finanzspritze der „Löwen“ kaum leisten können. Auch ihre Internetseite wäre heute wohl weniger professionell und die Tablet-Hülle nicht ganz so hip, die im hinteren Teil des Büros produziert und gelagert wird.

Die Gründer schätzen, dass die Show ihnen etwa zwei Jahre Entwicklungszeit geschenkt hat. Auch Juror Thelen ist zufrieden. „Wir haben hier ziemlich viel umgekrempelt“, sagt er. Allerdings ist er auch in einer recht komfortablen Position: Investiert hat er bisher nur wenige zehntausend Euro, was bei einem Privatvermögen „jenseits der 10 Millionen“ kaum ins Gewicht fallen dürfte, sollte die Firma scheitern. Überhaupt scheint der Erfolg der teilnehmenden Unternehmen für Thelen bei der Sendung nicht unbedingt im Vordergrund zu stehen. Er hat pädagogische Absichten. „Gründern wird in Deutschland einfach zu wenig Respekt entgegengebracht“, sagt er. Die „Höhle der Löwen“ sei ein guter Weg, das zu ändern. Beinahe zwei Millionen Leute guckten die Sendung jede Woche. „Wenn auch nur ein paar von denen ihre Kinder nicht mehr schräg angucken, wenn sie eine Firma gründen wollen, habe ich mein Ziel erreicht“, sagt Thelen.

Fabrikantin Wischhusen, die als Jurorin ebenfalls bei „Crispy Wallet“ investiert hat, verfolgt einen ähnlichen Ansatz. Sie verstehe sich als Mentorin, sagt sie. Seit Abschluss der Dreharbeiten im Februar habe sie mit den beiden Gründern vor allem an der Produktentwicklung gearbeitet. In ein paar Geschäften kann man die „Crispy Wallet“-Produkte schon kaufen. Ob diese ersten Erfolge von Dauer sein werden, lässt sich noch nicht vorhersagen. Vor den Fernsehkameras verbreiten die Gründer schon mal Optimismus: „Frank, wir haben schon drei Großkunden, ist das nicht super?“ Juror Thelen gibt sich erst beeindruckt, dann diktiert ihm der Aufnahmeleiter doch noch einen Haurucksatz ins Skript: „Das ist toll, aber guckt euch lieber noch mal an, wo eure Produkte im Laden stehen.“ Nach drei Versuchen ist die Szene im Kasten.

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